Gerüchte gefallen Telekom-Aktionären nicht

von Redaktion

Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom, äußert sich bislang nicht öffentlich. © Rolf Vennenbernd/dpa

Frankfurt – Die Deutsche Telekom und ihre Tochter T-Mobile US denken offenbar über einen Zusammenschluss nach. Das berichten mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur Bloomberg. Käme es zur Fusion, würde demnach einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt entstehen. Treiber der Fusionspläne soll Telekom-Chef Tim Höttges sein, da er sich am vergleichsweise geringen Börsenwert seines Unternehmens stört.

T-Mobile US gehört seit 2001 zur Deutschen Telekom, aktuell hält der Konzern aus Bonn 53 Prozent an der Tochter in den USA. Laut Konzernangaben ist T-Mobile US mit rund 142 Millionen Kunden der zweitgrößte Anbieter auf dem US-Markt. Beschlossen ist den Berichten zufolge die Fusion noch nichts, denkbar sei auch ein Scheitern der Gespräche. Die Diskussion befände sich in einem frühen Stadium. Bloomberg beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Im Gespräch ist offenbar folgende Idee: Eine neue Dachgesellschaft wird gegründet, diese Holding gibt Gebote für Aktien beider Unternehmen ab. Ein solcher Schritt sei eines der größten öffentlichen Übernahmegeschäft aller Zeiten, hieß es in den Berichten. T-Mobile sprach von Spekulationen, die Telekom äußerte sich nicht.

Käme es zu konkreten Verhandlungen, wäre auch die Bundesregierung involviert: Gut 28 Prozent der Telekom-Aktien gehören dem deutschen Staat – etwa 14 Prozent entfallen auf den Bund, die anderen rund 14 Prozent gehören der staatlichen Förderbank KfW. Die historischen Wurzeln der Telekom gehen auf die Deutsche Bundespost zurück.

An der Börse kamen die Fusionsgerüchte gestern nicht gut an: Die Aktien der Deutschen Telekom verloren als Schlusslicht im Dax zeitweise 4,5 Prozent an Wert.

Die regulatorischen Hürden für einen möglichen Zusammenschluss seien erheblich, gaben die Analysten von Bernstein Research zu bedenken. Ohne einen deutlichen Aufschlag auf die Bewertung dürften die Aktionäre von T-Mobile US zudem kaum damit einverstanden sein, hieß es.

Ein Zusammenschluss wäre für die Telekom wertsteigernd, sagte ein Händler. Gleichzeitig könnte die Finanzierung einige Sorgen bereiten und den Kurs belasten, räumte er ein.

Laut der US-Bank JPMorgan dürfte eine solche Transaktion zum Ziel haben, den Bewertungsabschlag der Telekom im Vergleich zur US-Tochter zu beseitigen, mehr Mittel für Zukäufe zur Verfügung zu haben und den weltgrößten Telekommunikationskonzern zu schaffen. Es werde aber wohl zunächst mehr Fragen als Antworten geben, schrieb Analyst Akhil Dattani in seiner Einschätzung.DPA/MM

Artikel 2 von 5