St. Petersburg/München – Russlands Präsident Wladimir Putin bietet eine Wiederaufnahme der Öl- und Gaslieferungen unter anderem nach Deutschland an. „Gazprom ist dazu bereit“, sagte Putin bei einer großen Wirtschaftskonferenz in St. Petersburg über den Staatskonzern. Es gebe weiter gültige Verträge; die Lieferungen könnten sofort erfolgen durch die letzte noch intakte „Nord Stream“-Gasleitung. Drei der insgesamt vier Stränge der Ostseepipelines waren seit einer Sprengung durch Saboteure massiv beschädigt worden. Putin verband das mit scharfer Kritik am Westen. Europas Eliten versuchten, Chaos zu stiften.
Im fünften Kriegsjahr sieht sich Russland mit einem Wachstumseinbruch und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. „Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit verhalten“, räumte Putin ein. Russland sei nun „auf das gleiche Niveau gesunken“, auf dem sich die Länder in der Eurozone seit mehreren Jahren befänden. Er sagte, dass sein Land seinen Partnerkreis erweitere. Putin verwies insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Ländern im globalen Süden.
Für Wirbel sorgte die Anreise mehrerer AfD-Abgeordneter, die in St. Petersburg an Podien teilnahmen. Die CDU rügte das als „politischen Kniefall vor einem Kriegsverbrecher“, auch das Außenministerium übte scharfe Kritik; die meisten Spitzenpolitiker meiden das Forum spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine. Der Münchner AfD-Abgeordnete Petr Bystron indes sagte, er wolle, „dass Siemens und BMW wieder in vollem Umfang in Russland“ arbeiten könnten. Die Sanktionen seien „völlig dumm und selbstzerstörerisch“.
Überschattet wurde die Konferenz seit Mittwoch von ukrainischen Drohnenangriffen auf ein Öldepot in St. Petersburg. Die Rauchsäule war in der ehemaligen Zarenmetropole weithin zu sehen.AFP/CD