Wer in den letzten Wochen der vielen, sich teils binnen Stunden widersprechenden Wasserstandsmeldungen zum IranKrieg aus Washington überdrüssig geworden ist und sich stattdessen konstruktiv dem strukturellen Wachstumsthema Künstliche Intelligenz gewidmet hat, ist damit nicht schlecht gefahren.
Eindrucksvollster Beleg für den weiteren KI-Siegeszug an der Börse dürfte das Plus von rund 70 Prozent sein, das der Halbleiterindex Philadelphia Semiconductor Index allein seit Anfang April hingelegt hat. Er weist sieben Werte auf, die sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt haben, und drei Werte, die sich sogar mehr als verdreifacht haben. Dabei handelt es sich keineswegs um kleine Nebenwerte, sondern um wahre Dickschiffe des Sektors. Die Bewertung, gemessen als Multiplikator der Gewinne, hat sich dabei noch nicht einmal drastisch erhöht, da die Firmen ihre Gewinne ebenfalls teils verdreifachen konnten, mit Aussicht auf eine zumindest kurz- bis mittelfristige Fortsetzung dieses Trends. Denn der Nachfrageüberhang ist so hoch und der Vorlauf für eine Kapazitätserweiterung so lang, dass die Anbieter, vor allem von Speicherchips, ihren Kunden die Preise derzeit beinahe diktieren können.
Die erfahrenen Marktteilnehmer erinnern sich daran, wie zyklisch dieser Sektor sein kann, und wie schnell sich die Angebots-Nachfrage-Balance wieder drehen kann.
Wem dieser Sektor also zu heiß gelaufen scheint und wer trotzdem im Umfeld des aktuellen KI-Booms an der Börse nicht nur zuschauen möchte, der könnte sich den traditionell defensiven und für schwächere Nerven besser geeigneten Versorgersektor anschauen.
Nach einer Phase relativer Schwäche an der Börse rückt er nun wieder stärker in den Fokus. Die Bewertungen haben sich spürbar entspannt und eröffnen aus unserer Sicht selektiv wieder attraktivere Einstiegspunkte. Gleichzeitig sorgt der steigende Energiebedarf durch KI, Rechenzentren und Elektrifizierung für strukturellen Rückenwind. Verlässliche Energieversorgung wird zunehmend zum Engpassfaktor – und damit zum Wachstumstreiber für den Sektor. In einem Umfeld stabilerer Zinsen gewinnen zudem planbare Einnahmen und Dividenden an Bedeutung. Versorger vereinen damit relative Stabilität und strukturelles Wachstum – eine Kombination, die aktuell besonders gefragt ist.
Insbesondere, wenn die Nerven selbst der KI-Enthusiasten in den kommenden Wochen stark beansprucht werden könnten. Denn die Mega-Börsengänge der KI-Größen Anthropic und OpenAI sowie SpaceX, die zusammen rund 200 Milliarden Dollar platzieren wollen, dürften Geduld und Kassen der Anleger gleichermaßen strapazieren. Ganz abgesehen von den weiterhin anhaltenden Spannungen rund um den Iran-Krieg.