E-Autos und Solaranlagen passen perfekt zusammen. Aber auch Wärmepumpen können die Rendite verbessern. © Imago
Die Einspeisevergütung für Solaranlagen ist heute schon niedrig. Ab 2027 könnte sie ganz wegfallen. Wir haben den Ingenieur und Energieberater Kay Plötner gefragt, was Eigentümer jetzt tun können. Er sagt: „Je mehr man auf Wärmepumpen und E-Autos setzt, desto mehr lohnt sich die Photovoltaik-Anlage (PV)“. Doch nicht jede Investition rentiert sich: Wenige Kaufentscheidungen machen den Unterschied zwischen fünfstelligen Gewinnen und einem Verlust.
■ Das Musterhaus
Plötner hat ein fiktives Musterhaus geschaffen: Baujahr 1990, 200 Quadratmeter Fläche, mit Effizienzklasse F eher mäßig gedämmt. Der Endenergiebedarf ist mit 190 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr relativ hoch. Die Heizkörper sind Radiatoren. Die Gastherme liefert jedes Jahr 24 000 kWh Energie. Daneben braucht Familie Mustermann 3000 kWh Haushaltsstrom. Mobil sind die Bewohner durch ein benzinbetriebenes Pendlerauto mit 15 000 Kilometern Jahresfahrleistung und eines mit 10 000.
■ Die Rechnung
Kay Plötner berechnet, wie viel Gewinn die Mustermanns erwirtschaften, wenn sie eine PV-Anlage anschaffen und ihren Verbrauch auf Strom umstellen. Das Prinzip: Die PV muss weniger kosten, als sie an Netzstrom spart. Auf das eingesetzte Kapital berechnet Kay Plötner drei Prozent Zinskosten. Eingepreist sind auch die Kosten für Ladestationen und Teileverschleiß. Die Annahmen sind also ziemlich konservativ. Dem Gewinn aus der PV-Anlage stehen die höheren Preise gegenüber, die Wärmepumpen und E-Autos im Vergleich zu fossil betriebenen Geräten haben. Diese Mehrkosten sind nicht eingerechnet: Denn bei beiden gibt es günstige und teure Lösungen – und unterschiedliche Fördersätze.
■ Nur PV
Familie Mustermann kauft eine PV-Anlage: zwei Mal 5 Kilowatt Leistung, montiert auf das Ost-West-Dach. Die Kosten: 20 000 Euro. Das Ergebnis: „Nur mit Haushaltsstrom wird sich diese Anlage nicht amortisieren“, sagt Kay Plötner. Der Grund: „Selbst wenn man alle Kosten einrechnet kann eine PV-Anlage Strom für fünf bis zehn Cent pro kWh erzeugen“, sagt der Ingenieur. Strom aus dem Netz kostet rund 30 Cent. Das Problem: Nur mit Herd und Kaffeemaschine können die Mustermanns keine 20 Prozent ihres PV-Stroms selbst nutzen. Für den Rest bekommen sie aktuell nur rund 7,8 Cent Einspeisevergütung pro kWh. Das ruiniert die Rendite. Die Anlage bringt über 20 Jahre einen Verlust von rund 15 000 Euro.
■ E-Auto
Um mehr PV-Strom zu verbrauchen, setzen die Mustermanns für ihr neues Pendel-Auto auf einen Stromer. Statt 1500 Euro im Jahr für Benzin (1,7 Euro/Liter) bezahlen sie 900 Euro für Netzstrom (30 ct/kWh). Weil ein Teil des Netzstroms durch die PV-Anlage ersetzt wird, erwirtschaftet diese in 20 Jahren einen Gewinn von 5302 Euro. Das überzeugt doppelt, wenn auch der Zweitwagen ein Stromer wird: Damit erwirtschaftet die PV nach Kosten einen Gewinn von 24 000 Euro. Dazu kommen jedes Jahr 1000 Euro Ersparnis, weil die beiden Autos mit Strom grundsätzlich günstiger fahren als mit Benzin.
■ Nur Wärmepumpe
Die Familie ersetzt ihre alte Gastherme durch eine Wärmepumpe: „Bei speziellen Wärmepumpentarifen hat der Versorger das Recht, die Leistung kurzzeitig zu reduzieren, wenn das Netz stark belastet ist“, erklärt Kay Plötner. „In der Praxis merkt man das kaum – und es gibt einen günstigeren Tarif.“ Statt 30 Cent pro kWh kostet Wärmepumpenstrom rund 24 Cent. Gegenüber der Gasheizung ergibt das eine Ersparnis von rund 480 Euro im Jahr. Allerdings passen Wärmepumpe und PV-Anlage nicht gut zusammen: „Die PV Anlage liefert vor allem im Sommer, die Wärmepumpe läuft vor allem im Winter“, fasst der Energieberater zusammen. Deshalb lohnt sich die PV-Anlage der Mustermanns auch mit Wärmepumpe nicht. Sie erwirtschaftet über 20 Jahre immer noch ein Minus von rund 4200 Euro.
■ Vollelektrifizierung
Die Gewinner-Kombination ist die Vollelektrifizierung ohne Speicher: Setzt die Familie auf Wärmepumpe und zwei E-Autos, bringt die PV-Anlage nach Kosten einen Gewinn von rund 34 000 Euro in 20 Jahren. Dazu kommen jedes Jahr 1480 Euro durch den Umstieg von Gas und Benzin auf Netzstrom.
■ Zusätzliches Potenzial
In der Rechnung ist nicht berücksichtigt, dass die Steuer auf fossile Energie steigen wird. Auch, dass die geplante Bio-Quote Heizöl und Gas ab 2029 deutlich teurer machen könnten, ist nicht dabei. Das Gewinn-Potenzial der Grünstrom-Lösungen dürfte also jeweils noch höher sein. Weitere Chancen bieten dynamische Stromtarife: „Im Großhandel ist Strom meist sehr günstig, wenn viel Solar- und Windstrom im Netz ist“, erklärt Kay Plötner. Ein dynamischer Tarif bildet diese Preise in Echtzeit nach. „Ein Energiemanagement-System könnte dann immer die günstigste Quelle nutzen – entweder PV-Strom vom Dach oder Windstrom aus dem Netz“.MATTHIAS SCHNEIDER