Hoffnung für Aktionäre

von Redaktion

Über 14 Millionen Deutsche sind am Aktienmarkt investiert. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gelohnt. Der Staat unterstützt das kaum. © KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP

Die Aktienanlage ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Über 14 Millionen Deutsche waren 2025 in Aktien, Fonds und ETFs investiert. Das gab das Deutsche Aktieninstitut gestern bekannt. Zwar wurden dieses Jahr erstmals die Nutzer von vermögenswirksamen Leistungen mit eingerechnet, doch auch ohne wäre es mit über 13 Millionen Aktionären ein Rekordjahr gewesen.

■ Breite Streuung

Der Großteil der Anleger setzt laut Aktieninstitut auf breit gestreute Anlagen. Besonders die günstigen ETFs – passive Fonds, die Indizes wie den Dax nachbilden – erfreuen sich großer Beliebtheit. Wohl auch durch den Markteintritt der digitalen Dienstleister mit ihren kostenlosen Sparplänen ist das automatisierte Anlegen deutlich beliebter geworden: Während 2024 noch 3,6 Millionen Menschen jeden Monat einen festen Betrag ansparten, waren es 2025 schon 5,3 Millionen.

■ Jüngeres Publikum

Wie bereits in den Vorjahren trieb die Gruppe der 14- bis 39-Jährigen das Wachstum. Mit 4,9 Millionen Anlegern war sie mit Abstand die größte Anleger-Gruppe. Gleichzeitig hängt Aktienbesitz direkt mit dem Einkommen zusammen: Während nur 12 Prozent der Menschen mit einem Monatsnetto von unter 2000 Euro Aktien hielten, waren es bei den Menschen mit über 4000 Euro netto 47,1 Prozent. Dementsprechend gibt es in Westdeutschland mehr Aktionäre als im Osten – und die meisten in Bayern: Mehr als jeder Vierte über 14-Jährige war hier Gesellschafter einer börsennortierten Firma.

■ Problemfall Riester

In Deutschland müssen Bürger Aktien und Fonds aus ihrem versteuerten Einkommen kaufen – und die Erträge später erneut versteuern. Ausnahme: Riester-Verträge. „In Deutschland können Sie bis zu 2100 Euro pro Jahr steuerlich begünstigt in einen Riester-Vorsorgevertrag investieren. Alternativ gibt es Zulagen“, erklärt Norbert Kuhn vom deutschen Aktieninstitut. Das ist aber weit weg von den renditestarken Aktien-Depots, die sich gerade so großer Beliebtheit erfreuen: „Das Problem sind die Garantie-Pflichten, die einen Anlagestil mit einem Schwerpunkt auf Anleihen und einem weitgehenden Verzicht auf Aktien erzwingen“. Das Problem: Anleihen sind zwar sicherer als Einzelaktien, bringen aber deutlich weniger Rendite. Dazu kommen die oft höheren Kosten der Riesterverträge: Am freien Markt gehandelte ETFs kosten teilweise nur 0,5 Prozent Gebühr im Jahr und beeinhalten manchmal tausende Unternehmen. Der MSCI-World-Index etwa hat seit den 70ern – über alle Krisen hinweg – jedes Jahr durchschnittlich fast zehn Prozent Rendite erwirtschaftet. Da kann kein Riester-Vertrag mithalten.

■ Neues Bürger-Depot

Deshalb sollen – nach dem Willen der Bundesregierung – Verbraucher ab 2027 mit Steuervorteil in ein Aktien-Depot ohne Garantien investieren dürfen: „Das neue Altersvorsorge-Depot geht in die richtige Richtung. Anleger sollen die Aktienquote frei wählen können“, so Norbert Kühn. Damit könnten auch Aktionäre von der Förderung profitieren. „Allerdings soll man nach bisher verfügbaren Informationen nur 1800 Euro plus Zulagen an Vorsorge-Investitionen von der Steuer absetzen können“, schränkt Kühn ein. „In den USA sind es umgerechnet rund 6000 Euro, so viel sollten es mindestens sein.“ Außerdem sollten die Bürger nicht nur bei der privaten Altersvorsorge Wahlfreiheit haben: „Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge müsste in allen Durchführungswegen die Garantie-Pflicht zugunsten einer ertragsstarken Aktienanlage wegfallen“. Außerdem sollte der Angebots-Dschungel gelichtet werden, sagt Kuhn. „Wir würden uns wünschen, dass es ein Produkt für die private und betriebliche Altersvorsorge gibt. Das könnten dann insbesondere kleinere Arbeitgeber anbieten, von denen viele heute noch nichts machen.“

■ Vorbild Frankreich

In anderen Ländern gibt es steuerlich begünstige Aktiendepots bereits: „Ein Vorbild ist das unter Macron eingeführte Plan-d’Epargne-Retraite-Modell“, erklärt Norbert Kuhn. „Die Franzosen können bis zu 37 000 Euro pro Jahr steuerbegünstigt in ein Vorsorgeprodukt ihrer Wahl investieren“, so Kuhn. Zehn Prozent ihres Bruttoeinkommens dürfen Franzosen in das Depot stecken und die Summe von der Steuer absetzen.

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