DIE BÖRSENWOCHE

Anleger müssen genau hinschauen

von Redaktion

Zum Wochenende ging es sowohl in New York (Foto) als auch am deutschen Aktienmarkt abwärts. © Michael M. Santiago/AFP

Die gerade erst wenige Tage an der Börse gehandelten Aktien von SpaceX verloren nach einem anfänglichen Höhenflug rund 25 Prozent an Wert. Der maßgeblich von wenigen Technologieaktien geprägte koreanische Aktienindex Kospi hatte zuletzt Kurssprünge zwischen 5 und 10 Prozent am Tag zu verzeichnen – in beide Richtungen. Auch in anderen Sektoren waren erhebliche Kursbewegungen bei einzelnen Titeln zu verzeichnen. Während Rheinmetall innerhalb eines Tages knapp 20 Prozent an Kurswert einbüßte, stiegen die Aktien von Bayer tags darauf in vergleichbarer Größenordnung an.

Was auf den ersten Blick nach kaum nachvollziehbaren Kurskapriolen aussieht, kann auch als sehr differenzierte Vorgehensweise von Anlegern interpretiert werden. Es wird nicht einfach alles gekauft, etwa in der Annahme, dass Künstliche Intelligenz künftig jedes Geschäftsmodell beflügeln könnte oder weil eine konkrete Lösung im Streit zwischen den USA und dem Iran und damit für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erhofft wird. Im Gegenteil sind die Hintergründe der beschriebenen Kursbewegungen auf jeweils individuelle Parameter und Erwartungen an die einzelnen Unternehmen zurückzuführen.

Fundamental verändert hat sich in den letzten Monaten die Situation der großen US-Tech-Unternehmen. Viele haben in den letzten rund 20 Jahren mit ihren angestammten Geschäftsmodellen sehr viel Geld verdient und gehortet sowie hohe Dividenden und Aktienrückkäufe finanziert. Heute wird massiv in deren Zukunftsfähigkeit investiert. Dabei spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle. Aufgebaut werden Datencenter und Energieversorgung, für die Chips, Rohstoffe, Baumaterialien und Kapazitäten klassischer Industrien benötigt werden. Um die Ausgaben zu finanzieren, reichen der hohe Cashflow und die Kapitalreserven der vergangenen Jahre längst nicht mehr aus. Vielmehr sammeln die Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien bzw. durch erstmalige Börsengänge neues Eigenkapital ein und verschulden sich durch die Emission von Anleihen mit Fremdkapital. Es wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, welche Unternehmen in der Lage sein werden, die enormen Investitionen von heute in ausreichend Gewinne von morgen umzuwandeln. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in diesem Zuge in einigen Fällen zu Abschreibungsbedarf oder dem Verkauf bereits aufgebauter Infrastruktur und damit Kurskorrekturen kommen. Profitieren können davon aber Wettbewerber, sodass beim Aktienkauf weiterhin stark differenziert werden muss.

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