So wird Strom günstig

von Redaktion

Arbeitspreis, Grundpreis, Nettopreis – bitte was? Die Schreiben vom Versorger sind detailliert, aber oft nicht leicht zu verstehen. © Antonio Guillem/Imago

Vielen Verbrauchern flattern dieser Tage Briefe von ihrem Versorger ins Haus: Oft handelt es sich um eine Preiserhöhung. Doch was genau bedeuten die ganzen Zahlen – und wie können Verbraucher sich einen günstigen Tarif sichern?

■ Preisbestandteile

Grundsätzlich bestehen die Strom- und Gaspreise aus drei großen Bestandteilen: Netzentgelte, Steuern und Umlagen sowie „Beschaffung und Vertrieb“. Auf die ersten beiden Bausteine hat der Versorger keinen Einfluss, sie sind für alle Anbieter gleich. So sinken die Strom-Netzentgelte zum neuen Jahr etwa, weil die Bundesregierung sie mit Steuergeldern bezuschussen wird. Hinter Beschaffung und Vertrieb verbergen sich aber sowohl kaufmännisches Geschick des Versorgers wie auch die aufgeschlagene Marge. Verbraucher sollten hier deshalb genau hinschauen. Denn es steht dem Versorger frei, sinkende Großmarktpreise nicht an seine Kunden durchzureichen – oder die Preise zu erhöhen.

■ Zusammensetzung

Die Kosten setzen sich aus Arbeitspreis und Grundpreis zusammen. Für beide ist nur der Brutto-Wert auf der Abrechnung relevant. Der Grundpreis ist eine feste Summe pro Jahr Vertragslaufzeit. Der Arbeitspreis ist die Summe, die pro tatsächlich verbrauchter Kilowattstunde abgerechnet wird. Wer viel verbraucht, kommt mit einem niedrigen Arbeitspreis besser weg. Wer sparsam ist, sollte auf eine günstige Grundgebühr setzen. Viele Versorger nutzen derzeit den Jahreswechsel, um beide Preisbestandteile zu ändern. Verbraucher können leicht nachprüfen, ob sie dabei einen guten Schnitt machen: Einfach den Jahresverbrauch x Arbeitspreis/kWh + Jahresgrundpreis rechnen und für alten und neuen Tarif vergleichen.

■ Tariffreiheit

Jeder Verbraucher kann einen Sondertarif abschließen und damit das beste Angebot am Markt auswählen. Erhöht der alte Versorger die Preise, besteht immer ein Sonderkündigungsrecht. Die einzige Monopol-Stellung hat der Grundversorger. Das ist jeweils der Anbieter mit den meisten Kunden in einem Netzgebiet. Er beliefert von Gesetzes wegen alle, die keinen gesonderten Vertrag haben. Meist sind diese Tarife nicht die günstigsten.

■ Tarif finden

Grundsätzlich kann man sich immer bei jedem Versorger – etwa lokale Anbieter wie die Stadtwerke München oder große Anbieter wie Eon und Vattenfall – erkundigen, welche Angebote es gibt. Für Neukunden gibt es meist einen attraktiven Bonus. Aber auch Bestandskunden, die mit Kündigung drohen, bekommen meist eine verbesserte Offerte. Deutlich einfacher geht das mit Internet-Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24. Hier bekommt man die jeweils besten Angebote auf dem Markt. Die Portale rechnen praktischerweise auch Wechselprämien und die Grundgebühr auf einen einheitlichen Preis pro Kilowattstunde runter. Das erlaubt Vergleiche auf einen Blick.

■ Tarifwahl

Je höher der eigene Verbrauch, desto besser sind meist die Angebote. Ein klassischer Mengenrabatt. Weil die Vergleichsportale immer den eigenen Jahresverbrauch abfragen, rechnen sie automatisch mit ein, ob der Vertrag ein günstiges Verhältnis zwischen Grund- und Arbeitspreis hat. Wenn man ohne Vergleichsportal auf die Suche geht, muss man sich das mit der bereits genannten Formel selbst ausrechnen. Wichtig: In der Energiekrise hat sich gezeigt, dass einige Discount-Anbieter zu eng auf Kante genäht waren. Es lohnt sich, einen günstigen, aber etablierten Versorger zu wählen.

■ Jährlicher Wechsel

Durch die Vergleichsportale ist der Wettbewerb zwischen den Versorgern hart. Sie bieten oft enorm attraktive Wechselboni oder Konditionen, die im ersten Jahr der Vertragslaufzeit deutlich unter den Durchschnittspreisen liegen. Das Problem: Nach dem ersten Jahr sind entweder die Boni aufgebraucht oder die Preise steigen. Denn die Preisbindung gilt meist nur für das erste Jahr. Wer immer den besten Schnitt machen will, muss im Grunde jedes Jahr den Anbieter wechseln und die Neukundenboni mitnehmen. Wer nicht häufig wechseln will, sollte zumindest einen Vertrag suchen, bei dem die Summe aus Grund- und Arbeitspreis auch ohne Einmalzahlung preiswert ist.

■ Wechsel-Service

Die Vergleichsportale bieten einen Vertrags-Verwaltungs-Service an. Der Anbieter-Wechsel ist in wenigen Minuten erledigt: Man muss einfach seine Adressdaten eintippen, der neue Versorger übernimmt dann die Kündigung. Wenn man seine Marktlokationsnummer kennt – steht auf der letzten Abrechnung – geht das sogar innerhalb von wenigen Tagen. Daneben gibt es Wechsel-Services wie „Wechselpilot“, die jedes Jahr automatisch den günstigsten Anbieter suchen und den Vertrag abwickeln.

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