Wer in jungen Jahren angefangen hat, für sein Alter vorzusorgen, kann der Zukunft gelassen entgegenblicken. Für den Anfang reicht eine kleine monatliche Sparrate. © Christin Klose, dpa
Generell gilt: Je früher man mit dem Sparen fürs Alter anfängt, desto besser. „Das ist grundsätzlich auch mit kleinen Beträgen von 50 Euro oder noch weniger möglich“, sagt Wirtschaftsprofessor Michael Heuser. Die Sparrate lässt sich oft an die Lebensbedingungen anpassen. Wer in jungen Jahren damit anfängt, vielleicht 50 Euro monatlich zu sparen, kann den Betrag mit steigendem Einkommen erhöhen.
Aber auch noch im höheren Lebensalter kann man noch etwa mit Aktienfonds oder börsengehandelten Indexfonds (ETF = Exchange Traded Fund) aufholen. „Man muss dann allerdings mit einer höheren Sparrate einsteigen, um eine angenommene Rentenlücke zu schließen“, so Heuser, der wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt ist.
1. Notgroschen
Bevor es mit dem Sparen fürs Alter losgehen kann, sollte man einen Notgroschen für alle Fälle beiseitelegen.. Dieser sollte etwa drei bis fünf Netto-Monatsgehälter umfassen, auf die man schnell zurückgreifen kann, empfiehlt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Dieses Geld kann zum Beispiel auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarkt-ETF angelegt werden.
Zudem ist es wichtig, noch vor dem Sparen Konsumschulden zurückzuzahlen und gegebenenfalls auch den Überziehungskredit des Girokontos auszugleichen. Die Zinsen dafür sind in der Regel um einiges höher als das, was man mit Sparen erreichen kann.
2. Risiken
Bestimmte Ereignisse, auf die man keinen Einfluss hat, können einen in den finanziellen Ruin treiben. Beispielsweise können eine schwere Erkrankung oder ein Unfall dazu führen, dass man den Job nicht mehr in vollem Umfang ausüben kann. „Damit dann trotzdem Geld aufs Konto fließt und man die Lebenshaltungskosten bestreiten kann, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unabdingbar“, so Heuser.
Eine weitere wichtige Versicherung ist die private Haftpflichtversicherung – sie schützt vor den finanziellen Folgen von Schäden, die man anderen versehentlich zufügt. Wer eine solche Versicherung nicht hat, haftet mit seinem Privatvermögen für entstandene Schäden.
3. Rentenlücke
Anschließend geht es darum, zu ermitteln, welchen Finanzbedarf man im Alter haben wird. Von dieser Summe sind die regelmäßigen Einnahmen aus gesetzlicher und gegebenenfalls vorhandener privater Altersvorsorge abzuziehen. Das Ergebnis ist die Rentenlücke, die einen erwartet.
Der errechnete Betrag muss dann zunächst aufs Jahr hochgerechnet und dann mit einer prognostizierten Anzahl an Lebensjahren im Ruhestand multipliziert werden. Grober Anhaltspunkt kann die Sterbetafel des Statistischen Bundesamts sein. So kann man herausfinden, wie viel Geld bis zum Eintritt in den Ruhestand angespart werden muss, damit man im Alter keine Abstriche beim gewohnten Lebensstandard machen muss. Bei der Berechnung kann auch der Rentenlückenrechner (https://www.ihre-rentenluecke.de/#start) des Deutschen Instituts für Altersvorsorge nützlich sein.
4. Beratung
Mitunter lockt ein Finanzprodukt, das satte Renditen verspricht. „Unbedingt zu vermeiden ist die Spontanitätsfalle“, sagt Heuser. Besser sei es, sich in Ruhe nicht nur mit einem, sondern mit verschiedenen Angeboten zur Altersvorsorge auseinanderzusetzen und diese zu vergleichen. Wer hierfür fachliche Expertise benötigt, sollte sich von unabhängiger Seite beraten lassen, zum Beispiel von Verbraucherzentralen.
5. Streuung
„Grundsätzlich sind breit gestreute und global angelegte ETFs sehr gut zum Vermögensaufbau auch fürs Alter geeignet“, sagt Mai. Wer etwa einen ETF auf den MSCI All Country-World-Index oder auf den FTSE-All-World kauft, profitiert von der Wertentwicklung von rund 3000 bis 4000 Aktien aus der ganzen Welt. So wird das Verlustrisiko gestreut. Wer auf Einzeltitel setzt, ist deren Kursverlauf auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. Die geringen Kosten erhöhen die Rendite für die Anleger.
6. Prüfstand
Ändern sich die Lebensumstände in privater oder in beruflicher Hinsicht, ist es wichtig, die Finanzprodukte auf den Prüfstand zu stellen. Falls diese nicht mehr zur Lebenssituation passen, „kann man beispielsweise Sparraten nach oben oder gegebenenfalls auch nach unten anpassen oder auch Vermögen umschichten“, sagt Heuser. Bei Börsenturbulenzen gilt: Immer die Ruhe bewahren und keinesfalls eine langfristig richtige Strategie aufgeben. „Über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg gleicht sich das durch fallende Aktienkurse entstandene Minus oft aus“, so Heuser.
7. Kosten
Verbraucherschützer Mai rät: „Meiden Sie Produkte mit hohen Abschlusskosten und geringer Flexibilität.“ Und: Vermeiden Sie häufige Umschichtungen innerhalb der Finanzprodukte – auch das kostet Rendite. Mai hat noch einen weiteren Tipp parat: Erst gar nicht versuchen, durch Einzelaktien mittels Daytrading Gewinne zu erzielen. Erfolg sei hierbei reine Glückssache. „Je länger man spielt, desto mehr Geld ist zu verlieren.“