München – Die Boomer-Generation geht nach und nach in den Ruhestand. Die nachfolgenden Generationen dürften vom Umlagesystem der Rente immer weniger profitieren, aber dennoch weiter einzahlen, denn die Boomer haben versäumt, das Rentensystem den demografischen Anforderungen anzupassen und entsprechend umzubauen: Das ist der Befund des Finanzexperten Frank Schäffler, den er zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen macht; mit Sorge und ein bisschen schuldbewusst, wie er selbst sagt, fühlt sich Schäffler (Jahrgang 1968) doch selbst als Boomer. „Generation Depts“ heißt sein Mitte März erscheinendes Buch (Langen-Müller-Verlag), „Die Generation, die alles bezahlen muss“, so der Untertitel.
Es ist eine harte Analyse des langjährigen Bundestagsabgeordneten (bis 2025), die die Regierungen der vergangenen Jahrzehnte nicht schont. Gibt es doch in Schäfflers Augen nur zwei legitime Wege, die eine Regierung gehen kann, wenn sie mehr Geld ausgeben will: an anderer Stelle sparen oder Steuern erhöhen. In der Vergangenheit sei aber zu oft die leichte Möglichkeit gewählt worden, nämlich, die Lasten in die Zukunft zu verlagern – um die Auseinandersetzung mit der aktuellen Wählerschaft zu vermeiden.
Schäffler berichtet aus seiner eigenen Erfahrungswelt, zeichnet nach, wie die Gesellschaft in die Lage kommen konnte, in der sie sich heute befindet, testet Forderungen und Konzepte aus der Politik auf ihre Tauglichkeit und blickt über die Grenzen, um zu sehen, wie andere Länder so manches besser machen. Schweden etwa mit seiner kapitalgedeckten zweiten Säule bei der Rente, Norwegen mit seinem Staatsfonds oder die Schweiz mit ihrer harten Schuldenbremse.
Der Autor, der als ordoliberal zu verorten ist, versucht auch, Strategien aus der Schuldenfalle aufzuzeigen. Ein wesentliches Element ist ihm dabei die Kryptowährung Bitcoin – quasi als privates Geld (Kapitelüberschrift: „Bitcoin rettet die Welt“).
Schäfflers Vorschläge sind zum Teil konsensfähig (wie die Stärkung der Aktienkultur), teils provokativ (wie die Möglichkeit, sich dem Rentensystem zumindest partiell zu entziehen), überlegens- und lesenswert sind sie allemal.MM