Heizöl hat sich von Freitag auf Montag um 23 Prozent verteuert, Aktien haben gestern verloren, der Goldpreis ist gestiegen. © Rolf Poss, Imago(l.)/Boris Roessler, dpa (r.o.)/Uli Deck, dpa (r.u.)
Heizöl hat sich von Freitag auf Montag um 23 Prozent verteuert, Aktien haben gestern verloren, der Goldpreis ist gestiegen. © Rolf Poss, Imago(l.)/Boris Roessler, dpa (r.o.)/Uli Deck, dpa (r.u.)
Heizöl hat sich von Freitag auf Montag um 23 Prozent verteuert, Aktien haben gestern verloren, der Goldpreis ist gestiegen. © Rolf Poss, Imago(l.)/Boris Roessler, dpa (r.o.)/Uli Deck, dpa (r.u.)
Der Iran-Krieg trifft Verbraucher und Anleger: Wer mit Öl heizt, muss mit kräftigen Preisaufschlägen rechnen. Dafür könnte sich für Gas- und Stromkunden ausgerechnet jetzt ein Wechsel lohnen. Auch Sparer sind unterschiedlich stark betroffen: Aktien verlieren an Wert, während Gold auf ein neues Rekordhoch zusteuert.
Warum hat der Krieg globale Auswirkungen?
Der Iran kontrolliert die Straße von Hormus. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggas-Produktion wird durch den Persischen Golf transportiert. Aktuell wird das Nadelöhr aber von den Reedereien gemieden. Am Sonntag wurden drei Schiffe angegriffen, offenbar gab es auch Tote. Unter Beschuss ist auch die Öl- und Gasproduktion: In Saudi-Arabien brach gestern nach einem Drohnenangriff Feuer in einer der größten Raffinerien des Landes aus, in Katar wurde die weltweit größte Exportanlage für Flüssiggas nach Angriffen stillgelegt.
Wird Heizöl jetzt teurer?
Die Heizölpreise sind über das Wochenende sprunghaft gestiegen: Von Freitag 95 Cent je Liter am Freitag auf 1,17 Euro am Montag. Die Werte gelten für eine 3000-Liter-Lieferung. Rohöl dagegen stieg um moderate 8 Prozent. Wie es für Heizöl-Kunden weitergeht, ist unklar: „Wenn die Situation sich entspannt, könnten die Preise bald wieder auf einen Euro pro Liter fallen – aber auch nicht tiefer“, sagte Oliver Klapschus vom Vergleichsportal Verivox. „Sollte der Persische Golf länger abgesperrt bleiben, sehen wir mindestens eine Seitwärtsbewegung – der Preis könnte aber auch auf 1,50 Euro steigen.“
Was ist mit Erdgas?
Am Montagfrüh waren die Gaspreise im europäischen Großhandel um bis zu 25 Prozent gestiegen. Mittags attackierte eine Kampfdrohne ein großes Flüssiggasterminal in Katar. Das Emirat stoppte alle Exporte. Die Preisaufschläge zum Freitag kletterten auf 50 Prozent, eine Megawattstunde kostete in der Spitze 48 Euro. „Wie hoch die Preise noch steigen, ist eine Frage der Zeit“, so Tobias Federico von Montel Analytics. „Sollte der Konflikt in vier Wochen beendet sein, wären 40 bis 50 Euro ein sachlich gerechtfertigtes Preisniveau. Alles darüber hinaus wäre ein psychologischer Effekt.“ Experten der Großbank ING warnen jedoch: Bei einer dauerhaften Lieferunterbrechung könnte der Preis auf 100 Euro steigen. „Sollte die Krise länger dauern, wird es einen Wettkampf ums Flüssiggas geben“, bestätigte Federico.
Steigt damit auch der Strompreis?
Ja – zumindest im Großhandel. Gestern stiegen die Preise dort um rund 20 Prozent: „Die deutschen Strompreise werden etwa zur Hälfte von den Erneuerbaren bestimmt, zur anderen von Gaskraftwerken“, sagte Tobias Federico. „Wir werden jede Bewegung am Gasmarkt auch bei den Strompreisen sehen.“
Was bedeutet das für Strom- und Gaskunden?
Es mag überraschen: Aber sowohl beim Gas als auch beim Strom haben Verbraucher gerade gute Karten, sagte Lundquist Neubauer vom Vergleichsportal Verivox. „Die Nahost-Krise ist noch nicht bei den Verbraucherpreisen angekommen. Gas und Strom sind noch deutlich günstiger als vor einem Jahr.“ Jetzt sei der perfekte Zeitpunkt, um sich mit einem Tarif mit langer Preisbindung abzusichern. Für Kunden in München kosteten die günstigsten Gastarife laut Neubauer gestern 8 Cent pro Kilowattstunde, Strom gab es für 24,8 Cent.
Brechen Lieferketten zusammen, weil die Containerschifffahrt stockt?
Danach sieht es derzeit nicht aus. Bislang blockiert der Krieg insbesondere die Öl- und Gastransporte im Persischen Golf, also im Nordosten der Arabischen Halbinsel. Im Südwesten der Halbinsel befindet sich mit dem Roten Meer aber einer der weltweit am stärksten frequentierten Seewege, wichtig für Containertransporte zwischen Asien und Europa. Der Verband Deutscher Reeder warnte: Der Krieg könnte Angriffe aus dem Jemen der mit Iran verbündeten Huthi-Milizen begünstigen. Mit einem Zusammenbruch der Lieferketten wie während der Corona-Pandemie sei aktuell aber nicht zu rechnen, sagte ein Verbandssprecher. „Wir haben jetzt eine andere Lage, während der Pandemie waren Häfen auf der ganzen Welt von Ausfällen betroffen.“
Wie stark könnte die Inflation am Ende anziehen?
Das hängt davon ab, wie lange der Krieg im Iran dauert. „Dauerte der Krieg nur wenige Wochen, wäre die Wirtschaft hierzulande faktisch nicht betroffen“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Zöge sich der Krieg dagegen mehrere Monate hin, würde die Inflation im Euroraum wohl mindestens um ein Prozentpunkt steigen und das Wirtschaftswachstum einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen.“
Wie reagieren die Aktienmärkte auf den Krieg?
Der deutsche Leitindex Dax gab gestern deutlich nach: Zeitweise lag das Minus bei 2,7 Prozent. Besonders stark sanken die Aktienkurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Die Chemiebranche benötigt Öl als Vorprodukt, Reiseanbietern drohen Einbußen im Nahen Osten. Ein großer Börsen-Crash blieb gestern aber aus. „Der Dax hat mit moderaten Abschlägen reagiert, weil die Marktteilnehmer zur Stunde nicht mit wesentlichen Konsequenzen des Iran-Krieges für die Weltwirtschaft rechnen“, sagte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Ähnlich äußerte sich Andreas Lipkow von CMC Markets. „Investoren hatten bereits im Vorfeld mit einer militärischen Eskalation des Konflikts gerechnet“, sagte er. Als am Nachmittag deutscher Zeit die US-Börsen öffneten, drehte die Technologiebörse Nasdaq zeitweise sogar ins Plus. Experten hielten eine weitere Aufwärtsbewegung für möglich.
Steuert der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch zu?
Gold gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) kostete gestern fast 5400 Dollar, das Allzeithoch von fast 5600 Dollar rückt damit wieder näher. „Die Wahrscheinlichkeit für ein neues Rekordhoch ist sehr hoch“, sagte Edelmetall-Experte Michael Eubel von der BayernLB. Und ein Ende des Goldrauschs ist nicht in Sicht: „Ich könnte mir vorstellen, dass sich der Goldpreis weiter nach oben entwickeln kann, da es im Moment nichts, wirklich gar nichts, gibt, was ein negatives Umfeld für Gold erzeugt.“