An der Wall Street sorgen drohende Zölle für sinkende Kurse. © Richard Drew, dpa
Das neue Jahr bietet eine Nachrichtenfülle, die bereits für einen ganzen Jahresrückblick reichen könnte. Der Hauptinitiator heißt US-Präsident Trump, der die internationalen Börsen in der zurückliegenden Woche in Bewegung versetzte. Die jüngsten Zollandrohungen gegenüber mehreren europäischen Ländern, namentlich auch Deutschland, im Zusammenhang mit dem Grönland-Konflikt sorgten für Abschläge an den Aktienmärkten. Gleichzeitig stiegen die Renditen an den Anleihemärkten angesichts der spürbaren geopolitischen Unsicherheiten und der Risiken für den Fortbestand der Nato. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos brachte die Rede von US-Präsident Trump ein „lautes“ Aufatmen: Eine militärische US-Operation in Grönland und auch die angedachten Zölle waren vom Tisch. Nato-Generalsekretär Rutte hatte mit einer diplomatischen Kompromissformel die Kuh vom grönländischen Eis geholt.
Die Börsen ließen den Tiefpunkt beim Schaukeln hinter sich und bewegten sich am Donnerstag spürbar aufwärts. Das Augenmerk richtet sich neben den geopolitischen Themen nun auf die Berichtssaison. Der Start war in den USA positiv. Nach den ersten 39 Unternehmen lag der Anteil der positiven Gewinnüberraschungen bei starken 85 Prozent. Dennoch fielen die Kursreaktionen keineswegs einheitlich positiv aus. Die erhöhten Bewertungen und entsprechenden Erwartungen der Anleger haben die Luft für Aktien, trotz langfristig guter Aussichten, kurzfristig dünner werden lassen.
Konjunkturdaten hatten es in der abgelaufenen Woche schwer, eine erwähnenswerte Marktrelevanz zu erzielen. Überwiegend solide Datenveröffentlichungen blieben im Rahmen der Erwartungen oder fielen leicht besser aus: Dazu zählten in den USA die Industrieproduktion und Konsumausgaben der privaten Haushalte, in China das Bruttoinlandsprodukt mit einem Zuwachs um 5,0 Prozent für das Gesamtjahr 2025 sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland.
In Deutschland mag sich die Stimmung in den Unternehmen gemessen am ifo-Geschäftsklima etwas verbessert haben. Im Fokus wird jedoch die Sitzung der US-Notenbank Fed stehen, wobei keine Änderung des Leitzinsintervalls erwartet wird. In der anschließenden Pressekonferenz dürfte die Unabhängigkeit der Fed ein zentrales Thema sein. Diesbezüglich gab es unlängst bei der mündlichen Anhörung vor den Richtern im Supreme Court Skepsis bezüglich der Notwendigkeit einer von US-Präsident Trump initiierten direkten Entlassung von Fed-Direktorin Lisa Cook. Entsprechend glätteten sich die Sorgenfalten der Marktteilnehmer hinsichtlich einer politisierten Fed erkennbar.