Regensburg – Das bayerische Stromnetz ist gewachsen und sicher geblieben: Das gab gestern das Bayernwerk bekannt, der größte Netzbetreiber im Freistaat. „Im vergangenen Jahr wurden Solaranlagen (PV) mit 2300 Megawatt (MW) Leistung an das Stromnetz des Bayernwerks angeschlossen“, erklärte Konzernchef Egon Westphal.
Damit wuchs die Leistung Erneuerbarer Energien im Bayernwerk-Netz auf insgesamt 24.000 MW, 18.000 davon nur PV. Der Rest verteilt sich auf Wasserkraft, Biogasanlagen und einige Windräder. „Aber die Windkraft ist im Kommen“, so Westphal. Allein das Bayernwerk habe inzwischen Anschlusszusagen für 5500 MW erteilt, rund 1000 Windräder.
Trotz der hohen Einspeisung volatiler Energien sagte Westphal: „Der technische Netzbetrieb beim Bayernwerk ist sicher“. Im Verteilnetz werde es keine Probleme geben. Dafür habe man die Fähigkeit, Anlagen im Netz zu steuern, verbessert. Die größte Herausforderung waren bisher 13.000 MW Erzeugung, die auf nur 8000 MW Nachfrage trafen. Den Überschuss habe man aber sicher ins europäische Netz speisen können.
Um die wachsenden Strommengen aufnehmen und steuern zu können, hat der Konzern 2025 zwei Milliarden Euro investiert. Damit sind 15 neue Umspannwerke entstanden, quasi die Autobahnauffahrten im Stromnetz. Dazu kamen 177 Kilometer Hochspannungsleitung – im Bild die Autobahnen – und jeweils 1600 Kilometer in der Mittel- und Niederspannung. Um das Netz zu steuern, hat das Bayernwerk auch in Digitalisierung investiert: 1600 neue, digitale Ortsnetzstationen, KI-Kugeln auf den Leitungen und 126.000 neue digitale Stromzähler bei den Verbrauchern ermöglichen es dem Versorger, in Echtzeit ins Netz zu schauen.
Auch für die Zukunft erwartet der Netzbetreiber starkes Wachstum: Bis 2045 sollte sich die Stromerzeugungsleistung auf 78.000 Megawatt verdreifachen, der Bedarf auf 99 Terawattstunden verdoppeln. Dazu tragen auch die neuen Rechenzentren bei: Allein bei der Eon-Tochter gibt es Anfragen für 6000 MW Anschlussleistung.
Vor allem um die Erzeugung der PV zu steuern, braucht es zunehmend Speicher. Aktuell sind im Bayernwerk-Netz rund 3000 MW Leistung angeschlossen. Dazu kommen bald 79 bewilligte Grünstrombatterien mit 540 MW Leistung, die direkt an Erzeuger gekoppelt werden und im Netz keine zusätzliche Kapazität brauchen. Insgesamt gibt es Interesse für 80.000 MW Speicherleistung. Hier müssen Netzbetreiber aussortieren: Viele Projektierer stellen mehrere Anfragen für ein Projekt, und es kommt auf die Fahrweise an. Rein wettbewerbliche Speicher etwa – die Strom kaufen und verkaufen – brauchen eigene Netzkapazitäten, die es nicht überall gibt.
Gerade für den Winter fehlen aber noch Lösungen, warnt Westphal: Bis 2030 brauche Bayern 6900 MW gesicherte Leistung – hier gebe es bislang eine Lücke.MAS