Mit ein bisschen Hilfe könnten viele ältere Menschen noch lange in den eigenen vier Wänden bleiben. Doch das hat seinen Preis. © alexraths, panthermedia
Modell
Als Alternative zum Umzug ins Pflegeheim hat sich ein Modell etabliert, das auf Hilfskräfte vor allem aus Osteuropa setzt: Eine Helferin aus Polen, Rumänien oder Bulgarien zieht in den Haushalt des Pflegebedürftigen ein, sie bekommt ein eigenes Zimmer und unterstützt im Alltag, kocht Essen, hilft beim Anziehen. Oft wechselt sie sich im Turnus von mehreren Wochen mit einer Kollegin ab. Das entlastet die Angehörigen und die pflegebedürftige Person hat obendrein ein wenig Gesellschaft.
Kosten
Viele Familien wünschen sich diese Art der Betreuung, doch sie ist nicht leicht umzusetzen. Ein Grund sind die Kosten, die mit rund 3600 Euro im Monat oder mehr vergleichbar sind mit einem Pflegeheimaufenthalt. Mit dem Unterschied, dass es dafür keine Zuschüsse aus der Pflegekasse gibt. „Die Finanzierung ist reines Privatvergnügen“, sagt Ellen Tenkamp, Pflegereferentin beim Pflegewegweiser Nordrhein-Westfalen, einem Angebot der Verbraucherzentrale. Lediglich das Pflegegeld kann verwendet werden, das es für die Pflege durch Angehörige gibt. Das sind je nach Pflegegrad zwischen 347 und 990 Euro.
Tätigkeit
Die Helferinnen sind keine Pflegekräfte, sie dürfen aber im Haushalt unterstützen und pflegerische Alltagstätigkeiten übernehmen, erklärt Tenkamp. Das sind alle Handgriffe, für die man keine pflegerische Ausbildung benötigt, also Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen, Anziehen sowie beim Stehen oder Gehen. Für alles andere muss man einen Pflegedienst beauftragen. Ist medizinische Behandlungspflege nötig, also das Verabreichen von Spritzen oder Medikamenten, verordnet das der Arzt und der ambulante Pflegedienst kann diese Tätigkeiten mit der Krankenkasse abrechnen. „Das hat den Vorteil, dass es nicht das ohnehin knappe Budget, das für einen Pflegedienst zur Verfügung steht, belastet“, rät Tenkamp.
24-Stunden-Pflege
Viele Agenturen im Internet werben mit einer 24-Stunden-Pflege durch die Helferin. Das ist eine Irreführung, denn auch im Privathaushalt gelten gesetzliche Arbeitszeiten, Ruhe- und Urlaubszeiten. Maximal eine 48-Stunden-Woche ist erlaubt, ein Tag muss frei bleiben. „Wer eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause benötigt, kann das nur mit mehreren Kräften umsetzen“, erklärt Tenkamp.
Arbeitsverhältnis
Wer sich auf dieses Modell einlässt, muss darauf achten, ein legales Beschäftigungsverhältnis einzugehen. Vermittlungsagenturen versprechen oft unkomplizierte und günstige Hilfe – doch nicht selten handelt es sich um Schwarzarbeit, die Helferinnen sind nicht sozialversichert und oft kommt nur wenig von dem gezahlten Geld bei ihnen als Lohn an. „Mit gutem Gewissen kann man nur das Arbeitgebermodell empfehlen“, sagt Tenkamp. Dabei wird die pflegebedürftige Person oder ein Angehöriger selbst Arbeitgeber und stellt die Haushaltshilfe im eigenen Haushalt an. Dann sind sowohl Rekrutierung als auch Lohnabrechnung eigenverantwortlich zu meistern. „Auch Urlaubs- und Krankheitszeiten der Helferin sind zu überbrücken“, sagt Tenkamp.
Vermittlung
Wer bei diesem Beschäftigungsverhältnis Unterstützung wünscht, kann auf zwei Vermittlungsstellen zurückgreifen: FairCare ist ein Angebot unter dem Dachverband der Diakonie Württemberg, CariFair gehört zum Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V. Beide vermitteln Betreuungskräfte, regeln den Arbeitsvertrag, legen die Höhe des Lohns fest, begleiten während des Beschäftigungsverhältnisses und übernehmen die Lohnabrechnung. CariFair berechnet für den Service 215 Euro im Monat plus eine einmalige Vermittlungsgebühr von 665 Euro. Faircare berechnet monatlich rund 200 Euro und ebenso eine Vermittlungsgebühr von rund 650 Euro.
Mehr Informationen
Ein mehrseitiges Dossier zum Thema Haushaltshilfen gibt es kostenlos per E-Mail von: ratgeber@biallo.de