Die Deutsche Bahn verhandelt mit der GDL. Beide Parteien wollen konstruktiv sein. © Sabine Gudath/Imago
München – Seit Wochen treffen sich die Unterhändler der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet zu verschwiegenen Tarifverhandlungen. Vergangene Tarifrunden wurden stets von lauten Vorwürfen der früheren GDL-Chefs Manfred Schell und Claus Weselsky an die Arbeitgeber begleitet, von Streikandrohungen und persönlichen Schmähungen. Diesmal ist alles anders. Kaum ein böses Wort ist zu vernehmen. Es sieht ganz danach aus, als könnten sich beide Seiten in dieser Woche auch ohne Arbeitskampf auf einen neuen Tarifvertrag verständigen.
Dabei geht es nicht nur um den Fernverkehr und die Regionalzüge, sondern einem Bahn-Sprecher zufolge auch um die Münchner S-Bahnen.
An diesem Montag startet die fünfte Runde. Bis zum kommenden Freitag wollen der aktuelle GDL-Chef Mario Reiß und der Personalvorstand der Bahn, Martin Seiler, die noch strittigen Fragen klären. „Wir sind zuversichtlich, dass die letzten offenen Punkte gelöst werden können“, sagt ein Bahn-Sprecher. Und auch auf der Gegenseite ist eine gewisse Gelassenheit zu spüren, nachdem die Arbeitgeber den Forderungen der GDL entgegen gekommen sind. „Aus Sicht der GDL bewegen sich die Gespräche in die richtige Richtung“, teilte die Gewerkschaft nach dem letzten Treffen mit.
Die GDL fordert eine Erhöhung mit einem Volumen von acht Prozent. Davon sollen 3,8 Prozent als allgemeine Entgelterhöhung gewährt werden, der Rest durch höhere Zulagen sowie Änderungen in der Tarifstruktur. Dabei strebt die Gewerkschaft eine kurze Laufzeit von zwölf Monaten an.
In der letzten Runde hat die Bahn ein erstes Angebot vorgelegt. Es sieht eine Anhebung des Tabellenentgelte um 3,8 Prozent sowie zusätzliche 2,2 Prozent für strukturelle Elemente wie einer neuen Tarifgruppe vor. Auch hat das Unternehmen 400 Euro als Einmalzahlung angeboten. Die Offerte hat jedoch einen für die GDL schwer zu schluckenden Haken. Die Arbeitgeber wollen eine Laufzeit von 30 Monaten durchsetzen. Die Friedenspflicht endet am 28. Februar, Streiks wären damit erst ab März möglich.W. MULKE