Alan Greenspan (Archivfoto aus 2005) war 19 Jahre lang Chef der US-Notenbank. 2006 ging er mit 79 Jahren in Rente. © Epa Kleponis/dpa
Washington – Der langjährige Chef der US-Zentralbank Federal Reserve, Alan Greenspan, ist tot. Er starb im Alter von 100 Jahren an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung, wie seine Ehefrau Andrea Mitchell am Montag dem US-Sender NBC News mitteilte. Greenspan war 19 Jahre lang, von 1987 bis 2006, Vorsitzender der Fed.
■ Seine Bewunderer nannten ihn „Magier“
In Greenspans Amtszeit erlebten die Vereinigten Staaten eine ihrer längsten Boom-Phasen, Bewunderer verehrten ihn als „Magier“. Seine Äußerungen hatten so viel Gewicht, dass sie die globalen Finanzmärkte durcheinanderwirbeln konnten. So löste er Ende 1996, als er in einer Rede den Märkten wegen der hohen Aktienkurse eine „irrationale Überschwänglichkeit“ bescheinigte, einen weltweiten Ausverkauf an den Börsen aus.
Gleich zwei Monate nach seinem Amtsantritt meisterte der gebürtige New Yorker, den US-Präsident Ronald Reagan an die Fed-Spitze geholt hatte, seine erste große Bewährungsprobe, den „Schwarzen Montag“ am 19. Oktober 1987: Nach dem Börsencrash beruhigte Notenbankchef Greenspan die Märkte, indem er frisches Geld in das Finanzsystem pumpte.
■ Er vertraute auf die Vernunft der Märkte
Immer wieder reagierte Greenspan mit dieser Methode auf eine drohende Panik an den Börsen. Mit seiner lockeren Geldpolitik entfachte er nach der Rezession der frühen 90er-Jahre einen lang anhaltenden Konjunkturboom und widerlegte die Befürchtung vieler Ökonomen, dass zu schnelles Wachstum zu Inflation führe. Von staatlicher Regulierung der Märkte hielt er wenig. Stattdessen vertraute er darauf, dass den Finanzmärkten eine instinktive Vernunft innewohne, die sie vor Fehlentwicklungen schütze.
■ 2008 platzte die Blase aus billigem Geld
Die Ära Greenspan bei der Fed endete im Januar 2006. Der neue Notenbankchef Ben Bernanke musste dann schmerzlich erleben, dass die scheinbar magische Zinspolitik seines Vorgängers nicht ohne Nebenwirkungen war. Das billige Geld hatte eine gefährliche Blase auf dem Immobilienmarkt ausgelöst. 2008 stand das globale Finanzsystem am Rande des Kollapses und die Weltwirtschaft rauschte in eine tiefe Rezession. DPA