Risiko Ticketverkauf

von Redaktion

Popstars wie Taylor Swift locken regelmäßig zehntausende Besucher in die Stadien (wie hier im Jahr 2024 bei einem Konzert in Mailand). © Matteo Bazzi, IMAGO

In München gibt es regelmäßig Events, die tausende von Menschen anlocken. Adele in Riem, Taylor Swift im Olympiastadion oder die Fußball-Europameisterschaft 2024: Der Ansturm auf die Karten ist riesig. Doch für viele Fans endet die Vorfreude im Frust. Verbraucherschützer warnen vor dem Kauf über dubiose Ticket-Plattformen und unautorisierten Zweitanbietern.

■ 250 Prozent Aufschlag

Konzerte von Stars wie Bad Bunny, BTS oder aktuell Oasis sind oft binnen Minuten ausverkauft. Kurz darauf tauchen die Karten auf Plattformen wie Viagogo, StubHub oder Ticketswap wieder auf. Die Preisgestaltung auf diesen Portalen ist laut Branchenangaben oft utopisch. Analysen der Fan-Initiative „FEAT Alliance“ zeigen, dass auf manchen Plattformen im Schnitt Aufschläge von 150 Prozent verlangt werden – in der Spitze liegen die Forderungen bei 250 Prozent und mehr. „Für Künstler und Veranstalter steht bei der Kalkulation im Vordergrund, für Fans erreichbar zu bleiben“, erklärt Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV. „Wenn Tickets anschließend mit massiven Aufschlägen weiterverkauft werden, untergräbt das dieses soziale Prinzip.“

■ Wertlose Karten

Bei der Verbraucherzentrale Bayern häufen sich die Beschwerden über wertlose Tickets: Kunden berichten von verspätet gelieferten Tickets, falschen Sitzplätzen oder gänzlich ungültigen Karten. Ein besonderes Risiko stellen personalisierte Tickets dar. Da diese auf den Namen des Erstkäufers ausgestellt sind, bleibt Zweitmarktkäufern der Einlass oft verwehrt. Viele Betroffene bemerken dabei erst zu spät, dass sie gar nicht beim offiziellen Ticket-Partner (wie etwa Eventim oder München Ticket), sondern auf einer privaten Vermittlungsbörse gelandet sind. Bereits während der EM im vergangenen Sommer griff die UEFA hart durch: Mehrere Hundert Tickets wurden storniert, weil sie unerlaubt weiterverkauft worden waren. Betroffenen Fans drohte im schlimmsten Fall die Abweisung direkt am Stadiontor.

■ Erste Urteile

Immerhin gibt es rechtliche Fortschritte: Das Oberlandesgericht München entschied bereits, dass Plattformen wie Viagogo klar kennzeichnen müssen, wenn Tickets von gewerblichen Händlern stammen (Az. 29 U 3556/19). Zudem gelten seit Mai 2022 verschärfte Informationspflichten für Online-Marktplätze. Dennoch fordern Verbände weitere Schritte. Jutta Gurkmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband betont: „Es braucht dringend gesetzliche Leitplanken, die Verbraucher schützen und Transparenz schaffen.“ Gefordert werden unter anderem eine Deckelung der Weiterverkaufspreise sowie schnellere Beschwerdeverfahren gegen rechtswidrige Angebote. Bis dahin bleibt Fans nur die eigene Vorsicht: Ein genauer Blick ins Impressum und der Abgleich mit den offiziellen Vorverkaufsstellen sind der beste Schutz vor dem teuren Aus am Einlass.

■ Schutzfunktionen

„Falls möglich sollte man Tickets immer bei den offiziellen Verkaufsstellen oder beim Veranstalter kaufen. Dann hat man immer einen Geschäftspartner, gegen den man Ansprüche geltend machen kann“, erklärt Jochen Weisser, Jurist beim Verbraucherservice Bayern. „Bei Vermittlungsportalen sitzt der Verkäufer im Zweifel im Ausland und ist nicht greifbar.“ Der sicherste Weg sei, jedes Ticket erst nach dem Konzert zu bezahlen. In der Realität geht das aber selten: „Bei Kreditkarten gibt es einen begrenzten Schutz durch das Chargeback-Verfahren. Dabei kann man eine Zahlung innerhalb von 120 Tagen bei der kartenausgebenden Bank reklamieren“, so Weisser. Dagegen: „Der Paypal-Käuferschutz ist deutlich schlechter als sein Ruf. Die Käuferschutz-Regeln sehen viele Einschränkungen, Ausnahmen und Ermessensentscheidungen von Paypal vor. Im Ergebnis ist man in aller Regel darauf angewiesen, dass Paypal den Schaden anerkennt.“ In offensichtlichen Betrugsfällen funktioniere das oft. „Aber wenn ein Ticket für Taylor Swift verkauft wurde – nur ohne zu erwähnen, dass es personalisiert ist – wird Paypal die Lieferung wahrscheinlich als ordnungsgemäß erfüllt betrachten.“ Ganz gefährlich sind Direktüberweisungen oder die Funktion „Paypal für Freunde“. Denn bei beiden Optionen kann das gesendete Geld innerhalb kürzester Zeit nicht mehr zurückgeholt werden.

Artikel 6 von 7