Anleihen für Privatanleger

von Redaktion

Absolute Sicherheit ist vielen Anlegern wichtig. Die gibt es freilich nicht, sofern sich das Geld auch vermehren soll. Dennoch können Anleihen für viele interessant sein. © moodboard, pm

In diesem Jahr war viel von Sondervermögen die Rede. Das sind Schulden des Bundes für die Aufrüstung der Bundeswehr und für die Sanierung maroder Infrastruktur. Dafür spricht der Finanzminister aber nicht bei Banken vor, die ihm das Geld leihen sollen. Stattdessen geht er an den weltweiten Kapitalmarkt und gibt dort Anleihen heraus. Internationale Investoren kaufen diese Anleihen und werden so zu Gläubigern Deutschlands. Als Belohnung erhalten sie Zinsen und am Ende der Laufzeit das geliehene Geld zurück. Auf diese Weise finanzieren sich Staaten auf Pump.

Auch große Unternehmen verfahren so, etwa wenn sie hohe Investitionen oder auch Übernahmen anderer Firmen finanzieren wollen. Damit sind die beiden wichtigsten Märkte auch schon genannt. Es gibt Staatsanleihen und Unternehmensanleihen.

Da die Zinszusagen von Anfang an klar benannt sind, können Anleger mit einem sicheren Ertrag rechnen, jedenfalls in der Regel, sofern sie eine Anleihe bis zum letzten Tag ihrer Laufzeit halten.

■ So funktionieren die Anleihen

Manche Anleihen haben kurze Laufzeiten, andere zum Teil sehr lange von mehreren Jahrzehnten. Über diesen Zeitraum wird der Zins festgelegt. Die Verzinsung hängt von mehreren Faktoren ab. Je länger eine Anleihe läuft, desto mehr wirft sie in der Regel ab.

Wichtig ist auch die Bonität des Schuldners. Deutschland gilt beispielsweise als finanziell solider Staat und muss entsprechend wenig Zinsen für seine Anleihen bieten. Frankreich oder Italien werden von den Anleihekäufern schon skeptischer gesehen und müssen ihnen daher mehr bezahlen. Bei Unternehmen, die nicht gerade erfolgreich sind, verlangen die Investoren zum Teil beträchtliche Risikoaufschläge. Denn wenn der Emittent pleite geht, ist auch die Anleihe schnell wertlos.

■ Bei einer Pleite ist das Geld weg

Das ist auch einer der wichtige Unterschiede zu den sicheren Zinsanlagen in Festgeld oder Tagesgeld. Dort gilt zum Beispiel in Europa die Einlagensicherung. Bis zu 100 000 Euro sind danach auch im Falle einer Insolvenz der Bank geschützt.

Für Anleihen gilt diese Regelung nicht. Auf der anderen Seite gilt die alte Regel, je höher das Risiko, desto höher der Gewinn. Anleihen von Schuldnern mit geringer Bonität, zum Beispiel hochverschuldete Staaten oder mäßig erfolgreiche Unternehmen, werden hoch verzinst. Wenn der Staat oder das Unternehmen zahlungsfähig bleibt, können Anleger hohe Renditen einfahren. Wenn nicht, drohen hohe Verluste.

■ Papiere werden an der Börse gehandelt

Die zweite Besonderheit besteht darin, dass Anleihen an der Börse ge -und verkauft werden können. Ähnlich wie bei Aktien schwanken die Kurse. Es können daher auch Verluste entstehen, wenn Anleger ihre Anleihen vor dem Ende der Laufzeit veräußern wollen. Es können aber auch Kursgewinne entstehen, die den Besitzern der Anleihen unter dem Strich attraktive Renditen bescheren. Die Kurse orientieren sich am aktuellen Marktzins. Senkt zum Beispiel die Europäische Zentralbank den Leitzins, steigen die Kurse der Euro-Anleihen. Denn sie bieten dann einen höheren Ertrag als neue Anleihen, die zum Marktzins ausgegeben werden. Umgekehrt sinken die Kurse, wenn der Leitzins angehoben wird.

Da Anleihen ständig gehandelt werden, ist das dort angelegte Geld auch kurzfristig durch einen Verkauf verfügbar. Das unterscheidet Anleihen vom Festgeld, dass ja über einen anfangs vereinbarten Zeitraum fest gebunden ist.

■ ETFs für Kleinanleger besser geeignet

Der Kauf einzelner Anleihen ist aufgrund des relativ komplizierten Marktes und des vergleichsweise hohen Einsatzes nicht die erste Wahl für Sparer oder Kleinanleger. Es gibt attraktivere Alternativen, zum Beispiel börsengehandelte Fonds (ETF), die sich auch Anleihen konzentrieren. Und es gibt so genannte Rentenfonds, die ein breit gestreutes Portfolio an Anleihen vereinen. Eine weitere Variante sind Mischfonds, die sowohl Aktien als auch Anleihen enthalten.

Viele Sparer starten ihren Vermögensaufbau inzwischen mit ETF, die einen Aktienindex wie den Dax oder den MSCI World nachbilden. Anleihe-ETF investieren hingegen nur in Zinspapiere von Staaten oder Unternehmen. Auch für Anleihen gibt es Indizes. Die ETF bilden sie nach. Daher haben die Anleihe-ETF auch keine begrenzte Laufzeit wie die Anleihen selbst. Auslaufende Anleihen werden einfach durch neue ersetzt. Inzwischen bieten Depotbanken auch auf diese ETF Sparpläne an, mit denen Sparer schon mit geringen monatlichen Beträgen in diese Anlagen investieren können. ETF eignen sich vor allem aufgrund ihrer geringen Kosten für den Vermögensaufbau. Als jährliche Gebühr fallen oft nur 0,2 Prozent des ETF-Wertes an.

Wer schon über ein Depot verfügt, kann sofort loslegen und Anteile an einem Anleihen-ETF kaufen oder einen Sparplan abschließen. Bei der Auswahl helfen Internetportale wie justetf.com oder finanztip.de . Auch in Blick in das Finanzmagazin der Stiftung Warentest kann bei der Entscheidungsfindung helfen.

■ Alternatives Geldmarktfonds

Eine weitere Alternative zum Festgeld sind Geldmarktfonds. Der Vorteil ist auch hier die ständige Verfügbarkeit des Ersparten. Auch Geldmarktfonds legen das Kapital in Schuldtiteln an. Die Laufzeit dieser Papiere im Gegensatz zu den Anleihen in einem ETF ist sehr kurz, beispielsweise nur ein paar Monate lang. Das sorgt für nur geringe Kursausschläge. Die Rendite der Geldmarktfonds liegt nahe am Niveau der jeweils aktuellen Leitzinsen. Diese Fonds sind eher ein Sicherheitsbaustein im Portfolio als ein Renditebringer. Auch diese Fonds können über die Depotbanken erworben werden. Sie unterliegen wie andere Fonds auch nicht der Einlagensicherung der Banken. Ein Verlustrisiko kann also nicht ganz ausgeschlossen werden.

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