Gastherme, Wärmepumpe, Pelletkessel: Eigentümer haben eine große Auswahl. In jedem Fall sollte man einen Energieberater konsultieren. © Fabian Sommer
Es war ein langes Ringen: Das Habeck´sche Heizungsgesetz sollte abgeschafft werden. Jetzt haben CDU und SPD den ersten Entwurf vorgestellt. Wir zeigen, was das für Eigentümer und Mieter bedeutet.
■ Neuerungen
Die größte Umwälzung: Die Nutzung fossiler Brennstoffe wird auch bei neuen Heizungen wieder erlaubt. Stand heute dürfen neue Öl- und Gasheizungen spätestens ab 2028 (mit Abschluss der kommunalen Wärmeplanung) nur noch installiert werden, wenn sie zu 65 Prozent mit CO2-armen Brennstoffen wie Wasserstoff, Biomethan oder grünem Heizöl laufen. Geht die Novelle wie angekündigt durch, würde diese Quote wegfallen. Stattdessen müssten die Energieanbieter dem Gas oder Heizöl einen steigenden Anteil grünen Brennstoffs beimischen. Ab 2029 sollen es zehn Prozent sein. Die Bio-Brennstoffquote würde also deutlich später ansetzen und geringer ausfallen. Der Anteil fossiler Energie bliebe länger höher.
■ Förderungen
Die Förderungen für Wärmepumpe, Pelletkessel, Fernwärme & Co. bleiben offenbar erhalten und bis mindestens 2029 finanziert. Sie sind das Zuckerbrot neben der Peitsche der steigenden CO2-Steuer und sollen den Umstieg auf klimafreundlichere Heizungen sozial abfedern. Gefördert werden ziemlich alle Heizungen, die zu mindestens 65 Prozent mit grüner Energie betrieben werden mit mindestens 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Wärmepumpen und Fernwärme sind auch dabei. Bis inklusive 2028 gibt es einen Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent, der danach alle zwei Jahre um drei Prozentpunkte abschmilzt. Haushalte mit einem Jahreseinkommen von unter 40.000 Euro können zusätzlich 30 Prozent erstattet bekommen. Die Förderung ist insgesamt auf 70 Prozent der förderfähigen Kosten begrenzt. Wichtig: Alle Förderungen müssen beantragt werden, bevor man die Aufträge vergibt. Sonst erlischt der Anspruch.
■ Steigende Kosten
„Ich würde Eigentümern nicht raten, wieder auf eine reine Öl- oder Gasheizung zu setzen“, sagt Energieberater Alexander Beer, der für die Verbraucherzentrale Bayern arbeitet. „Ab 2028 gilt in Deutschland der europäische CO2-Preis. Alle Experten gehen davon aus, dass fossile Energie dann deutlich teurer wird.“ Doch auch die grünen Alternativen sind nicht günstig: „Biokraftstoffe und Wasserstoff sind heute schon um einiges teurer als konventionelle Energieträger“, warnt Beer. Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt: Gastarife, die heute eine Biomethan-Quote von 10 Prozent enthalten, sind rund 25 Prozent teurer als reine Erdgastarife. „Bei Gaskunden kommen die steigenden Netzentgelte dazu: Wenn immer mehr Kunden das Netz verlassen, müssen die verbleibenden steigende Kosten tragen“, so Energieberater Bär. Eine Studie des Fraunhofer ISE zeigt im Überblick, wie teuer Brennstoffe angesichts CO2-Preis, Netzkosten und Nachfragewachstum werden könnten.
■ Gesamtkosten
Das Fraunhofer ISE hatte 2025 berechnet, wie hoch die Gesamtkosten eines Heizsystems wahrscheinlich ausfallen: Dabei sind die Anschaffungskosten, aktuelle Förderungen, Energiepreise, Netzgebühren und Abgaben wie die CO2-Steuer. Für den geplanten, langsameren Anlauf der Grüngas-Quote waren gestern keine Berechnungen zu bekommen. Zu unklar ist noch, wie genau deren Anteil bis 2045 steigen soll.
■ Günstige Beratung
„Eigentümer sollten sich beraten lassen und prüfen, ob nicht eine Heizung mit möglichst hohem Erneuerbaren-Anteil möglich ist. Also eine Wärmepumpe, ein Pelletkessel oder eine Hybrid-Heizung“, so Alexander Beer. „Damit schützen sie sich vor steigenden Preisen.“ Und: „Auch eine Gasheizung kann man mit einer Solarthermie-Anlage oder einer kleinen Wärmepumpe verbinden.“ Eine seriöse Expertenmeinung gibt es schon für 40 Euro: „Wir Energieberater der Verbraucherzentralen bieten auch Ortstermine an. Da bekommen die Eigentümer eine Einschätzung, welche Heizung die sinnvollste wäre, und wie hoch die Investitionskosten und die Betriebskosten sind“, so Beer. „Zusätzlich gibt es den kostenlosen Wärmepumpen-Check: Eigentümer können drei Angebote einreichen, die dann auf Plausibilität und Kosten geprüft werden.“
■ Große Knappheit
Brennstoffe wie Biomethan und synthetische Kraftstoffe brauchen entweder große Ackerflächen oder große Mengen Strom für die Herstellung. Beides macht sie knapp und teuer. So klagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bereits, dass er nicht einmal genug grünes Kerosin für seine Flotte kaufen könne. Auch Ramona Pop, Chefin der deutschen Verbraucherzentralen, ist skeptisch: „Entgegen wissenschaftlicher Evidenz stellt die Bundesregierung vage Hoffnungen auf ein Hochlaufen eines Grüngasmarktes in Aussicht“. Bernd Weber, Chef des Beratungshauses Epico sagt: „Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, Heizungen auch mit klimafreundlichen Gasen zu betreiben. Entscheidend ist aber, dass ihr Einsatz realistisch skalierbar und klimapolitisch wirksam ist.“ Denn: „Die Wärmewende wird sich sicher nicht allein mit Bio- und synthetischen Brennstoffen umsetzen lassen – dafür sind die verfügbaren Mengen schlicht zu begrenzt und zu teuer.“ Für die Grüngas-Quote müsse die Bundesregierung nachliefern. „Die zentrale offene Frage ist, wo die notwendigen Mengen an grünem Brennstoff herkommen sollen. Ohne eine klare Strategie für den Hochlauf wird der Markt diese Mengen kaum bereitstellen.“
■ Risiko für Mieter
Besonders gefährdet sind Mieter, warnt der Münchner Mieterbund: „Es gibt für Vermieter kaum Anreize, umzusteigen auf umweltfreundliche und langfristig kostengünstige Alternativen. Denn die Heizkosten bezahlen am Ende nicht die Vermieter“, sagt Monika Schmid-Balzert, stellvertretende Geschäftsführerin. „Mieter haben kein Mitspracherecht bei der Wahl der Heizung“. Juristisch seien sie hilflos: „Der Vermieter muss sich an das Wirtschaftlichkeitsprinzip halten. Das gilt aber nur innerhalb einer Technologie: Er darf zum Beispiel keinen Wasserstoff-Anbieter auswählen, der deutlich über den Marktpreisen liegt. Wenn aber Fernwärme weit günstiger wäre, zählt das nicht.“ Sie fordert Nachbesserungen: „Die Koalition muss einen echten Schutz für Mieter schaffen. Der muss dann auch für unwirtschaftliche Technologien gelten.“ Interessant: Auch die Vermieterseite, der Verband der Wohnungs-Eigentümer, warnt vor einer „Kostenfalle“ für seine Mitglieder.