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Pistazien schwer in Mode

von Redaktion

Frische Pistazien sind teuer. Deshalb greift die Lebensmittelindustrie gern auf Ersatzprodukte und Aromen zurück. © itor, smarterpix

Klein, grün und edel – schon seit der Antike gilt die Pistazie als besonders köstliche Nuss, deren Genuss zu manchen Zeiten nur den Herrschern vorbehalten war. Streng genommen ist die Pistazie gar keine Nuss, sondern der Steinfruchtkern eines Sumachgewächses, entfernt verwandt mit Cashew und Mango.

Lange Zeit war sie in Deutschland vor allem als salzige Knabberei und Zutat in Eis und Mozartkugeln bekannt. Auch die grünen Punkte in italienischen Mortadella-Wurstscheiben sind Pistazien. Dann kam es vor einem Jahr zu einem durch Social Media befeuerten Hype um die sogenannte Dubai-Schokolade mit ihrer extrem süßen, pistazienhaltigen Füllung. Seitdem schmücken sich immer mehr Produkte mit Pistazien – neben gefüllten Schokoladen aller Art findet man sie in Gebäckfüllungen, Milchshakes, Kaffeegetränken, Brotaufstrich, Frühstückscerealien, Eiweißpulver und vielem mehr.

Manche dieser Kreationen grenzen an Verbrauchertäuschung: Statt edler Pistazien sorgen vor allem Aromastoffe, preiswertere Nüsse und grüne Farbextrakte für Aussehen und Geschmack. Aktuelles Beispiel: Donuts mit pistazienhaltiger Füllung und augenscheinlich mit grünen Pistazienstückchen bestreut – dabei handelt es sich um kandierte und grün gefärbte Mandelstücke.

Statt zweifelhafter Neukreationen lohnt es sich vielmehr, die echte Pistazie zu entdecken. Neben ihrem feinen Aroma ist ihr Genuss auch durchaus gesund: Pistazien enthalten ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, pflanzliches Eiweiß, Betacarotin, Vitamin E, B-Vitamine und Folsäure, dazu jede Menge Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink.

Pistazien gehören aber auch zu den besonders schimmelanfälligen Lebensmitteln. Ein engmaschiges Netz aus Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Ernte, Lagerung und Transport sowie Laborkontrollen durch die Überwachungsbehörden ist nötig, um sicherzustellen, dass keine mit Schimmelpilzgiften belastete Ware in den Handel kommt. Und auch wer zu Hause in eine bitter, alt oder muffig schmeckende Pistazie beißt, sollte diese sicherheitshalber ausspucken.

Pistazien gedeihen im Iran, in der Türkei und auch auf Sizilien. Der Großteil der Welternte stammt mittlerweile aber aus den USA. Dort wird seit einigen Jahren die Pistazie als Alternative zur Mandel vermehrt angebaut und intensiv beworben. Allerdings scheinen sich die ökologischen Sünden des kalifornischen Mandelanbaus zu wiederholen: In großen Monokulturen werden die Pistazienbäume mithilfe von Dünger, Pestiziden und künstlicher Bewässerung auf maximalen Ertrag getrimmt – was Wasserknappheit und Umweltschäden vor Ort weiter anheizt.

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