Jürgen Michels ist Chefvolkswirt der BayernLB. © Foto: BayernLB
Nach der Achterbahnfahrt rund um das Weltwirtschaftsforum in Davos ist die Geopolitik in den letzten Wochen etwas aus dem Fokus der Märkte gerückt. Nachdem nach einer zwischenzeitlichen Eskalation ein US-Militärschlag gegen den Iran bisher ausgeblieben ist, hat sich auch die Situation am Ölmarkt wieder etwas beruhigt. Stattdessen widmeten die Marktteilnehmer ihre Aufmerksamkeit der Quartalsberichterstattung der Unternehmen. Dabei wurde bei den Technologieunternehmen sehr genau auf den Erfolg der bisherigen Investitionen in Künstliche Intelligenz und die Pläne für künftige Investitionen in diesem Bereich geachtet. Bei Nicht-Erfüllung der Erwartungen wurde dies mit teils kräftigen Kursabschlägen quittiert.
Auch der Geldpolitik wurde wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil, dies aber weniger aufgrund der erwartbaren geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken, sondern vor allem wegen der Nominierung von Kevin Warsh als künftiger Fed-Chef. Und schließlich hat auch der US-Arbeitsmarktbericht diese Woche für Aufsehen an den Märkten gesorgt. Hier war der Zuwachs an neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft mit 130.000 Stellen zwar fast doppelt so hoch wie erwartet, und zusammen mit der gesunkenen Arbeitslosenquote und dem höheren Lohnwachstum könnte dies als Zeichen eines starken Arbeitsmarkts in den USA gewertet werden. Die hohe Konzentration des Stellenaufbaus im Gesundheitssektor und die Abwärtsrevision des Stellenaufbaus um ca. 400.000 für das Jahr 2025 lassen aber Zweifel an der Robustheit des Arbeitsmarktes aufkommen.
Mit der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) an diesem Wochenende dürfte die Geopolitik auch für die Märkte wieder an Bedeutung gewinnen. Anders als im letzten Jahr, als die Rede von US-Vize-Präsident Vance für Ernüchterung sorgte, besteht dieses Mal zumindest die Hoffnung, dass US-Außenminister Rubio versöhnlichere Töne anschlägt. Zudem mehren sich die Zeichen, dass es maßgebliche Fortschritte für eine einheitliche Position zwischen den USA, den Europäern und den Ukrainern zur Beendung des Kriegs geben könnte. Das dürfte an den Finanzmärkten positiv aufgenommen werden. Wir haben aber große Zweifel, ob sich Russland auf ein solches Abkommen einlassen wird, da es sich aus dessen Sicht weiter lohnen dürfte zu warten, um letztlich ein für sich besseres Ergebnis zu erzielen. Die MSC könnte zudem von den europäischen Teilnehmern genutzt werden, um ein klares Signal zur Einigkeit Europas zu senden, und die Bereitschaft, in die eigene Souveränität zu investieren. Dies dürfte die Zuversicht von Investoren für europäische Assets beflügeln.