Sollte man jetzt Gold kaufen?

von Redaktion

Gold gibt es als Barren verschiedener Gewichte und als Münzen zu kaufen – aber auch als Wertpapiere. Beides hat seine Vorzüge. © Sven Hoppe, dpa

Viele Edelmetalle haben eine wahre Preisrallye hinter sich: Bis auf 4699 US-Dollar pro Feinunze ging der Goldpreis im Januar dieses Jahres hoch. Mit dem Goldpreis stieg auch Silber, das im Januar erstmals 97 Euro für die Feinunze erreichte. Daneben gibt es noch andere Rohstoffe, die möglicherweise mehr Stabilität versprechen als Anteile an Unternehmen oder Indizes, die Branchen abbilden. Wir haben Experten um ihre Empfehlungen gebeten.

■ Schutz fürs Vermögen

„Gold spielte einmal mehr seine Rolle als Stabilitätsanker“, sagt Maximilian Kleyboldt, Direktor der Bethmann Bank in Frankfurt am Main und Certified Financial Planner (CFP). Es sei ein Vermögensschutz, aber kein Renditetreiber. Sprich: Wer vor allem Gewinne erzielen möchte, findet in Gold nicht das richtige Mittel. Grundsätzlich sieht Kleyboldt Gold als Beimischung aber positiv. „Je nach Risikoneigung gehört es in einem Umfang von fünf bis zehn Prozent des Gesamtwerts in ein Portfolio“, sagt er.

Dem stimmt auch Thomas Kulp, Gold-Experte der DZ Bank in Frankfurt, zu. Im Moment habe Gold aus unterschiedlichen Gründen Gegenwind. „Mittel- bis langfristig erwarte ich aber wieder eine Aufwärtsbewegung“, sagt er. Bis Ende des Jahres rechnet er mit einem Goldpreis von 5000 Dollar pro Feinunze. Er stimmt Kleyboldt zu, dass fünf bis zehn Prozent Goldanteil im Portfolio „gesund“ seien. Kulp schränkt ein, dass diese Theorie auf der Goldentwicklung von vor Jahrzehnten beruhe. Heute sei ein Anteil von zehn Prozent oder mehr immer noch angemessen für ein „ausgewogenes Portfolio“.

Max Schmutzer, Finanzexperte bei der unabhängigen Stiftung Warentest, sieht Gold für einen kleinen Teil des Portfolios als „sinnvolle Anlagemöglichkeit“. Er ist aber zurückhaltend bei der Einschätzung, ob jetzt ein guter Zeitpunkt sei, in Gold einzusteigen oder nicht. „In den letzten Jahren folgten auf neue Höchststände aber weitere Kurssteigerungen“, sagt er.

■ Zwei Varianten

Physisches Gold: Grundsätzlich gibt es zwei Varianten für den Einstieg in Gold: den physischen Erwerb von Gold oder den Kauf in Wertpapierform, unter anderem von sogenannten Gold-ETCs. Physisches Gold gibt es als Anlagemünzen wie Krugerrand oder Maple Leaf. „Hierbei stellt sich die Frage, wie man das Gold lagert“, sagt Kleyboldt. Eventuell müssen Anleger dafür einen Safe anschaffen oder ein Schließfach bei einer Bank mieten.

Wertpapiere: Um die Frage der Lagerung zu umgehen, kann man Gold an der Börse in sogenannten Gold-ETCs erwerben. ETC steht für Exchange Traded Commodity – wörtlich: börsengehandelter Rohstoff. ETCs sind nicht mit ETFs (Exchange Traded Funds) zu verwechseln. Während der ETF ein Fonds ist, ist ein ETC eine Schuldverschreibung. Der Anleger leiht dem Emittenten des ETC sozusagen Geld. ETCs investieren in Gold, Silber oder andere Rohstoffe. Im Extremfall besteht daher auch das Risiko, dass der Emittent insolvent wird und der Anleger sein Geld verliert. Bei ETFs ist das Vermögen als sogenanntes Sondervermögen geschützt.

Für echtes Gold spricht nach Auffassung von Schmutzer die Absicherung im Fall eines Systemcrashs, also einem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Banken nicht mehr erreichbar sind oder Börsen nicht mehr funktionieren. „Auch beim Verkauf von Goldmünzen gibt es unserer Erfahrung nach Tücken“, sagt er. Für Gold-Wertpapiere wie ETC spreche, dass sie jederzeit zu transparenten Kursen gekauft und verkauft werden könnten und man sich nicht um die sichere Aufbewahrung kümmern müsse.

■ Die Steuerfrage

Kleyboldt rät als Senior Wealth Planner, bei ETCs darauf zu achten, dass das Gold physisch hinterlegt ist und zusätzlich ein Auslieferungsanspruch hierauf besteht. Zum einen gibt dies Sicherheit, zum anderen ist es steuerlich relevant. Gewinne gelten in diesem Fall gesetzlich als privates Veräußerungsgeschäft. Das bedeutet, dass der Verkauf des ETCs – wie auch bei physischem Gold – nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei ist.

Handelt es sich hingegen um einen Gold-ETF oder -ETC, der nicht physisch hinterlegt ist und für den kein Auslieferungsanspruch besteht, wird dieser steuerlich behandelt wie andere Kapitalanlagen. Auf Gewinne wird Abgeltungsteuer erhoben. Es werden pauschal 25 Prozent auf die Gewinne fällig, plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Ein-Jahres-Frist entfällt.

■ Alternative Silber

Das zweite bekannte Edelmetall, Silber, unterliegt anderen Regeln als Gold. „Silber ist volatiler und industrieorientiert, weil es in der Industrie gebraucht wird“, sagt Kleyboldt. Silber legte parallel zu Gold im Frühjahr ebenfalls eine Rallye hin. Für Kulp hatte der Anstieg mit der starken Nachfrage nach Silber als Rohstoff für Solarpanels zu tun. „Ein Großteil davon war spekulativer Natur“, sagt er. Spekulanten und Hedgefonds hätten Silber gekauft. Silber wird zu zwei Dritteln in der Industrie verwendet. „Wenn es um eine langfristige Anlage geht, sollte man auf Entwicklungen in der Realwirtschaft achten“, sagt Kulp. Als „sicherer Hafen“ eigne sich Silber nicht.

„Die Wertschwankungen bei Silber sind deutlich stärker als bei Gold. Es ist nicht so eine etablierte Krisenwährung wie Gold“, sagt auch Schmutzer. Bei Gold sorgten große Investoren wie Zentralbanken für eine größere Stabilität. Eine Investition kann genau wie Gold als Münzen und Barren erfolgen. Silber kann auch in Form von Silber-ETCs gekauft werden.

■ Andere Rohstoffe

„Wenn man in Rohstoffe investieren möchte, sollte man ETFs wählen, die die Preisentwicklung von Energie, Industrie- und Edelmetallen und wahlweise auch Agrarrohstoffen abbilden“, sagt Schmutzer. Auch sie eignen sich seiner Auffassung nach als kleine Beimischung zu einem Depot aus Aktien- und Zinsanlagen. Der Depotwert schwanke dann etwas weniger. „In der Vergangenheit hat man dadurch aber Renditechancen vergeben, und eine Investition in den weltweiten Aktienmarkt wäre aus dieser Sicht vorteilhafter gewesen“, so Schmutzer. Vorsicht sei bei der Werbung für Direktinvestitionen in bestimmte Metalle geboten. „Da gibt es oft Probleme, wenn die Geldanlage dann verkauft werden soll“, sagt er.

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