Goldschmuck wird eingeschmolzen, um Goldbarren daraus zu machen. © Hochmuth, ap dpa
Ein massiver Preisanstieg auf 5417 Dollar je Unze, ein jäher Absturz auf rund 4400 Dollar und nun wieder zurück auf mehr als 5000 Dollar je Feinunze: Der Goldpreis fährt in den letzten Tagen Achterbahn. Ähnlich ist es bei Silber. Dort stürzte der Preis vergangenen Freitag sogar um 30 Prozent ab, nur um in dieser Woche ebenfalls wieder zweistellig zuzulegen. Bei Anlegern hinterlässt das Fragezeichen: Verkaufen, weil der nächste Crash droht? Oder lieber den Rücksetzer nutzen und günstiger nachkaufen?
■ Hohe Nachfrage nach Gold und Silber
„Die Hütte brennt“, bestätigt Michael Eubel, Goldexperte der BayernLB, dem größten deutschen Goldhändler. Bei Edelmetallhändlern stünden die Menschen Schlange, auch bei der BayernLB gingen die Aufträge „durch die Decke“, so Eubel. Und das ist weltweit so, zeigen Zahlen des Branchenverbandes World Gold Council. Demnach flossen 2025 über 800 Tonnen in Fonds und ETFs, auch die Nachfrage der Zentralbanken blieb mit knapp 900 Tonnen hoch. Um den Jahreswechsel sprangen immer mehr Spekulanten auf und trieben die Preise auf neue Rekorde.
Dass es nun eine Korrektur gab, war laut Eubel überfällig. „Dennoch sollte man nicht in Panik verfallen“, rät er. Trotz dem jüngsten Abverkauf haben Anleger mit Gold in den letzten zwölf Monaten über 50 Prozent Gewinn gemacht, in drei Jahren waren es sogar 140 Prozent. Weil andere Anlagen wie Aktien weniger lukrativ waren, ist der Goldanteil in vielen Depots gestiegen. „Deshalb kann man darüber nachdenken, einen Teil der Gewinne mitzunehmen und die ursprüngliche Goldquote wieder herzustellen“, sagt Eubel – gerade, wenn das Metall einmal als kleiner Sicherheitsbaustein gedacht war. Das Gleiche gelte für Silber, dessen Preis trotz des Crashs seit Februar 2025 um 165 Prozent teurer geworden ist.
■ Experten rechnen mit weiterem Preisanstieg
Sein gesamtes Gold und Silber zu verkaufen, wäre laut Eubel aber ein Fehler. Denn er rechnet trotz der jüngsten Turbulenzen mit weiter anziehenden Notierungen. Er ist damit nicht allein: Die Deutsche Bank sieht den Goldpreis im Laufe des Jahres auf 6000 Dollar steigen, die US-Bank Goldman Sachs auf 5400 Dollar und Goldfans wie die Verfasser des Reports „In Gold we trust“ können sich bis 2030 sogar einen Anstieg bis auf rund 9000 Dollar vorstellen.
„Viele Zentralbanken wollen langfristig weg vom Dollar als Leitwährung und kaufen deshalb Gold als Währungsreserve“, erklärt Michael Eubel. „Das ist ein jahrelanger Prozess, der den Dollar schwächen und Gold gleichzeitig stärken dürfte.“ Auch bei Anlegern sei die Nachfrage weiter hoch, was die Preise treibe.
Bei Silber komme hinzu, dass das Metall für viele Zukunftstechnologien wie Batterien für E-Autos oder Solarmodule gebraucht wird. Auch deshalb verhängte China im Januar einen Exportstopp für das Metall, was die Silberlager weltweit leer fegt. „Teilweise erhalten wir von Großhändlern Mails mit dem Hinweis, dass bereits eingegangene Silber-Bestellungen über Wochen nicht abgearbeitet werden können und man von neuen Ordern bitte absehen soll“, berichtet er. Dieser Mangel am Markt werde die Silberpreise stützen, glaubt Eubel.
■ Teils hohe Aufschläge bei Händlern
Selbst einen Einstieg hält Eubel noch für sinnvoll – trotz hoher Preise. „Auch bei einem Goldpreis von 2000 Dollar hieß es, das sei teuer“, sagt er. Dennoch solle man genau auf die Angebotspreise achten. So zahlt man derzeit für einen Silberbarren mit einem Kilo Gewicht inklusive Mehrwertsteuer weit über 3300 Euro und damit über ein Drittel mehr als den Börsenpreis, bei Münzen sind die Aufschläge noch höher. Deshalb sind physisch hinterlegte Silber-ETCs oft die bessere Wahl, weil man Aufpreisen und Mehrwertsteuer entgeht. Sie gibt es unter anderem von Anbietern wie iShares oder Xtrackers.
Goldbarren kosten dagegen nur ein Prozent mehr als der Spotpreis, weil es keine Lieferengpässe gibt. Hier kann man physisch oder über besicherte Zertifikate wie Xetra-Gold oder Euwax-Gold investieren. Aber: Mit Rücksetzern müsse man immer rechnen, warnt Eubel. Verbraucherschützer raten außerdem dazu, nie mehr als zehn Prozent des Kapitals in Edelmetalle anzulegen – trotz Gold- und Silberrausch.