Schonfrist für Windows 10

von Redaktion

Das Betriebssystem Windows 10 läuft in Deutschland noch auf über 30 Millionen Geräten. Microsoft will den Support für das Programm einstellen – nach heftigen Protesten gibt es nun eine Übergangsfrist. © Andrea Warnecke

Aufgrund des Drucks europäischer Verbraucherschützer bietet Microsoft in Deutschland und der gesamten EU seine „Extended Security Updates (ESU)“ („Erweiterte Sicherheits-Aktualisierungen“) für Privatnutzer gratis an. Einzige Voraussetzung ist ein kostenloses Konto bei Microsoft. Wir erklären, was betroffene PC-Besitzer jetzt wissen müssen.

Warum gibt es nun doch eine Schonfrist?

Die Wende kam durch die Verbraucherorganisation Euroconsumers, die Microsoft erfolgreich unter Druck gesetzt hat. Ursprünglich hatte der US-Konzern geplant, die kostenlosen Sicherheits-Updates nur freizuschalten, wenn man durch Einkäufe bei Microsoft 1000 Treuepunkte gesammelt hat – oder eine Sicherungskopie seines Rechners im Online-Speicher OneDrive hinterlegt hat. Kosten: 30 Euro. Diese kundenunfreundlichen Forderungen sind nun vom Tisch.

Was muss ich tun, damit für ein Jahr alles beim Alten bleibt?

Ab Oktober erscheint ein neues Fenster in den Windows-10-Einstellungen: „Jetzt registrieren, um weiter Updates zu erhalten.“ Einfach auf den Knopf klicken, mit dem eigenen Microsoft-Konto anmelden oder eines erstellen – das genügt, damit die SicherheitsAktualisierungen bis 13. Oktober 2026 laufen. Wichtig: Man muss sich mindestens alle zwei Monate am PC mit dem Microsoft-Konto einloggen, damit der Schutz lückenlos erhalten bleibt. Daran müssen vor allem Nutzerinnen und Nutzer denken, die ihren Rechner nur sehr selten einschalten. Von sich aus erinnert die Software offenbar nicht daran.

Wieso verabschiedet sich Microsoft eigentlich von Windows 10?

Dass der US-Konzern nach wie vor plant, Millionen funktionierender Rechner quasi in Zwangsrente zu schicken, wird von Technikexperten und Umweltschützern heftig kritisiert. Sie sprechen von „geplanter Obsoleszenz“ und warnen vor einer beispiellosen Welle von Elektroschrott. Allein in Deutschland sind schätzungsweise bis zu 32 Millionen Windows-10-Geräte betroffen – die sich aufgrund gestiegener Hardware-Anforderungen oft nicht mehr auf Windows 11 aktualisieren lassen. Meist sind das Rechner, die mindestens sechs bis acht Jahre alt sind. Marielle Findorff vom Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert: „Es ist völlig undurchsichtig, warum teilweise absolut leistungsfähige Hardware aussortiert wird.“

Schlussendlich geht es darum, dass Microsoft von den alten Computern keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr hat – und dass es mit neuer Hardware und KI-Angeboten Geld verdienen will.

Wie würde der Wechsel auf Windows 11 funktionieren?

Wenn der PC die Anforderungen erfüllt, ist der Wechsel kostenlos und relativ einfach. Er erfolgt über das „Windows Update“ in den Einstellungen. Daten und Programme bleiben dabei erhalten. Zum Prüfen, ob ein Rechner fit für Windows 11 ist, bietet Microsoft eine „PC-Integritätsprüfung“ (is.gd/windows2025) an.

Geht in einem Jahr alles wieder von vorne los?

Danach sieht es momentan aus. Allerdings ist auch denkbar, dass Microsoft in der EU darauf warten muss, bis die Rechner schlichtweg veraltet sind. Generell gilt: Auch nach dem Ende der Unterstützung (Englisch: Support) von Windows 10 funktionieren die Computer weiter. Die Amerikaner stopfen nur keine Sicherheitslücken mehr.

Wie groß wird die Gefahr ohne Sicherheits-Updates?

Wer mit solchen Rechnern ins Internet geht, online einkauft oder Bankgeschäfte betreibt, ist Hackerangriffen zunehmend schutzlos ausgeliefert. Der Sicherheitsexperte Thorsten Urbanski bezeichnet die Lage als „brandgefährlich“: „Cyberkriminelle warten nur auf den Tag des Support-Endes“ – der jetzt allerdings mindestens noch ein Jahr entfernt ist.

Wie sieht die Zukunft für PC-Nutzer aus?

Langfristig werden Microsoft-Kunden kaum an Windows 11 vorbeikommen. Aber nun können sie zumindest länger abwarten, ob sie einfach beim nächsten PC-Kauf auf das neuere System umsteigen – das Windows 10 im Übrigen sehr ähnelt und das wenig Eingewöhnung erfordert.

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