Alternativen zum MSCI World

von Redaktion

An der Wall Street gehandelte US-Aktien machen im MSCI World mittlerweile schon rund 70 Prozent aus. Das birgt durchaus Risiken für Anleger aus Europa. © imago stock&people

Der Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) boomt. Weltweit sind laut dem Researchhaus ETFGI über 20 Billionen Dollar in ETFs investiert – ein neuer Höchststand. Und auch hierzulande erfreuen sich die passiven Anlageprodukte großer Beliebtheit: Laut dem Fondsverband BVI flossen im vergangenen Jahr 57 Milliarden Euro in ETFs. Damit sind deutsche Anleger mit 489 Milliarden Euro in ETFs investiert.

Die Gründe für deren Beliebtheit liegen auf der Hand: Sie sind kostengünstig, transparent und börsentäglich handelbar. Und aufgrund ihrer Flexibilität werden sie gern für Sparpläne genutzt. Laut ExtraETF ist die Zahl der ETF-Sparpläne europaweit seit 2020 von 2,5 Millionen auf 15,1 Millionen Stück angewachsen. Das jährliche Sparvolumen hat sich mehr als verfünffacht und im vergangenen Jahr rund 22,7 Milliarden Euro erreicht.

Mageres Plus durch Dollarschwäche

Beliebtester Index laut der Studie: der MSCI World. Das ist nachvollziehbar: Denn damit lässt sich breit gestreut in den globalen Aktienmarkt investieren und langfristig von der Wertentwicklung der dort enthaltenen Aktien profitieren. Jedoch gab es für Euro-Anleger im vergangenen Jahr, auch wenn der MCI World 21,6 Prozent zulegte, einen Wermutstropfen. Denn dieser Zuwachs war in US-Dollar. Da die US-Währung 2025 über elf Prozent gegenüber dem Euro verlor, kam der MSCI World in Euro gerechnet nur auf ein mageres Plus von rund sieben Prozent.

Zunehmend stellen sich Anleger deshalb die Frage, ob der MSCI World der richtige Index für den langfristigen Vermögensaufbau ist. „Grundsätzlich rate ich Anlegern immer, sich den Index, der einem ETF zugrunde liegt, sehr genau anzusehen“, rät Anton Vetter von der BV & P Vermögensverwaltung. So beträgt die Gewichtung von US-Aktien beim MSCI World derzeit mehr als 71 Prozent und allein die zehn größten Werte kommen, auch wenn dort insgesamt über 1300 Unternehmen enthalten sind, auf einen Anteil von rund 26 Prozent. „Da müssen sich Anleger, vor allem wenn sie nur den MSCI World als Investment haben, fragen, ob eine so einseitige Ausrichtung und die damit verbundenen Risiken gewünscht sind“, sagt Vetter.

Das hohe US-Gewicht ist eine Folge der guten Entwicklung der großen Technologiekonzerne wie Nvidia, der Google-Mutter Alphabet oder Amazon in den vergangenen Jahren. „Insofern spiegelt der Index auch die wirtschaftliche Realität und die Entwicklung der Unternehmen wider“, erklärt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung. Sie rät deshalb, den MSCI World nicht zu verkaufen. „Als Basisinvestment hat der Index seine Berechtigung im Portfolio, allerdings sollten sich Anleger unbedingt breiter aufstellen und nicht nur in den MSCI World investieren“, sagt die Expertin weiter.

Mehr Schwellenländer und Europa-Aktien

Konkret heißt das: „Man könnte zum Beispiel einen Teil des MSCI-World-Investments verkaufen und dafür stärker in Europa oder den Schwellenländern investieren“, so Dyballa. Insbesondere letztere sind im MSCI World gar nicht enthalten. Das heißt, ein Anleger hat dann nur noch 50 Prozent seines Portfolios im MSCI World, mischt aber zu 40 Prozent einen ETF auf den MSCI Europa oder den Stoxx 600 bei und ergänzt mit einem ETFs auf den MSCI Emerging Markets.

„Man könnte sich einen Weltindex aus den MSCI-Indizes auf Nordamerika, Europa und Asien auch selbst zusammenstellen und so die einzelnen Regionen nach den eigenen Vorstellungen gewichten“, sagt Vetter. Wem das zu kompliziert ist, der hat noch eine einfachere Möglichkeit: Im MSCI All Country World Index haben die USA nur ein Gewicht von etwa 62 Prozent, dafür sind dort auch einige Emerging Markets enthalten. Eine weitere Alternative bietet der FTSE All World ETF, der insgesamt mehr als 4000 Unternehmen aus 49 Industrie- und Schwellenländern enthält. Dort kommen US-Aktien auf einen Anteil von rund 58 Prozent.

Eine weitere Alternative bietet die Equal-Weighted-Variante des MSCI World, in dem alle Aktien gleich gewichtet sind. Dort machen die USA nur noch rund 40 Prozent aus. „Dahinter steckt aber weniger die Idee, dem Dollar-Risiko auszuweichen, als vielmehr die Vermeidung des Klumpenrisikos, das die hohe Konzentration bei den großen Technologieunternehmen mit sich bringt“, sagt Vetter. Das kann zwar hilfreich sein, wenn es zu einem starken Einbruch bei diesen Werten kommt. Allerdings blieb der Index in den vergangenen Jahren, als sich die Aktienkurse der großen Technologiekonzerne stark entwickelten, weit hinter dem MSCI World zurück.

Für Anleger, denen das Dollar-Risiko im MSCI World zu hoch ist, ist eine stärkere Gewichtung Europas sowie der Schwellenländer deshalb die bessere Variante.

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