Haselnüsse sind heuer rar und teuer. Schuld sind Wetterextreme. Größter Nussabnehmer ist die Firma Ferrero, die unter anderem Nutella herstellt. © Daniel Karmann
Die Haselnusspreise sind seit Jahresbeginn bis nun zur Erntezeit um mehr als ein Drittel gestiegen, was in Deutschland Unternehmen wie Ritter Sport, Seeberger oder Zentis trifft. Schokolade, Müsli, Nussaufstrich: All diese Produkte sind teurer geworden – oder dürften demnächst teurer werden.
Die hohen Preise hängen mit der Besonderheit des Haselnussmarkts zusammen. Denn mit der Türkei gibt es ein Erzeugerland, das den Weltmarkt dominiert. Rund 60 Prozent der Haselnüsse wachsen vor allem an den grünen Berghängen entlang der Schwarzmeerküste, wo die Nuss wegen ihrer Bedeutung auch „grünes Gold“ genannt wird.
Im April schädigte ein Kälteeinbruch dort Blüten und Triebe – wonach die Preise bereits vor Erntebeginn kletterten. Von einem der ärgsten Agrarfröste in der Geschichte der Türkei sprach Landwirtschaftsminister Ibrahim Yumakli. Experten führten als Grund den Klimawandel an, der Extremwetter häufiger werden lässt.
Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass der Getreiderat, ein staatlicher Marktregulierer, dieses Jahr einen Rückgang der Ernte um 36 Prozent auf etwa 450 000 Tonnen erwarte.
Der Preissprung trifft besonders Unternehmen, die auch teuren Kakao beziehen. Beispielsweise den Schweizer Schokoladenhersteller Lindt, die Müslimarke Kölln oder Ritter Sport. Ritter Sport verarbeitet mehrere tausend Tonnen Haselnüsse im Jahr, die überwiegend von der türkischen Schwarzmeerküste kommen, in kleineren Teilen auch aus den USA.
Die Preissteigerungen dürften vor allem den weltweit größten Einkäufer von Haselnüssen treffen: den Nutella-Produzenten Ferrero, der schätzungsweise etwa ein Drittel aller Haselnüsse bezieht. Die Preisentwicklung kommentiert das Unternehmen auf Anfrage nicht. Dass es zu Lieferunterbrechungen komme, verneint Ferrero. Haselnüsse beziehe Ferrero außer aus der Türkei auch aus Italien, Chile und den USA, was die Versorgung sicherstelle.
Alexander Sterk hat in Amsterdam die Plattform Vesper BV gegründet, die Daten zu Lebensmittelmärkten bereitstellt. Wie er berichtet, kostet eine Tonne türkische Haselnusskerne inzwischen etwa 9400 Euro. Das entspreche seit Jahresbeginn einem Plus von mehr als einem Drittel.
„Der Haselnusspreis ist derzeit sehr hoch“, sagt der frühere Händler Sterk. Deshalb werden Haselnüsse ihm zufolge zurzeit kaum gehandelt – anders als etwa Erdnüsse. Auch bekomme er mit, dass Unternehmen versuchten, Rezepte zu ändern, um den Haselnussanteil zu senken.