Jetzt eine Immobilie kaufen?

von Redaktion

Kaufpreis und Zinsen sind die bestimmenden Faktoren für einen Hauskauf. An beiden Fronten sieht es vergleichsweise gut aus. © nialowwa, panthermedia

In diesen Wochen liegt diese Frage besonders nahe, weil sich am Immobilienmarkt gerade der Trend umgekehrt hat. Die Bauzinsen sind wieder leicht gesunken. Und die Flaute, die mit dem Zinsanstieg im Sommer 2022 begann und zu einem teilweise deutlichen Absturz der Immobilienpreise führte, scheint zu Ende gegangen zu sein: Die Preise für Wohnimmobilien steigen wieder. Jetzt also noch schnell zugreifen?

■ Monatsbelastung sinkt

Wer sich Ende Oktober 2023 von einer Bank Geld für den Kauf einer Wohnung oder den Bau eines Hauses lieh, zahlte im Durchschnitt für einen Hypothekenkredit mit zehn Jahren Laufzeit 4,22 Prozent. Anfang Juli 2025 waren es 3,61 Prozent. Das zeigt der Index des Portals biallo.de, für den die Konditionen von 60 Banken und Sparkassen ausgewertet werden. Die monatliche Rate für Zins und Tilgung für einen zehnjährigen Baukredit über 300 000 Euro sinkt dadurch um gut 150 Euro je Monat von 1555 Euro auf 1402,50 Euro. Unterstellt ist dabei, dass der Kreditnehmer zwei Prozent des Kreditbetrags pro Jahr zurückzahlt, um mit dieser Tilgungsrate den Kredit abzutragen.

■ Historischer Vergleich

Nun klingen Zinsen von um die 3,5 Prozent eher hoch – zumindest verglichen mit den niedrigen Zinsen von unter 1,0 Prozent, die es noch im Frühjahr 2020 gab. Im historischen Vergleich sind Zinssätze von deutlich unter vier Prozent aber niedrig. So lagen die Zinsen vor gut 30 Jahren bei knapp neun Prozent – für die jüngere Generation eine fast unvorstellbare Zahl. Im 30-Jahres-Durchschnitt belaufen sie sich auf etwa 4,5 Prozent. „Langfristig betrachtet sind Bauzinsen von um die 3,5 Prozent deshalb nicht viel“, sagt Thomas Hentschel, Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentrale.

■ Zinsdelle nutzen

Sowohl der langfristige als auch der kurzfristige Vergleich legen nahe: Jetzt könnte ein guter Zeitpunkt für eine Baufinanzierung sein. Der Baukredit-Vermittler Interhyp etwa spricht von einer „Zinsdelle“ und rät Interessenten zum Kauf. „Besser wird’s nicht“, glaubt Interhyp-Vertriebschefin Mirjam Mohr: Auch die jüngste Umfrage von biallo.de bei 14 Banken und Kreditvermittlern zeigt: Immobilienkäufer und Hausbauer sollten sich bis Jahresende 2025 eher auf höhere Zinsen von bis zu vier Prozent einstellen.

■ Preise ziehen wieder an

Die Preise für Wohnimmobilien erholen sich langsam wieder. Laut einer Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sind die tatsächlich erzielten Preise für Wohnimmobilien in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres deutlich gestiegen. Auffällig ist demnach vor allem der Preisanstieg im Vergleich zum ersten Quartal 2024. So verteuerten sich Eigentumswohnungen im Durchschnitt innerhalb eines Jahres um 3,2 Prozent. Bei Einfamilienhäusern liegt das Plus bei 4,7 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern sind es sogar 8,7 Prozent. Die Wissenschaftler meinen deshalb: „Insbesondere Kaufinteressenten könnten den aktuellen Zeitpunkt als guten Einstiegszeitpunkt wahrnehmen, nicht nur wegen der überwundenen Tiefststände, sondern vor allem angesichts der Tatsache, dass die Preise immer noch deutlich unter den Mitte 2022 erreichten Allzeithochs liegen.“

Die Talsohle bei den Kaufpreisen scheint also langsam durchschritten zu sein. Und das heißt: Noch können Käufer, zumindest verglichen mit den Höchstpreisen vor einigen Jahren, günstiger eine Immobilie erwerben. So suchen laut einer Auswertung des Immobilienportals Immoscout wieder mehr kaufbereite Bundesbürger nach einer Immobilie. Zugleich vergeben die Banken wieder mehr Baukredite. Im März 2025 war das Volumen der vergebenen Wohnbaukredite so hoch wie seit der Zinswende im Sommer 2022 nicht mehr, so eine Analyse von Barkow Consulting.

■ Nichts überstürzen

Es ist sicherlich richtig, auf die Immobilienpreise und die Bauzinsen zu schauen. Jedes Zehntel nach dem Komma mehr oder weniger kann viel Geld kosten. Aber wer den Hauskauf plant, sollte deswegen nichts überstürzen, rät Hentschel. Der Experte warnt: Niemand sollte sich von der Angst, eine tolle Gelegenheit zu verpassen, zu einer unüberlegten Entscheidung verleiten zu lassen: „Jeder muss für sich selbst herausfinden, wann der ideale Zeitpunkt zum Kaufen gekommen ist“, sagt er.

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