Chinesen lassen die Roboter tanzen

von Redaktion

„And I´m feeling so electric“: Eine Gruppe X2-Roboter tanzte in München zum Hit „Levitating“. Beigebracht haben sich das die Roboter durch 24-stündiges Video-Studium.

München – Ein repräsentativer Saal im schicken Andaz-Hotel, über rund 300 internationale Gäste und große Produktionskapazitäten im Rücken: Die chinesische Firma Agibot will mit Macht auf den europäischen Markt für lernfähige Roboter drängen. In München hat der Konzern gestern seine Produktpalette vorgestellt.

Dabei setzen die Chinesen auf mehrere spezialisierte Lösungen: So kann das menschengroße Modell A2 – Kennname „Luca“ – in Tippelschritten um Hindernisse gehen, Fragen beantworten und Getränkedosen über den Tresen reichen. Sein kleinerer Bruder, der X2, ist dagegen ein 131 Zentimeter großes Kraftpaket: Er kann Salti schlagen, Tritte im Stil des Kung-Fu-Stars Bruce Lee ausführen – und auf der Bühne sehr flüssig zum Hit „Leviatating“ der Britin Dua Lipa tanzen. Das übertrifft zwar bereits die Fähigkeit der meisten Menschen, viel mehr ist bis dato aber auch nicht drin. Beide Modelle sind vor allem für repräsentative Zwecke gedacht. William Shi, Europa-Chef von Agibot, sieht erste Einsätze vor allem an Info-Schaltern von Flughäfen, Rezeptionen oder als Blickfang bei Verkaufsauslagen.

Handfester und gleichzeitig feinfühliger ist der Industrieroboter G2: Er soll mit seinen sensorgespickten Händen Arbeit verrichten, die Präzision dabei mehr als millimetergenau. Eine Glühbirne einschrauben: Keine Herausforderung. Rechenleistung des Gehirns aus Nvidia-Chips: 2070 TeraFLOPS. „Meine Playstation zu Hause hat 10“, scherzt ein Mitarbeiter.

Die Roboter haben ab Werk nur ein Basisprogramm. Ihre eigentlichen Aufgaben werden sie je nach Kunde speziell lernen müssen. Den Tanz zu „Levitating“ haben sie sich in etwa 24 Stunden mittels Videos angeeignet. Doch sie werden auch echte Prozesse mitmachen, um ihre KI-Gehirne mit realistischen Daten zu trainieren. Das gibt den Kunden großen Einfluss auf Fähigkeiten und den Charakter der Maschinen. Als Partner hat Agibot die ebenfalls chinesische Minth-Gruppe präsentiert. Eigentlich ein Autozulieferer, hat Minth 15 seiner 78 Werke in Europa und soll noch dieses Jahr mit der Fertigung der Roboter beginnen. In Europa trifft Agibot auf eine wachsende Zahl einheimischer Hersteller. Darunter ist der Münchner Hersteller Agile Robots, der auf Entwicklung in der Landeshauptstadt, ein Rechenzentrum mitten in München und eine Fertigung im oberbayerischen Fürstenfeldbruck setzt.M. SCHNEIDER

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