DIE BÖRSENWOCHE

Ein ruhiger Jahresausklang

von Redaktion

Eine Jahresendrallye wird es heuer wohl nicht geben an den großen Börsenplätzen dieser Welt. © Jimin Kim, dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihren Leitzins erwartungsgemäß nicht, hob aber ihre Projektionen für Inflation und Wachstum im kommenden Jahr 2026 leicht an. Obwohl Risiken für künftig höhere Preisniveausteigerungen bestehen, sieht die Notenbank die Inflationserwartungen der Menschen derzeit stabil nahe des Zielniveaus von 2 Prozent verankert. Passend dazu wurde die Teuerungsrate in der Eurozone für November mit 2,1 Prozent leicht niedriger vermeldet. Kurzfristig sind somit keine weiteren EZB-Leitzinsanpassungen zu erwarten.

In Deutschland richtete sich der Fokus vor allem auf einige konjunkturelle Frühindikatoren, die jedoch allesamt schwächer ausfielen. So zeugte der GfK-Konsumklimaindex von einer wieder verstärkten Kaufzurückhaltung privater Konsumenten bei gleichzeitig gestiegener Sparneigung. Meldungen aus dem Einzelhandel über ein schleppend verlaufendes Weihnachtsgeschäft untermauern diese Tendenz. Sorgen vor Arbeitsplatzverlust und steigenden Lebenshaltungskosten sowie geo- und handelspolitische Unsicherheiten überwiegen offensichtlich noch die Perspektive einer gesamtwirtschaftlichen, vor allem durch staatliche Investitionen initiierten Wachstumsbelebung in den kommenden Monaten.

In den USA wurden weitere, durch den Shutdown im Herbst verzögerte volkswirtschaftliche Daten bekannt gegeben. Demnach stieg die Arbeitslosenquote im November leicht auf 4,6 Prozent. Zusammen mit der im November überraschend deutlich auf 2,7 Prozent gesunkenen Inflation erfuhr die Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed aus der letzten Woche damit im Nachgang eine Rechtfertigung.

Die Gemengelage aus wenig optimistischen Konjunkturdaten und differenzierten Zinsanpassungen verhinderte an den internationalen Aktienbörsen eine dynamischere Jahresendrallye, zumal einige US-Technologiewerte erneut größere Kursrücksetzer erfuhren. In diesem Segment stellt sich nach wie vor die Frage, ob die enormen Investitionen für den Ausbau von Datencentern und zur Sicherung von Chip- sowie Energieerzeugungskapazitäten sich jemals in ausreichend Gewinne ummünzen lassen. Eine konkrete Antwort werden Anleger zwar erst in einigen Jahren bekommen. Dass aber überhaupt eine entsprechende Diskussion stattfindet, kann als Zeichen für eine fehlende überzogene Euphorie an den Börsen gewertet werden. Insofern bestehen gute Aussichten auf einen ruhigeren Jahresausklang in den wenigen verbleibenden Handelstagen.

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