Wenn die Rente nicht reicht

von Redaktion

Isolde Schleich bekommt lediglich 800 Euro Rente im Monat. Deshalb steht sie bei Wind und Wetter als Verkäuferin am Obststand. © Marcus Schlaf

München – Viele Senioren kommen mit ihrer Rente kaum über die Runden. Dabei verzichten einige ungewollt auf finanzielle Unterstützung, die ihnen eigentlich zusteht – oft aus Unwissenheit. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, eine kleine Rente aufzustocken.

Diese Zuschüsse können helfen

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) empfiehlt allen Senioren, deren monatliches Einkommen unter 1062 Euro liegt, ihren Anspruch auf Grundsicherung im Alter prüfen zu lassen. Diese Leistung können Personen beantragen, die in Deutschland wohnen und die Regelaltersgrenze – also das Alter, ab dem auch die reguläre Altersrente bezogen werden kann – erreicht haben.

Senioren mit einer privaten oder freiwilligen Krankenversicherung können einen Teil ihrer Beiträge zurückbekommen. Dafür zahlt die DRV einen Zuschuss. Dessen Höhe orientiert sich am aktuellen Beitragssatz und beträgt bis zu 8,55 Prozent der Bruttorente – allerdings höchstens die Hälfte der tatsächlich gezahlten Krankenversicherungsbeiträge. Wichtig ist: Der Zuschuss wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss aktiv beantragt werden. Die DRV bietet dafür ein eigenes Antragsverfahren an, auch online.

Neben dem Zuschuss zur Krankenversicherung können Mieter auch vom sogenannten Wohngeld Plus profitieren, das bei hohen Miet- und Wohnkosten helfen soll. Diese Leistung ist nicht nur für Menschen mit sehr niedriger Rente gedacht. Entscheidend sind vielmehr die Größe des Haushalts, das Einkommen und die Höhe der Miete. Selbst Bewohner von Pflegeheimen können prüfen, ob ein Anspruch auf Wohngeld besteht. Wichtig zu beachten ist jedoch: Wer Grundsicherung erhält, kann in der Regel kein Wohngeld Plus beziehen – die Leistungen schließen sich aus.

Auch Hauseigentümer können finanzielle Unterstützung erhalten. Der sogenannte Lastenzuschuss funktioniert ähnlich wie das Wohngeld und soll helfen, laufende Kosten für die Immobilie abzufedern. Wie hoch die Unterstützung ausfällt, hängt von der individuellen finanziellen Belastung ab. Ob ein Anspruch auf die Leistung besteht, prüft die jeweils zuständige Wohngeldbehörde.

Beratungsangebote für Senioren in Not

Da die Vielzahl an Leistungen verwirrend sein kann, ist es sinnvoll, sich beraten zu lassen. Erste Ansprechpartner sind Stadt- oder Landratsämter. In München ist etwa das Sozialreferat zuständig, in Erding das Sozial- und Rentenamt. Auch gemeinnützige Organisationen bieten Unterstützung an: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) organisiert Seniorentreffs und günstige bis kostenlose Mittagstische. Von Dienstag bis Donnerstag können Rentner in München preiswert bis kostenlos in Gesellschaft zu Mittag essen. Auch in Miesbach gibt es beispielsweise einen AWO-Mittagstisch für Senioren.

Weitere Anlaufstellen sind Vereine wie Ein Herz für Rentner, die Senioren in Not zurück in die Gesellschaft begleiten, oder die Kreisverbände des Bayerischen Roten Kreuzes, die sowohl finanzielle als auch soziale Beratung anbieten. So lassen sich finanzielle Hilfen mit praktischer Unterstützung verbinden.

Aktivrente: Im Alter weiterarbeiten

Für manche Senioren kann auch Weiterarbeiten eine Option sein. Laut Statistischem Bundesamt sind rund 13 Prozent der Rentner zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig, vor allem in Minijobs. Seit Beginn des Jahres ermöglicht die sogenannte Aktivrente, bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei zu verdienen – vorausgesetzt, man ist regulär in Rente und nicht vorzeitig ausgeschieden. Sozialabgaben für Kranken- und Pflegeversicherung fallen jedoch weiterhin an.

Für Menschen wie Isolde Schleich ist Weiterarbeiten nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit. Die 72-Jährige steht täglich vier Stunden am Obst- und Gemüsestand in Solln im Münchner Süden, um ihre Rente aufzubessern. „Ohne diesen Job würde mir das Geld nicht reichen“, erzählt sie. Sie bekommt lediglich 800 Euro Rente im Monat, muss aber bereits 1100 Euro für die Miete bezahlen. Am Obststand verdient sie rund 1060 Euro pro Monat. Gesundheitlich geht es ihr nicht immer so gut, aber vor dem Schritt, finanzielle Unterstützung zu beantragen, schreckt sie noch zurück. Dabei ist es keine Schande, sich Hilfe zu holen – manchmal erfordert es nur ein wenig Überwindung, um die Unterstützung zu erhalten, die einem zusteht.

Artikel 5 von 7