Gold zieht immer an, wenn die Zeiten unruhig sind. Aktuell befinden sich aber auch die Aktienmärkte auf Höchstständen. © Sven Hoppe, dpa
Viel turbulenter hätte der Jahresbeginn nicht ausfallen können. Mit der Militäroperation in Venezuela hat die Trump-Administration ihre Macht demonstriert und klargemacht, dass sie sich nicht an internationales Recht gebunden fühlt. Daher sind die Drohungen des US-Präsidenten gegenüber anderen südamerikanischen Staaten und der US-Besitzanspruch auf Grönland ernst zu nehmen. Die Reaktion der US-Regierung auf Kritik an der Erschießung einer Frau in Minnesota durch einen Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde zeigt zudem, dass Gesetze für die US-Regierung offensichtlich nur noch bedingt gelten. Und dann ist mit der Verschärfung der Situation im Iran der Krisenherd Naher Osten wieder im Fokus.
An den Kapitalmärkten haben diese Ereignisse zu einem weiteren Anstieg des als sicherer Hafen geltenden Goldpreises geführt. Auch der Silberpreis, der die seit Längerem andauernde Goldrally nur teilweise nachvollzogen hat, stieg weiter an. Anleger sollten jedoch beachten, dass bei Silber im Gegensatz zu Gold das Angebot schneller auf Preisveränderungen reagieren kann, da bei einem steigenden Silberpreis Recycling sehr attraktiv wird und damit das handelbare Volumen an Silber steigt.
Weiteren Auftrieb haben die Edelmetallpreise durch die geplante Anklage gegen Notenbank-Chef Jerome Powell bekommen. Es ist davon auszugehen, dass die Käufer von Gold besorgt über die Preisstabilität in den USA sind. Anzeichen dafür gab es zuletzt auch am US-Rentenmarkt, wo die marktbasierten Inflationserwartungen gestiegen sind. Ein deutlicher Anstieg der Inflationserwartungen und der Renditen von US-Staatsanleihen blieb aber aus. Die Investoren zumindest scheinen sich keine Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed zu machen.
Mit neuen Höchstständen auf beiden Seiten des Atlantiks ist auch an den Aktienmärkten wenig von den geopolitischen Turbulenzen und dem Verlust der Rechtssicherheit in den USA zu spüren. Allenfalls die zwischenzeitliche Outperformance der europäischen gegenüber den amerikanischen Indizes deutet auf einen Einfluss der politischen Ereignisse auf die Aktienmärkte hin.
Die unterschiedliche Reaktion der traditionell risikofreudigen Asset-Klassen (wie Aktien) und risikoaversen Asset-Klassen (wie Gold) könnte durch eine clevere Strategie der Marktteilnehmer erklärt werden, indem ein hohes Aktienengagement durch eine steigende Goldposition abgesichert wird. Entwicklungen aus der Vergangenheit legen aber nahe, dass die Aktienmärkte erst spät, und dann oftmals heftig, auf Risiken reagieren.