Einige Unternehmen aus Dax und MDax (im Bild Händler in Frankfurt) gehören zu den Dividendenaristokraten. Das sind Konzerne, die zuverlässig Dividenden ausschütten. © Arnold, dpa
Fast 64 Milliarden Euro werden die großen deutschen Konzerne in diesem Jahr an ihre Aktionäre ausschütten, nach Berechnungen der DZ Bank fünf Prozent mehr als im Jahr davor.Allerdings tun sich zwischen den Unternehmen große Unterschiede auf.
■ Allianz ganz vorn
In absoluten Zahlen steht die Allianz mit einer Ausschüttung von 6,6 Milliarden Euro unangefochten an der Spitze. Mitte März bietet die Aktie des Versicherungskonzerns damit eine attraktive Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent. Dazu kommt: Die Allianz, deren Hauptversammlung am 7. Mai stattfindet, hat ihre Dividende in den vergangenen zehn Jahren neun Mal erhöht, allein in den vergangenen fünf Jahren laut der DZ Bank um zehn Prozent im Schnitt jährlich.
■ Abschläge bei Autos
Doch nicht bei allen Dax-Konzernen läuft es gleichermaßen gut: So hatten die drei großen Autobauer BMW, Mercedes und VW nach Angaben der Deka ihre Dividendenzahlungen 2025 aufgrund rückläufiger Gewinne um insgesamt rund vier Milliarden Euro gekürzt, in 2026 dürften es noch einmal etwa 3,3 Milliarden Euro weniger werden. „Das verdeutlicht einmal mehr, dass Dividenden kein Zinsersatz sind, sondern residuale Gewinnausschüttungen, die vom Cashflow und vom Investitionsbedarf abhängen und folglich gekürzt werden oder ganz ausfallen können“, erklärt Dyrk Vieten von der ficon Vermögensmanagement GmbH. Und noch etwas zeigt sich an diesen Beispielen: Die Höhe der Dividendenrendite allein genügt nicht als Auswahlkriterium für ein Investment in einen Dividendentitel.
■ Rendite und Kurs
So beträgt die Dividendenrendite der Mercedes Group Mitte März über sechs Prozent, allerdings hat die Aktie in den vergangenen drei Jahren auch rund 24 Prozent an Wert verloren. „In solchen Fällen kann eine hohe Dividendenrendite eher ein Signal für Risiko liefern und nicht für Qualität“, warnt Vieten.
Besser ist es stattdessen, darauf zu achten, ob ein Unternehmen seine Ausschüttungen kontinuierlich vornimmt und regelmäßig erhöht. Denn das ist ein Indiz für ein erfolgreiches und etabliertes Geschäftsmodell, wie die Analysten der DZ Bank in ihrer aktuellen Dividendenstudie schreiben.
Langfristig jedenfalls kann sich eine Beimischung stabiler Dividendenzahler, sogenannter Dividendenaristokraten, positiv auf ein Portfolio auswirken. „Sie können zum Beispiel dazu beitragen ein Portfolio zu stabilisieren“, erklärt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung. „Und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Wertentwicklung.“ So hat der Performanceindex des Dax, der die wiederangelegten Dividendenzahlungen enthält, laut der DZ Bank seit Auflage rund elf Prozent pro Jahr im Durchschnitt zugelegt. Der Kursindex des Dax, der die Dividenden ausklammert, dagegen nur etwa acht Prozent jährlich.
Doch ist es eben entscheidend, stetige Dividendenzahler zu finden. Neben der Allianz gehören dazu hierzulande beispielsweise die beiden Rückversicherer Hannover Rück und Munich Re oder das Spezialchemieunternehmen Fuchs.
■ Blick ins Ausland
Aber auch der Blick ins Ausland lohnt. Denn auch international werden Rekordsummen ausgeschüttet. Aktuell rechnet die DZ Bank bei europäischen Aktien gemessen am Euro Stoxx mit einem Zuwachs von rund sechs Milliarden Euro auf fast 250 Milliarden Euro an Ausschüttungen. Beim S&P 500 soll die Summe der Ausschüttungen um 5,5 Prozent auf 709 Milliarden US-Dollar steigen.
Wer allerdings international auf Dividendenaristokraten setzt, muss die Quellensteuer berücksichtigen. Zwar können sich Anleger die Differenz, falls diese über der in Deutschland fälligen Abgeltungssteuer liegt, zurückholen. Das ist aber aufwendig. Aus diesem Grund kann es bei ausländischen Dividendentiteln vorteilhafter sein, auf global anlegende Dividendenfonds- oder ETFs zu setzen, da hier die Besteuerung auf Fondsebene stattfindet.
■ Die besten ETFs
Zu den besten ETFs zählte zuletzt der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders, der in den vergangenen drei Jahren über 55 Prozent zulegte. Ähnlich gut lief der Oberbanscheidt Dividendenfonds R, der im gleichen Zeitraum auf ein Plus von etwa 51 Prozent kam.
„Jedoch sollten Anleger darauf achten, dass sie im Dividendenbereich nicht nur auf bestimmte Branchen setzen, sondern auch hier gut diversifizieren“, sagt Dyballa. Dabei hält die Expertin qualitativ hochwertige Dividendentitel aktuell noch aus einem anderen Grund für interessant: „Viele sind aktuell noch günstig bewertet“, meint sie und folgert: „Das eröffnet zusätzlich zur regelmäßigen Ausschüttung die Chance auf Kursgewinne.“