BÖRSENWOCHE

Die US-Notenbank wird intransparent

von Redaktion

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh (l.) wurde von US-Präsident Donald Trump angeheuert, um die Zinsen zu senken. Bei der Geldpolitik will er sich von der Öffentlichkeit nicht in die Karten schauen lassen. © IMAGO/AdMedia

Im Vorfeld der Unterzeichnung des Absichtsabkommens zwischen den USA und Iran zur Beilegung ihrer militärischen Auseinandersetzung und der Öffnung der Straße von Hormus sind die Ölpreise deutlich gefallen und die Kurse für Aktien gestiegen. Doch die Verzögerungen zum Beginn des finalen Abkommens und die Gefechte im Libanon zeigen, dass die Situation in der Region fragil bleibt und die US-Intervention keines der unterliegenden Probleme in der Region gelöst hat. Eine erneute Eskalation ist daher nicht auszuschließen. Dennoch rechnen wir angesichts der nahenden physischen Engpässe an Rohstoffen und dem daraus resultierenden Schaden für die Weltwirtschaft bei einer anhaltenden Schließung der Straße von Hormus nicht mit einer erneuten längeren Eskalation.

Doch auch in unserem Szenario einer dauerhaft offenen Straße von Hormus ist mit einem moderaten Anstieg der Ölpreise zu rechnen, da die Wiederaufnahme der Logistik nicht reibungslos verlaufen dürfte und der in Aussicht gestellte Wegfall der Sanktionen für iranische Ölexporte aufgrund mangelnder Förderkapazitäten erst in den kommenden Jahren wirksam werden dürfte. Die Phase hoher Energiepreise ist dennoch vorbei und wird sich schon in den Juni-Inflationszahlen auf beiden Seiten des Atlantiks mit sinkenden Raten bemerkbar machen.

Die jüngsten Entwicklungen unterstützen unsere Meinung, dass die EZB nach der gerechtfertigten Zinsanhebung im Juni keine weiteren Erhöhungen durchführen wird. Auch dürfte in diesem Umfeld die US-Notenbank Fed, entgegen der Überlegungen der Hälfte der Ratsmitglieder, bis zum Jahresende keine Straffung der Zinsen vornehmen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat in seiner ersten Pressekonferenz klargemacht, dass er die Inflationsbekämpfung als wichtigste Aufgabe der Fed ansieht. Mit der Einschätzung, dass er das jetzige Zinsniveau zumindest für den Immobiliensektor als restriktiv ansieht, scheint der von Trump mit dem Ziel, die Zinsen zu senken, angeheuerte Warsh keine Notwendigkeit zu sehen, die Zinsen anzuheben. Ansonsten vermied er jeglichen Einblick in seine Vorlieben bei der künftigen Zinsgestaltung. In fünf Task-Forces sollen Kommunikation, Fed-Bilanz, Datenquellen, Produktivität und Arbeitsmarkt und das Inflations-Framework bis zum Jahresende überprüft werden. Dies dürfte dazu führen, dass die Politik der wichtigsten Notenbank der Welt intransparenter wird.

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