Der Traum vom Urlaub: Buchungsportale versprechen günstiges Reisen. Doch Verbraucher sollten auf Fallstricke achten. © paha, smarterpix
Heutzutage ist jeder ein bisschen Reiseverkehrskaufmann oder -kauffrau: Reisen werden von den Verbrauchern im Internet recherchiert, geplant und gebucht. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür sind Reisevergleichsportale wie Check24, Kayak, Opodo oder Booking.com. Aber bieten sie wirklich den besten Preis für die Kunden?
Wie groß sind die Preisunterschiede?
Wer zum Beispiel Ende April zu zweit eine Auszeit am Gardasee nehmen möchte, findet für dasselbe Hotel verschiedene Preisangebote: Eine Buchung für zwei Nächte im Hotel Villa Del Sogno in Gardone Riviera kostet für ein ähnlich beschriebenes Zimmer bei Booking.com 640 Euro, bei Tui (über trivago) 608 Euro und beim Hotel selbst rund 562 Euro (Stand: Anfang März). Das sind fast 80 Euro Unterschied. Ein Blick nach Palma de Mallorca zeigt ebenfalls Unterschiede: Das Hotel Portofino verlangt auf der eigenen Homepage für ein Doppelzimmer mit Meerblick 451 Euro für zwei Nächte Ende April, über Check24 kostet das knapp 441 Euro. Auf Booking.com gibt es Angebote ab 429 Euro. Beim Hotel Lovec im slowenischen Bled beträgt die Differenz 49 Euro. Beim Hotel selbst kann ein Doppelzimmer mit Seeblick am letzten Aprilwochenende für 405 Euro für zwei Nächte gebucht werden. Bei Check24 gibt es für ein ähnliches Zimmer Angebote ab 356 Euro. Der Anbieter Kayak, der zu einem Angebot auf Booking.com weiterleitet, liegt mit 387 Euro in der Mitte. Der Kurztrip Ende April nach Marseille mit zwei Übernachtungen könnte zwei Personen im Boutique Hotel Azur zwischen 194 Euro (Homepage des Hotels) und 225 Euro (Booking.com) für ein Superior-Doppelzimmer kosten. Der Unterschied beläuft sich auf 31 Euro.
Wie funktionieren die Portale?
Obwohl die Webseiten ähnlich anmuten, arbeiten die Preisvergleichsportale nach unterschiedlichen Prinzipien, weiß Julia Gerhards, Referentin für Verbraucherrecht und Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Kayak ist zum Beispiel ein Metasearcher. Er vergleicht verschiedene Online-Angebote“, sagt sie. Flugangebote und Hotelpreise werden mithilfe eines sogenannten Webcrawlers durchsucht und einander gegenübergestellt. Weitere Metasuchmaschinen sind Trivago, Google, Tripadvisor oder Check24.
„Im Gegensatz dazu ist Opodo das digitale Pendant eines analogen Reisebüros“, sagt Gerhards. Es gebe Vereinbarungen mit Hotels, Pensionen oder Besitzern von Ferienwohnungen. So würden Urlaubspakete, aber auch zahlreiche Flugreisen angeboten. Ein Vergleich mit anderen Online-Reisevermittlern findet hier nicht statt.Booking.com ist demgegenüber ein Marktplatz für Anbieter. „Die Plattform sagt: Hier bin ich, und Ihr könnt Eure Angebote bei mir darbieten“, sagt Gerhards. Booking habe durch seine Bekanntheit eine besondere Marktmacht.
Wichtig zu wissen: Die einzelnen Vergleichsportale haben nicht jedes Angebot in ihrem Programm. Die Preise können sich zudem nach genutztem Endgerät, Cookie-Einstellungen und anderen Daten stark unterscheiden, sagt Anja Haverkamp von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV).
Wie viel Provision gibt es?
Die DtGV hat eine Studie über Reiseportale gemacht. Darin wurden Portale analysiert, die als Reisevermittler agieren und mindestens die Buchung von Pauschalreisen und Hotelübernachtungen anbieten. Haverkamp sagt: „Die Höhe der Provision ist danach von den individuellen Verhandlungen zwischen dem Portal und dem jeweiligen Anbieter abhängig und kann mal bei ein Prozent, mal bei 40 Prozent liegen.“
Wie funktioniert das Ranking?
Die Anzeige der Suchergebnisse ist entscheidend für die Kaufentscheidung. Das Bundeskartellamt hat verschiedene Einflussfaktoren aufs Ranking festgestellt, darunter auch die Höhe der von den verschiedenen Anbietern gezahlten Provisionen, wie es auf der Webseite des Bundeskartellamts heißt. Booking.com erklärt auf seiner Webseite verschiedene Faktoren, die es beim Ranking anwendet und schreibt unter anderem: „Das Ranking einer Unterkunft kann auch von anderen Faktoren beeinflusst werden – beispielsweise davon, wie viel Kommission wir für Buchungen erhalten, wie schnell die Kommission üblicherweise bezahlt wird.“
Was passiert bei Reklamationen?
Die Vergleichsportale sehen sich bei Reklamationen nicht in der Pflicht. „Portale wie Booking vermitteln nur die Buchung“, sagt Gerhards. Sie übernehmen keine Haftung dafür, dass diese Unterkünfte so sind, wie sie sich online darstellen. Gerhards sieht das als ein Grundproblem der Vergleichsportale. Wenn Kunden Reklamationen hätten, verweisen die Vergleichsportale sie an die Urlaubsanbieter. So kann der Urlaub in Griechenland im Rechtsstreit vor einem griechischen Gericht enden.