Milka Mogelpackung des Jahres

von Redaktion

Im Supermarkt sollten Kunden immer auf die Grundpreise achten, also den Preis, der am Regal je 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben sein muss. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Zweiter: Dr. Oetker-Käse-Streusel-Backmischung, die sich um 87 Prozent verteuerte.

Jacobs-Kaffeesticks wurden durch die Hintertür 56 Prozent teurer.

Kölln-Schoko-Hafermüsli, verringerter Inhalt, deutlicher Preisschub.

Knorr-Penne-Pomodoro-Mozzarella: Preissprung um 29 Prozent.

Unrühmlicher Erster: Milka-Alpenmilch, die nur noch 90 Gramm wiegt.

Lebensmittel sind zuletzt deutlich teurer geworden. Besonders ärgerlich für die Kunden: Hersteller, die versuchen, die Teuerung zu verschleiern. Shrinkflation nennt sich der Trick, zum gleichen Preis weniger Inhalt zu verkaufen. Doch etliche Anbieter gehen noch weiter: Weniger Inhalt zum höheren Preis.

■ Zwei-Drittel-Mehrheit für Milka-Schokolade

Ein Beispiel dafür, das Verbraucher im vergangenen Jahr offenbar am meisten geärgert hat, ist die Schokolade Milka Alpenmilch. Der Hersteller Mondelez hat die Füllmenge von 100 auf 90 Gramm reduziert und zugleich den Preis von 1,49 auf 1,99 Euro erhöht. Macht eine Preiserhöhung von über 48 Prozent. Das verdient den Negativpreis „Mogelpackung des Jahres“, fanden zwei Drittel der fast 35 000 Verbraucher, die an der Abstimmung teilgenommen hatten. „Noch nie in der zwölfjährigen Geschichte der Wahl erreichte ein Produkt einen derart hohen Stimmenanteil“, erklärt dazu die Verbraucherzentrale Hamburg, die das ganze Jahr über Beispiele für Kundentäuschung im Supermarkt sammelt. „Das Abstimmungsergebnis ist ein Denkzettel, wie man ihn deutlicher kaum geben kann.“ Das Ergebnis fällt wahrscheinlich auch deshalb so eindeutig aus, weil Kunden über Jahrzehnte gewohnt waren, dass es Schokolade in Form von 100-Gramm-Tafeln gibt. Sind plötzlich nur noch 90 Gramm drin, fühlen sich viele getäuscht.

Mit dem Negativpreis ist der Fall Milka für die Verbraucherzentrale daher noch nicht erledigt. Sie hat das Unternehmen verklagt. Mondelez muss sich im April vor dem Landgericht Bremen verantworten; das Gericht soll entscheiden, ob auch im juristischen Sinn eine Täuschung vorliegt.

■ Politik soll für mehr Transparenz sorgen

Die Verbraucherzentralen fordern von der Politik, gegen versteckte Preiserhöhungen vorzugehen. Bislang sei es allein die Leistung der Kunden selbst und der Verbraucherzentralen, für Transparenz und Preiswahrheit zu sorgen. In Österreich und Frankreich zum Beispiel seien Händler verpflichtet, Hinweise auf reduzierte Füllmengen am Regal zu platzieren.

Das Vorgehen der Preisverschleierung ist laut Verbraucherzentrale bei Herstellern beliebt, weil Kunden den höheren Preis nicht so schnell bemerkten, zudem komme es Händlern entgegen, wenn sie Schwellenpreise wie 1,99 Euro halten könnten. Allein im vergangenen Jahr habe sich die Liste der Mogelpackungen, die auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg (https://www.vzhh.de) einzusehen ist, um 77 Produkte verlängert. Über 1000 Produkte sind aufgeführt. Besonders häufig wird demnach bei Süßwaren, Fertigprodukten und Müsli getrickst. Die so verschleierte Preiserhöhung liegt laut dem Verband im Durchschnitt bei 28,4 Prozent.

■ Dr. Oetker halbiert Backmischung

In Extremfällen kann es noch deutlich mehr sein – zum Beispiel beim Zweitplatzierten, dem Käse-Streuselkuchen von Dr. Oetker, der sich um satte 87 Prozent verteuerte. Dazu wurde der Inhalt von 730 auf 370 Gramm reduziert, der Preis aber nur von 3,99 auf 3,79 Euro. Das fanden 22 Prozent der Abstimmungsteilnehmer negativpreiswürdig. Da half es auch nichts, dass die neue Packung der Slogan „Klassiker neu interpretiert“ ziert. Die Verbraucherzentrale betont, dass es sich um das gleiche Produkt handelt, lediglich in der verkleinerten Version. Dr. Oetker selbst habe früher im Jahr durchaus gezeigt, wie man es richtig machen kann. Auf einem Schoko-Müsli stand der Hinweis „Weniger Inhalt. Unveränderte Qualität“ gut zu erkennen auf der Verpackung.

Die drei anderen Kandidaten landeten auf den hinteren Rängen des unrühmlichen Wettbewerbs. Schoko Hafer-Müsli von Kölln, das sich durch Schrumpfung um 30 Prozent verteuerte, die Classic Kaffeesticks von Jacobs, die nun 56 Prozent mehr kosten und der Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr, der einen heimlichen Preissprung um 29 Prozent machte.

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