Ab Herbst ändert sich die Benutzeroberfläche – nicht nur beim iPhone, sondern auch bei iPads und Macs. © apple
„Wie meinst Krise, Spatzl?“ Man könnte meinen, Apple hätte sich bei seiner jüngsten Neuheitenshow am legendären Spruch vom Monaco Franze orientiert. Vom Riesen-Rückstand, den sich der iPhone-Gigant bei der Künstlichen Intelligenz eingehandelt hat, war kaum die Rede. Stattdessen feierte Apple auf seiner Software-Konferenz WWDC wie gewohnt sich und die „fantastischen, brillanten“ Neuheiten für iPhone, iPad oder Mac. Die bringen den Nutzern ab Herbst tatsächlich nützliche neue Funktionen. Doch den Befreiungsschlag in Sachen KI hat Apple nicht geschafft.
Was ändert sich am iPhone?
Die Benutzeroberfläche schaut mit der neuen Software iOS 26, die Ende September erwartet wird, deutlich anders aus. Ein transparentes Design namens „Liquid Glass“ („Flüssiges Glas“) bringt die größten Änderungen seit zwölf Jahren. Das sieht frisch und attraktiv aus, führt aber teilweise zu fehlenden Kontrasten. Spötter bemerken, dass Apple damit das „Aero Glass“-Design des gefloppten Windows Vista von 2006 kopiert. Die neue Optik zieht sich über alle Geräte.
Welche Funktionen sind neu?
Apple hat vor allem am Nutzerkomfort gearbeitet. Wer in einer Warteschleife hängt, kann jetzt auflegen – das iPhone ruft zurück, sobald ein echter Mensch dran ist. Telefonate lassen sich live zwischen verschiedenen Sprachen übersetzen. Das iPad orientiert sich mehr denn je am Mac und soll mit neuer Bedienung besser zum Arbeiten geeignet sein. Auf der Smartuhr Apple Watch gibt es einen „Workout Buddy“ als Begleiter und Motivator beim Training. Sogar die Dauer der Schlummerfunktion des Weckers lässt sich nun frei einstellen, statt der altbewährten neun Minuten.
Wer kann die Neuheiten nutzen?
iOS 26 ist ein kostenloses Update für alle Modelle seit dem iPhone 11 von 2019. Allerdings laufen die vielen kleinen KI-Funktionen erst ab dem iPhone 15 Pro von 2023. Alle vorherigen iPhones, die teilweise noch nicht einmal zwei Jahre alt sind, bleiben außen vor. Grund für dieses Ärgernis: Apple will seine KI lokal auf dem Gerät statt in der Internet-Wolke berechnen, was dem Datenschutz hilft. Das erfordert besonders starke Hardware. ChatGPT & Co. funktionieren aber auch auf älteren iPhones bestens.
Wie geht es mit der Apple-KI weiter?
Eine klügere KI-Version der begriffsstutzigen Sprachassistentin Siri soll erst 2026 kommen. Bis dahin bauen die Konkurrenten ihren Vorsprung weiter aus. ChatGPT-Erfinder OpenAI arbeitet jetzt mit Apples ehemaligem Design-Guru Jonathan Ive an einem neuartigen KI-Gerät, das das Smartphone ablösen soll. Kritiker unken bereits: Wenn dieses Projekt Erfolg hat, könnte es Apple so ergehen wie Nokia oder Blackberry, die nach der Erfindung des iPhone den Anschluss verpasst haben.
JÖRG HEINRICH