Mario Draghi, EZB-Chef in der Euro-Krise. © Rumpenhorst, dpa
Im Jahr 2008 ging die US-Bank Lehman Brothers pleite. © dpa
Terror-Anschläge am 11. September 2001: An den Aktienmärkten ging es mit den Kursen steil bergab. © Chao Soi Cheong, dpa
Panik an der Frankfurter Börse: Die Finanzkrise ab 2007 führte weltweit zu heftigen Kursverlusten. © Frank Rumpenhorst, dpa
Als nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran zu Wochenbeginn die Öl- und Gaspreise in die Höhe schossen, gingen die Börsen auf Talfahrt. Wer einen Teil seiner Ersparnisse in Aktien angelegt hat, dürfte sich gefragt haben: Geht es jetzt noch weiter abwärts?
„Wir wissen einfach nicht, ob es im Nahen Osten noch weitere Eskalationen geben wird“, sagte der Chefvolkswirt der BayernLB, Jürgen Michels, gestern unserer Zeitung. Kommt es zu einem baldigen Kriegsende, wie es US-Präsident Donald Trump verspricht, dürfte sich die Lage an den Märkten entspannen. Eskaliert der Konflikt oder dauert er länger, als sich viele erhoffen, droht ein weiterer Kurs-Sturz. „Aber ich denke, es spricht einiges dafür, dass das ein auf einige Wochen begrenzter Konflikt bleiben wird“, sagte Michels.
Für Anleger heißt das: keine Panik. Zumal für diejenigen, die jeden Monat eine Sparrate in ihren ETF überweisen. „Wichtig beim Sparplan ist, dass ich mich an die Regel halte, die ich mir gesetzt habe“, sagte Michels. „Und wenn es mit den Kursen mal runtergeht, kaufe ich aufgrund der Struktur des Plans einfach weiter und profitiere von den niedrigen Kursen.“ Zwar könne es angesichts der aktuellen Krisen sinnvoll sein, Aktien im Depot etwas weniger stark zu gewichten – langfristig sollten Aktien aber ein Teil der Geldanlage bleiben. Für spekulative Anleger gilt: „Sofern sich der Konflikt nicht ausweitet, mag es jetzt die Stunde sein, Aktien nachzukaufen“, sagte Michels.
Der Frankfurter Bankier Carl Mayer von Rothschild soll Anfang des 19. Jahrhunderts gesagt haben: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.“ Angesichts der Toten des Iran-Krieges und der Angst der Menschen im Nahen Osten mag diese Logik kalt und zynisch klingen. Die jüngere Geschichte zeigt aber: Auf Crashs am Aktienmarkt folgte immer ein Aufschwung (siehe Grafik).
Die Dot-Com-Blase platzte kurz nach der Jahrtausendwende – es war der erste große Schock für viele deutsche Kleinanleger: Hatten ihre Telekom-Aktien gerade noch Tag für Tag massiv an Wert gewonnen, folgte auf einmal der Sturz ins Bodenlose. Der Neue Markt brach zusammen.
Als am 11. September 2001 islamistische Terroristen mit Flugzeugen die Hochhäuser des World Trade Centers in New York zerstörten, ging es weiter abwärts. Afghanistan-Krieg, Irak-Krieg, Terror-Anschläge in Madrid und London – die Verunsicherung blieb. „Die Beobachtung war damals aber auch, dass sich die Unternehmensgewinne mittelfristig nicht groß veränderten“, sagte Michels. 2007 notierte der Dax wieder auf Rekordniveau.
Der Finanzmarkt-Crash 2007 schickte die Börsen erneut auf Talfahrt. 2008 schlitterte die US-Bank Lehman Brothers in die Pleite und riss den Markt in den Abgrund. Die Weltwirtschaft kam ins Stocken. „Die Zentralbanken reagierten mit einer super-lockeren Geldpolitik“, so Michels. Und Staaten rund um den Globus schnürten milliardenschwere Konjunktur-Pakete. 2011 hatte der Dax einen Großteil seiner Verluste wieder wettgemacht.
Die Euro-Krise führte 2011 zu einem neuen Kursrutsch, die Zukunft der Gemeinschaftswährung war ungewiss. Der damalige EZB-Präsident Mario Draghi wollte den Euro retten, koste es, was es wolle („whatever it takes“). „Das Investitionsklima besserte sich, außerdem kam wegen der niedrigen Zinsen mehr Liquidität in den Aktienmarkt“, so Michels. Die Folgejahre blieben aber geprägt von Krisen: Chinas Wirtschaft schwächelte, die Briten votierten 2016 für einen EU-Austritt, 2017 hieß der US-Präsident erstmals Donald Trump.
Die Corona-Pandemie im Jahr 2020 ließ die Märkte schlagartig einbrechen: Staatlich verordnete Schließungen führten zu einem massiven Konjunktureinbruch, Lieferketten kollabierten. „Dank massiver Unterstützung durch die Notenbanken und Regierungen sowie der Aussicht auf eine schnelle Entwicklung von Impfstoffen, ging es an den Aktienmärkten aber schnell wieder bergauf“, so Michels. 2021 knackte der Dax erstmals die 15.000-Punkte-Marke.
Der Ukraine-Krieg Anfang 2022 führte zu einer längeren Krise – Gas und Öl hatten sich schlagartig verteuert. Es dauerte etwas länger als ein Jahr, schon ging der Dax wieder auf Rekordjagd.