Sicher in den Urlaub

von Redaktion

Vor einer Reise sollte man sich Gedanken um den Versicherungsschutz machen. Die gute Nachricht: Sinnvoll sind die allerwenigsten Policen – und die sind nicht sonderlich teuer. © dpa

Ob Reise oder Flug – am Ende jeder Buchung erhalten die Verbraucher im Reisebüro oder Internet Vorschläge für Versicherungen. Welche sinnvoll sind und welche nicht: Hier ein Überblick.

■ Krankenversicherung fürs Ausland

Hier sind sich die Experten einig: „Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist in unseren Augen unverzichtbar“, sagt Julia Alice Böhne, Sprecherin beim Bund der Versicherten. Die Kosten, die durch eine schwere Erkrankung im Ausland entstehen können, gefährden den Lebensstandard und seien deshalb aus Sicht der Verbraucherschützer ein Risiko, das abgedeckt werden müsse.

„Der Kernpunkt bei der Auslandsreise-Krankenversicherung ist der Krankenrücktransport“, sagt Philipp Wolf, Referent Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Erfolge dieser von Südostasien aus, könnten in speziellen Krankenflugzeugen Kosten von 100.000 bis 200.000 Euro entstehen. Auch im europäischen Ausland ist der Rücktransport teuer. Wolf berichtet von einem Fall in Luxemburg. Der Rücktransport per Hubschrauber nach einem Fahrradunfall kostete rund 20.000 Euro.

■ Was die Police beinhalten sollte

Weitere wichtige Leistungen der Auslandsreise-Krankenversicherung sind der Kostenersatz für Arztbesuche, ärztlich verordnete Arznei-, Verbands- und Heilmittel sowie Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte, dabei besondere ärztliche Leistungen wie Operationen, Krankenhausleistungen, einschließlich Krankenpflege, Unterkunft und Verpflegung. Auch die Überführung im Todesfall oder die Bestattung im Ausland sind inbegriffen.

Wolf empfiehlt, bei der Auswahl des Anbieters auf den Webseiten von Stiftung Warentest, dem Bundesverband der unabhängigen Versicherungsberater oder bei den Verbraucherzentralen zu schauen. Testsieger im aktuellen Test von Stiftung Warentest (Mai 2026) sind die Versicherung ReiseMed Tarif RD Einzel sowie FamilyMed Tarif RDN der DKV, der Reise-Krankenschutz Tarif RD der Ergo Direkt, der Tarif JRV der HanseMerkur und TravelSecure-AR ohne Selbstbeteiligung von TravelSecure (Würzburger). Die Kosten liegen für Einzelpersonen um die 25 Euro pro Jahr, beginnen aber schon bei 13 Euro, für Familien bei 40 Euro.

■ Was die eigene Kasse leistet

Grundsätzlich erhalten gesetzlich Krankenversicherte europaweit alle medizinischen Leistungen kostenlos, die während der Reise notwendig werden und nicht bis zur Rückkehr ins Heimatland aufgeschoben werden können. „Das gilt sowohl für ambulante ärztliche Behandlungen in einer Praxis als auch für stationäre Behandlungen in einem Krankenhaus“, sagt Wolf. Ebenfalls übernommen werden die in der Apotheke erworbenen Medikamente. Wichtig zu wissen: Behandlungskosten, die die Krankenkassensätze des Reiselandes übersteigen, werden nicht übernommen. „Das bedeutet: Bei einer Erkrankung in Belgien zahlt die Krankenkasse nur so viel, wie für einen belgischen Patienten bezahlt würde.“ Liechtenstein, Island, Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich haben sich dem europäischen Krankenversicherungsschutz angeschlossen, einige Balkanstaaten bieten zumindest sogenannte Notfallleistungen.

Bei Privatpatienten gilt ein weitgehender weltweiter Versicherungsschutz. Es gibt aber Einschränkungen wie Krankheiten, bei denen schon vor der Reise klar war, dass sie behandelt werden müssen. „Auch für Privatversicherte raten wir zu einer separaten Auslandsreise-Krankenversicherung“, sagt Versicherungsexperte Böhne.

■ Reisehaftpflicht oft überflüssig

„Die vorhandene private Haftpflicht deckt alle Ansprüche ab, die jemand gegen den Versicherten haben kann“, sagt Wolf – ob es ein Schaden nach einer Karambolage sei, die man verursacht hat, weil man auf die Straße gelaufen ist, oder der Blumentopf, der vom Balkon gefallen ist und jemanden am Kopf getroffen habe. „Die private Haftpflicht sollte weltweite Geltung haben“, sagt er, das sollten die Versicherten überprüfen.

■ Reiserücktritt nur bei teurem Urlaub

Nur bei einer besonderen Konstellation halten die Experten eine Reiserücktritts- oder -abbruchversicherung für sinnvoll. „Das ist der Fall, wenn die Reisen sehr teuer waren“, sagt Wolf, „oder wenn man mit vielen Angehörigen und Kindern auf Reisen geht und die Krankheit von einem der Mitreisenden die ganze Reise gefährden würde.“ Der Versicherer zahlt dann die Reiserücktritts- oder Stornokosten, bei einem Reiseabbruch etwa Umbuchungskosten sowie nicht in Anspruch genommene Reiseleistungen. „Wenn Sie die Reise erst verspätet antreten, erstattet er Nachreisekosten, also zum Beispiel einen Ersatzflug“, sagt Wolf. Das tue er allerdings nur bis zur Höhe der Stornokosten, die anfallen würden, wenn die Reise gar nicht angetreten wird.

Die Kosten für diese Versicherungen hängen vom Reisepreis, dem Leistungsumfang und dem Alter des Versicherten ab. Mehrere hundert Euro sind keine Seltenheit. Weiterer Minuspunkt: Die Versicherer erkennen häufig die Gründe für den Reiserücktritt oder -abbruch nicht an. „Es gibt viele Fälle, in denen es Schwierigkeiten gibt“, sagt Böhne. Vor allem Krankheiten würden häufig nicht als „unerwartet“ anerkannt. Beide Experten raten dazu, gut abzuwägen, ob diese Versicherungen von Nutzen sind. „Wenn der Preis der Reise nicht zu hoch ist, würde ich darauf verzichten“, sagt Böhne.

■ Strenge Regeln für Gepäckversicherung

Reisegepäckversicherungen greifen nur, „wenn man den Koffer quasi die ganze Zeit zwischen den Beinen hat und nicht aus den Augen lässt“, sagt Böhne. Auch Wolf hält diese Versicherungen für zu kompliziert. Die Bedingungen seien zu eng, um sie zu erfüllen. Spezielle Reiseunfallversicherungen werden ebenfalls als nicht sinnvoll eingeschätzt.

■ Bei Auto Leistungen dazubuchen

Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, hat in der Kfz-Haftpflichtversicherung einen Schutz in ganz Europa. Wolf empfiehlt, die Versicherung hinsichtlich der Bedingungen zu prüfen und eventuell Zusatzleistungen hinzuzubuchen. „Die Mallorca-Police erhöht in Europa die oft niedrige Haftpflicht-Deckungssumme des Mietwagens auf dasselbe Niveau wie in Deutschland“, sagt er. Auch Mietwagenfirmen im Ausland bieten teilweise eine Erhöhung der Haftpflichtsummen an.

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