Bislang definiert jede Airline für sich, wie groß ein Handgepäckstück sein darf. © Michael Matthey, dpa
Der Streit ums Handgepäck im Flugzeug ist vor Gerichten gelandet. Gemeinsam mit europäischen Partnern streitet der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) dafür, dass Flugpassagiere kostenfrei mehr Handgepäck in die Kabine mitbringen dürfen als bislang. Doch die meisten Airlines und ihre Verbände mauern. Sie wollen den durchaus vorhandenen Platz in Gepäckfächern lieber für zusätzliche Einnahmen nutzen.
Im Kern geht es um die Frage, wie groß „angemessenes Handgepäck“ sein darf, denn die einschlägigen EU-Vorschriften bleiben in diesem Punkt unbestimmt. Die Antworten fallen je nach Perspektive unterschiedlich aus. Europas größter Billigflieger Ryanair lässt nur eine kleine Tasche zu, Außenmaße höchstens 40 x 30 x 20 Zentimeter. Alles darüber kostet.
Die Verbraucherschützer wollen Airlines zwingen, zusätzlich einen Kabinenkoffer mit dem vom Airline-Weltverband IATA empfohlenen Außenmaß von 115 Zentimetern (etwa 55 x40 x 20) zu akzeptieren. Typische Rollkoffer in dieser Größe werden schon seit Jahren als Kabinengepäck verkauft, kosten aber auf den meisten Direktflügen teils deftige Aufpreise. Zwischen sechs und 75 Euro pro Kabinenkoffer hat der europäische Verbraucherverband BEUC festgestellt.
Bei Lufthansa wie auch bei anderen Netzairlines sind Tasche und kleiner Koffer im Ticketpreis inbegriffen, weil man für die vielen Umsteiger keinen Unterschied machen will zur Langstrecke. Auch Condor hat auf neuen City-Flügen immer einen Trolley und eine kleine Tasche inbegriffen. Geht es hingegen zu touristischen Zielen oder auf die Langstrecke, gibt es auch hier im günstigsten Tarif nur die kleine Tasche.
Der vzbv hat die Direktflieger Norwegian Air, Ryanair, Transavia, Volotea, Easyjet, Wizz und Vueling wegen ihrer Handgepäckpolitik abgemahnt. Zusätzlich wurden Klagen gegen Easyjet, Wizz und Vueling vor deutschen Gerichten eingereicht.
Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) verteidigt das Baukastenprinzip, nach dem jeder Passagier für zusätzliches Gepäck selbst zahlen muss. Wäre dies nicht der Fall, müssten die Kosten auf alle umgelegt werden, sagt eine Sprecherin.