An den internationalen Börsen richtete sich der Fokus zuletzt auf außergewöhnliche Entwicklungen bei Edelmetallen und Währungen. So erreichte der Goldpreis erstmals die Marke von 5000 US-Dollar, stieg weiter bis auf knapp 5600 Dollar und gab den Wochengewinn bis Freitag fast komplett wieder ab. Noch heftiger fiel die Korrektur des Silberpreises aus, der nach einem Kursanstieg von mehr als 200 Prozent im letzten halben Jahr und einem Höchststand bei 121 Dollar innerhalb eines Tages um rund 25 Prozent nachgab.
Ein wesentlicher Treiber der bis vor kurzem anhaltenden Kursrallye war die zunehmende Skepsis gegenüber der Funktion des Dollar als „sicherer Hafen“ der Kapitalanlage. Angesichts der erratischen, oft kaum berechenbaren Politik unter US-Präsident Trump versuchen immer mehr Notenbanken und große internationale Anleger ihre teils sehr hohen Bestände an Dollar-Kapitalanlagen zu reduzieren.
Da es jedoch weltweit keinen anderen, vergleichbar tiefen und liquiden Kapitalmarkt gibt, wird auf Alternativen, unter anderem Edelmetalle, zurückgegriffen. Sehr starke Kurssteigerungen in kurzer Zeit forcieren zwar die Gefahr größerer Kurskorrekturen. Der Wunsch nach einer Reduzierung hoher Dollargewichtungen dürfte jedoch eine anhaltend hohe Nachfrage mit sich bringen und die Kurse zeitnah wieder stabilisieren.
Als Alternative für Dollar-Kapitalanlagen werden auch japanische, in Yen notierende Staatsanleihen zunehmend attraktiv. Während die Bank of Japan ihren Leitzins seit Anfang 2024 sukzessive auf 0,75 Prozent p.a. erhöhte, stiegen die Renditen japanischer Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit zuletzt auf 3,7 Prozent p.a. und damit den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Umschichtungen von Dollar in Yen hatten am Anfang der Woche für eine deutliche Aufwertung der japanischen Währung gesorgt, so dass die Bank of Japan und die US-Notenbank Fed eine Intervention zur Vermeidung noch größerer Kursbewegungen vorzubereiten schienen und der Kurs des Yen wieder etwas nachgab.
Eine zu deutliche Aufwertung der japanischen Währung könnte zu Rückführungen des sogenannten Carry-Trade führen. Dabei haben Anleger zinsgünstige Yen-Kredite aufgenommen, das Kapital etwa in Dollar getauscht und höher verzinslich angelegt. Eine Aufwertung des Yen bzw. eine Abwertung des Dollar würde allerdings den entstandenen Zinsvorteil durch Währungsverluste kompensieren. Um dies zu vermeiden, müssten Kapitalanlagen in Dollar oder anderen Währungen aufgelöst und die Yen-Kredite vorzeitig zurückgeführt werden. Ein Verkauf von Dollaranlagen in größerem Ausmaß könnte wiederum in den USA für größere Kursverluste bei Anleihen oder Aktien sorgen.
Neben den Währungs- und Edelmetallentwicklungen wird in der kommenden Woche der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Erwartung ist, dass im Januar keine Leitzinsanpassung vorgenommen wird.