Märkte bewerten, Trends finden, Anlageideen prüfen: Was früher ohne Finanzberater aufwendig war, kann heute Künstliche Intelligenz (KI) übernehmen. ChatGPT & Co. revolutionieren nicht nur die Arbeitswelt. Mit KI-Chatbots lassen sich auch Investments analysieren. Anlegerinnen und Anleger müssen jedoch die Grenzen der KI beachten.
Es ist längst kein Thema mehr nur für Fachleute: KI-Angebote sind heute leicht zugänglich und in der Basisversion oft kostenlos. In Sekunden analysiert die Künstliche Intelligenz riesige Datenmengen und liefert erstaunliche Ergebnisse – auch zu Finanzthemen. KI kann Fachbegriffe erklären, Kennzahlen erforschen sowie Portfolio-Empfehlungen geben.
Für Anleger sind zwei KI-Kategorien interessant: allgemeine Chatbots wie ChatGPT oder Gemini sowie spezielle Finanz-Chatbots. Dazu gehören FinChat.io, Financial Health Prototype, Quirion.AI, Rize Capital sowie StockGPT. Beide Angebote basieren auf Sprachmodellen, die mit Wissen trainiert wurden und durch maschinelles Lernen wie Menschen in Echtzeit kommunizieren können.
■ Chatbots und Robo-Advisor im Vergleich
Künstliche Intelligenz ist bei Investments nichts Neues. Robo-Advisors wie etwa bevestor, Whitebox und Solidvest gehen über die Möglichkeiten klassischer KI-Chatbots hinaus: Neben der Analyse, setzen sie auf Basis persönlicher Angaben auch konkrete Anlagestrategien um. So entsteht ein digital gesteuertes Portfolio, das laufend angepasst wird. Für viele Anleger kann das eine sinnvolle Ergänzung zu reinen Analyse-Tools sein.
■ Welcher Bot ist ideal für Anleger?
Neueste KI-Versionen kombinieren ein immer besseres Textverständnis, starke Kontextverarbeitung und „Suchfähigkeiten“. Die Modelle liefern nicht nur Antworten aus einem vorab definierten Kontext, sie recherchieren live im Internet. Anleger können also Finanzwissen entwickeln, Reports zusammenfassen lassen, Kurse abfragen und Portfolios testen.
Ein leistungsfähiger allgemeiner Chatbot ist ChatGPT. Das Tool ist intuitiv bedienbar und in deutscher Sprache verfügbar. Je nach Modell ist die Websuche möglich. Gemini von Google verarbeitet gleichzeitig Texte, Bilder und Tabellen. Die sogenannte Multimodalität erhöht Qualität und Geschwindigkeit datengestützter Entscheidungen. Perplexity gilt als ausgezeichnete Recherche-KI. Quellen machen die Ergebnisse transparent und „Folgefragen“ unterstützen Recherchen.
■ Virtuelle Berater, die sich anbieten
KI wird „den Finanzsektor massiv verändern“, sagte Martin Daut, CEO von Quirion. 2024 hat der deutsche Finanzdienstleister den Chatbot Quirion.AI vorgestellt. Er soll als virtuelles Beratungsangebot fungieren und greift laut Daut nur auf geprüftes Wissen zurück. „Daher halluziniert der Bot nicht“, sagt Daut. Ähnlich aufgestellt ist der Financial Health Prototype. „Wir wollen dabei unterstützen, bessere Anlageentscheidungen zu treffen, und bieten das gesamte Wissen des Hauses“, erklärt Karin Berger von der Erste Group Bank Österreich, die das Angebot 2023 startete.
Tiefe Analysen ermöglicht FinChat.io. Wie StockGPT ist der Chatbot vor allem für erfahrene Anleger aus den USA konzipiert. Beide Angebote zeigen aber, was aktuell schon mit KI möglich ist. Rize Capital kombiniert moderne KI-Technologie mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und ist damit geeignet für Investoren, die personalisierte Strategien suchen.
■ Risiken, die Anleger kennen müssen
Chatbots können Anlegern gute Dienste leisten. Doch die Technologie birgt Risiken. So neigen KI-Systeme zu „Halluzinationen“. Das sind plausible, aber falsche Aussagen. Veraltete Daten oder zu komplizierte Fragen führen dazu, dass die KI halluziniert. Viele Modelle sind zudem „Black Boxes“, deren Entscheidungen für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. Wichtig: Anlageentscheidungen sollten daher nie nur auf Künstlicher Intelligenz beruhen.