Trotz Ermittlungen: Baywa verlängert mit Agrarchefin

von Redaktion

München – Der Aufsichtsrat der Baywa hat den Vertrag von Marlen Wienert vorzeitig verlängert – obwohl die Staatsanwaltschaft gegen sie ermittelt. Statt bis März 2026 ist Wienert nun für eine weitere Amtszeit bis März 2028 bestellt. Das geht aus einer Mitteilung im Intranet des Konzerns hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Wienert kam 2006 zur Baywa und wurde im April 2023 als erste Frau in den Vorstand des Konzerns berufen. Dort ist sie nun für die Bereiche Agrar und Energie verantwortlich. Als Vorstandsmitglied hat sie den Geschäftsbericht für das Jahr 2023 gezeichnet, in dem laut Finanzaufsicht Bafin die Pleiterisiken des damals schon angeschlagenen Agrarriesen beschönigt wurden. Kurze Zeit nach Vorlage des Geschäftsberichts schlitterte die Baywa nur haarscharf an einer Pleite vorbei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb wegen des Verdachts der Bilanzfälschung gegen alle, die den Geschäftsbericht unterschrieben haben – unter anderem ist das Marlen Wienert. Während andere Vorstände wie der damalige Baywa-Chef Marcus Pöllinger oder der damalige Finanzchef Andreas Helber, gegen die ebenfalls ermittelt wird, die Baywa bereits verlassen haben, soll Wienert nun weiter im Amt bleiben.

„Gerade in der laufenden Transformation sind ihre umfassende Expertise im Agrarmarkt und ihre langjährige Erfahrung in der Baywa entscheidend, um das Unternehmen noch konsequenter auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden auszurichten“, begründete Gregor Scheller, Chef des Aufsichtsrats, intern die Vertragsverlängerung. Eine offizielle Mitteilung auf der Webseite der Baywa gibt es bisher nicht. Kritiker vermuten deshalb, der Aufsichtsrat der Baywa habe die heikle Vertragsverlängerung möglichst unauffällig in der hektischen Vorweihnachtszeit durchdrücken wollen. Der Konzern bestätigte die Personalie erst auf Nachfrage unserer Zeitung.

Aktionärsschützerin sind verwundert über das Vorgehen. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gelte die Unschuldsvermutung, betont Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Wienert sei als Agrar- und Energiechefin auch weniger mit Finanzthemen befasst gewesen als andere Vorstände. „Trotzdem ist die ganze Sache unglücklich“, sagt die Anwältin. „Die Baywa sollte eigentlich alles dafür tun, Vertrauen in den Konzern und seine Führung wiederherzustellen.“ Die heimliche Verlängerung bewirke eher das Gegenteil.

In der Schwebe scheint bei der Baywa nach wie vor der Verkauf von Cefetra zu sein. Durch die Veräußerung der Baywa-Tochter sollte eine halbe Milliarde an Schulden für den Konzern wegfallen. Doch der Deal platzte im Oktober in letzter Minute, weil der Käufer laut Baywa die Kaufsumme von 125 Millionen Euro nicht aufbringen konnte. Die Baywa stellte damals sofort eine Übernahme von Cefetra durch einen neuen Investor noch in diesem Jahr in Aussicht. Konkretes gibt es bisher aber noch nicht und es bleiben nur noch wenige Geschäftstage in diesem Jahr für einen Abschluss. A. HÖSS

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