Telefonieren trotz Hörschwäche

von Redaktion

Während des Anrufs kann man seinem Gesprächspartner dann gleichzeitig Nachrichten schreiben.

Alternativ kann man RTT auch noch während des Telefonats aktivieren, wenn der Gesprächspartner es auch hat.

Aktiviert wird RTT im Menü „Barrierefreiheit“ (Android) oder bei Apple unter „Bedienungshilfen“.

Bei der sogenannten RTT-Funktion kann man während eines Anrufs einen Text an den Gesprächspartner senden, also mit ihm chatten. © Freepik

Um am Handy miteinander zu kommunizieren, gibt es bisher grundsätzlich zwei Wege: Entweder man telefoniert – oder man chattet und schreibt, zum Beispiel per WhatsApp oder SMS. Die neue Funktion „Real-Time Text“ (RTT), auf Deutsch „Echtzeit-Text“, bringt ab sofort beide Methoden zusammen. Sie macht es möglich, beim Telefonieren gleichzeitig auf dem Bildschirm zu schreiben und zu lesen. Das ist praktisch, wenn der Gesprächspartner nicht mehr gut hört oder Probleme beim Sprechen hat. Neben dieser Stärkung der Barrierefreiheit gibt es weitere interessante Anwendungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Telefonier-Chat.

Was genau bietet der „Echtzeit-Text“?

Mit RTT können beide Gesprächspartner beim Telefonieren auch schreiben – das Gegenüber liest „live“ mit. Jede Nachricht wird direkt übertragen und erscheint Buchstabe für Buchstabe unmittelbar auf dem Bildschirm. Ein „Senden“-Knopf ist deshalb nicht nötig. RTT läuft über die normale Telefonverbindung. Eine zusätzliche App oder ein aktiver Internetanschluss sind nicht erforderlich. Das alles funktioniert ohne Mehrkosten und ohne Belastung des Datenvolumens.

In welchen Situationen kann das nützlich sein?

Der Echtzeit-Text soll vor allem barrierefreies Telefonieren ermöglichen. Menschen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigung können per RTT kommunizieren, wenn herkömmliches Telefonieren für sie schwierig ist. Je nach Smartphone lässt sich der Text auch nach dem Gespräch noch nachlesen. Vorteile gegenüber WhatsApp: Während nicht jede Nutzerin und jeder Nutzer Messenger verwendet, ist die Telefonfunktion auf jedem Handy vorhanden. Und einen Anruf bekommt man in aller Regel immer mit, im Gegensatz zu einer Nachricht. Weil alles im Mobilfunknetz abläuft, sind zudem keine neugierigen US-Firmen wie Google oder Meta im Spiel. So profitieren auch Datenschutz und Privatsphäre.

Wo kann RTT noch beim Telefonieren helfen?

In lauter Umgebung – etwa Bus oder Bahn – bleibt die Verständigung via Text möglich. Ebenso praktisch ist RTT in Situationen, in denen man nicht sprechen möchte oder darf, etwa in Bibliotheken oder im Wartezimmer. Auch in Notlagen erweist sich die Funktion als wertvoll: Man kann einen „stillen Notruf“ absetzen, ohne zu sprechen. Ab Mitte 2027 müssen alle deutschen Notrufzentralen RTT-Nachrichten empfangen können. Das kann im Ernstfall Leben retten.

Welche Technik brauche ich dafür?

Alle großen Netzbetreiber – Telekom, Vodafone, O2/Telefónica und 1&1 – haben RTT Ende Juni freigeschaltet. Einige technische Voraussetzungen müssen jedoch erfüllt sein: RTT funktioniert nur bei Anrufen über LTE (4G), 5G oder WLAN-Call – was in Deutschland fast alle Szenarien abdeckt. Außerdem brauchen beide Gesprächspartner ein Smartphone mit Android ab Version 10 oder iOS ab 11.2, die es beide seit einigen Jahren gibt. Auf neueren Handys sollte RTT problemlos funktionieren. Für ältere Modelle stellen die Anbieter nach und nach Software-Aktualisierungen bereit. Am Festnetz-Telefon klappt der Echtzeit-Text dagegen nicht.

Wie aktiviere ich die neue Funktion?

Bei Android funktioniert das in den Einstellungen der Telefon-App oder im Menü „Barrierefreiheit“, am iPhone unter „Bedienungshilfen“ (siehe Bilder unten). Wenn die anrufende Person RTT aktiviert hat und schreibt, hat automatisch auch der Gesprächspartner direkt beim Telefonieren die Möglichkeit, per Klick auf ein Tastatursymbol RTT-Nachrichten zu akzeptieren. Manche Anbieter nennen die Funktion auch „Text-Anrufe“ oder „Software-RTT“.

Klappt das auch im Auslandsurlaub?

Der Telefon-Chat per RTT ist im Ausland bisher nur eingeschränkt verfügbar, denn die Funktion hängt vom jeweiligen Land und Mobilfunkanbieter ab. Nach und nach soll sich das neue Angebot aber auch international verbreiten.

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