Miese Tricks bei Wohnungssuche

von Redaktion

Sensible Daten, teure Kautionen, falsche Versprechen: Wer eine Wohnung sucht, gerät schnell ins Visier von Abzockern.

Wohnungen sind begehrt in Großstädten. Von schönen Bildern sollten sich Interessenten aber nicht täuschen lassen. Die lassen sich heute leicht durch KI herstellen. © dpa

Wohnungssuchende benötigen gerade in Ballungszentren oft viel Geduld und Glück. Wer unter Druck steht, greift da nach jedem Strohhalm. Das nutzen Betrüger oder unseriöse Inserenten gerne aus. Sie haben Maschen und Methoden entwickelt, um andere hereinzulegen. Häufig sind organisierte Tätergruppen am Werk. Entweder zielen sie direkt aufs Geld der Wohnungssuchenden, indem sie Vorkasse für angebliche Kautionen und Schlüsselpfand verlangen. Oder sie versuchen, an sensible Angaben wie Personalausweis- und Kontodaten zu kommen. Diese werden dann für andere kriminelle Geschäfte missbraucht. Die folgenden Maschen sollte man kennen, um sich vor den Betrügern schützen zu können.

Nachmieter gesucht

Soziale Netzwerke werden auch gerne für die Suche nach einer neuen Bleibe genutzt. Denn hier lassen sich viele Menschen gleichzeitig erreichen und Informationen über Angebote schnell austauschen. Der Haken: Das wissen unseriöse Anbieter. Sie schicken Nachrichten wie „Nachmieter gesucht“ herum und versprechen, Anfragen direkt an den Vermieter weiterzuleiten. Interessenten sollen dazu zum Beispiel bereits vorab die Kaution überweisen oder ein entsprechendes Konto anlegen. Die passenden Daten werden gleich mitgeschickt.

„Alles vorgetäuscht“, erklärt Hans-Joachim Henschel vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Seiner Erfahrung nach werden bei solchen Offerten weder Nachmieter gesucht, noch existiert die angepriesene Wohnung überhaupt. Die Betrüger arbeiten mit Angaben, die sie erfunden oder aus verschiedenen realen Angeboten zusammengestrickt haben.

Henschel rät, nie unter diesen Bedingungen eine Kaution zu überweisen oder ein Kautionskonto einzurichten. Letzteres könnten Betrüger sonst nutzen, um über das Konto, das auf den eigenen Namen läuft und die Betrüger begünstigt, krumme Geschäfte abzuwickeln. Dabei geht es Henschel zufolge häufig um Geldwäsche. Doppelt ärgerlich: Hereingelegte verlieren nicht nur ihr Geld, sondern können bei Geldwäscheermittlungen auch noch ins Visier der Polizei geraten.

Identitätsdiebstahl

Diese Masche legt es darauf an, Ihre persönlichen Daten und Kontoverbindungen abzugreifen, um diese für andere Delikte zu nutzen. Wie Täter Ihre Angaben herausfinden? Vermieter wollen vor Abschluss des Mietvertrags in der Regel Gehaltsnachweis, Schufa-Auskunft und eine Kopie des Personalausweises sehen. Unseriöse Anbieter verlangen oft, diese Unterlagen an eine ungewöhnliche Mail-Adresse zu schicken – zum Beispiel mit ausländischer Domain-Endung. Die Betrüger begründen das zum Beispiel mit einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt.

Folgt man der Anweisung, bricht danach der Kontakt zum vermeintlichen Vermieter ab – der Traum von der neuen Wohnung hat sich ausgeträumt. Stattdessen geistert die eigene Identität durchs Darknet, um für illegale Zwecke genutzt zu werden. Generell sollte man die Dokumente niemals versenden, sondern besser persönlich überreichen und den Ausweis vorzeigen. Rein rechtlich dürfen Vermieter die Unterlagen erst fordern, wenn jemand in der engeren Wahl ist – auch wenn es in der Praxis oft anders läuft.

Phishing-Mails mit der Bitte, sich über einen Link einzuloggen, sowie Aufforderungen, sich online etwa für einen Besichtigungstermin anzumelden, sind andere Spielarten des Identitätsdiebstahls: Bei einer scheinbar notwendigen Legitimierung über die angebliche Hausbank des Anbieters kann es passieren, dass Sie ungewollt ein Bankkonto eröffnen, auf das nur die Betrüger Zugriff haben. Dass überhaupt eine solche Legitimierung für eine Besichtigung verlangt wird, sollte Sie misstrauisch machen.

Vorkasse

Gerade in Ballungszentren, wo Wohnungen rar und teuer sind, freuen sich Interessenten über jede Zusage zur Besichtigung. Manche Vermieter verlangen für eine Einladung zum Besichtigungstermin eine Reservierungsgebühr. Wer zahlt, erlebt nach Beobachtung von Verbraucherschützern gelegentlich das, was auch beim Kautionsbetrug geschieht: Ist das Geld erst überwiesen, fehlt vom angeblichen Eigentümer jede Spur.

Deshalb warnt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale: „Obacht, wenn Vorkasse gefordert wird.“ Er rät, niemals eine Mietkaution zu leisten für eine Wohnung, die man nicht persönlich gesehen hat. Regulär wird eine Kaution erst mit Beginn des Mietverhältnisses fällig. Will ein Anbieter vorher Geld, ist Lasseks Rat eindeutig: „Finger weg von der Immobilie.“ Gleiches gilt, wenn für die Schlüsselübergabe Geld verlangt wird. Die Schlüssel sollen dann zum Beispiel in einem Tresor hinterlegt oder per Post geschickt werden. „Am Ende passt der Schlüssel nicht“, sagt Lassek. Bei diesem Trick wird auch oft ein Auslandsaufenthalt als Grund vorgegaukelt, warum die Schlüssel nur so übergeben werden können.

Gefakte Wohnungen

Dank Künstlicher Intelligenz (KI) genügen Betrügern ein paar Bilder und Beschreibungen anderer Immobilien, um eine neue zu kreieren. Oder sie mieten über Buchungsplattformen kurzzeitig Wohnungen an, veranstalten Besichtigungstermine, lassen Mietverträge unterschreiben, nehmen von jedem Bewerber Vorabkaution und Schlüsselgebühr – und tauchen ab.

Peter Lassek zufolge bieten Plattformen wie Airbnb, Booking.com und Tripadvisor keine Services zur Besichtigung von Mietwohnungen und damit zusammenhängende Vorauszahlungen an. Also läuft etwas falsch, wenn jemand aufgefordert wird, diese Dinge über eine solche Plattform abzuwickeln.

Eine andere Variante kennt Kriminalist Hans-Joachim Henschel aus eigenem Erleben: das Anbieten fremder, vermieteter Wohnungen. Ihm wurde die eigene Wohnung zur Miete offeriert – Monate nach seinem Einzug. Unbekannte hatten das Inserat seines Vermieters gekapert, um Interessenten mit der Kautionsmasche abzuzocken.

Falsche Bilder

Wenn Text und Fotos eine toll ausgestattete Wohnung suggerieren, preiswert und in bester Lage, ist Misstrauen angebracht. Mit Hilfe von Google Street View kann man die tatsächliche Lage der Wohnung herausfinden, wie Henschel sagt. Fotos lädt man in die Rückwärtssuche, um festzustellen, ob und wo sie noch verwendet werden. Innenaufnahmen liefern ebenfalls Hinweise: Sind Türen, Fenster, Fenstergriffe, Badausstattung hierzulande üblich? Wenn Pflanzen und Bäume zu sehen sind: Passen die zum heimischen Klima? Gibt es Widersprüche zwischen Bildern und Anzeigentext?

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