Viele Verbraucher legen inzwischen Wert darauf, Strom aus Erneuerbarer Energie zu beziehen, zum Beispiel aus Sonne und Wind. Doch auch hier muss man vor Vertragsabschluss genau hinschauen. © Daniel Reinhardt/dpa/picture alliance/dpa
Rund 40,55 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh) hat der Strompreis und 12,23 ct/kWh der Gaspreis für Haushalte in Deutschland laut dem Statistischem Bundesamt im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich betragen. Wer bei Vergleichsportalen nachschaut, findet jedoch deutlich günstigere Angebote – sogar weit unter 30 ct/kWh für Strom und unter 10 ct/kWh für Gas. Zeit für einen Wechsel – was man dabei wissen muss.
Der Markt der Strom- und Gasanbieter ist inzwischen enorm groß. Das Vergleichsportal Verivox geht von mehr als 2000 Strom- und Gaslieferanten in Deutschland aus. Nach Angaben von Verivox sind Ersparnisse von rund 1410 Euro pro Jahr für einen Vierpersonenhaushalt bei Strom und Gas gegenüber der Grundversorgung möglich, wenn ein günstiger Tarif mit Bonus gewählt wird. Experten erklären, worauf beim Wechsel zu achten ist.
■ Eigenen Vertrag prüfen
Bevor es an den Wechsel geht, muss der eigene Vertrag geprüft werden. „Wie sind die Laufzeiten und Kündigungsfristen? Wie sehen mein Verbrauch und mein Preis aus?“, sagt Max Müller, Referent Energierecht im Fachbereich Energie, Klima, Bauen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Die Laufzeit von neueren Verträgen beträgt höchstens zwei Jahre. Danach kommt der Verbraucher jederzeit aus seinem Vertrag raus. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt nur noch einen Monat. „Verträge, die vor 2022 geschlossen wurden, verlängern sich dagegen häufig immer wieder um ein Jahr. Da muss man die Fristen beachten.“ Bei einer Preiserhöhung gibt es ein Sonderkündigungsrecht. Dieses erlaubt den Wechsel zum Zeitpunkt der Erhöhung.
Beim Gasanbieterwechsel ist zu beachten, dass Mieter einen solchen oft gar nicht selbst vornehmen können. „Es geht nur, wenn sie einen eigenen Gaszähler haben“, sagt Lundquist Neubauer von Verivox. Sonst ist der Vermieter zuständig. „Mieter können diesen aber durchaus anstoßen, wenn sie feststellen, dass der Vertrag nicht mehr aktuellen Konditionen entspricht“, rät Müller.
■ Tipps zu Portalen
Um einen neuen Anbieter für Strom oder Gas zu finden, rät Müller zum Blick in Vergleichsportale wie Verivox, Check24, Finanztip oder Stromsparen24. Allerdings sollte der Verbraucher nicht alle Voreinstellungen der Portale übernehmen. Müller rät dazu, bei der Recherche zunächst auf einen Bonus zu verzichten, denn diese Einstellung wirke sich negativ auf die Vergleichbarkeit der Preise aus.
Neubauer weist darauf hin, dass Boni für solche Kunden interessant sind, die regelmäßig wechseln. „Der Bonus fällt nach einem Jahr weg, und der Vertrag wird dann teurer“, sagt er. Ein erneuter Wechsel – eventuell wieder mit Bonus – sei dann sinnvoll.
Wer eine Preisgarantie wählt, sichert sich feste Beschaffungskosten. „Wenn sich etwas am Markt tut, gehen diese schon mal durch die Decke“, sagt Müller. „In unsicheren Zeiten wie unseren kann eine Preisgarantie vorteilhaft sein“, sagt er. Dennoch sollte die Suche zunächst ohne Preisgarantie durchgeführt werden. Sie kann später ergänzt werden, wodurch auch der Preisunterschied deutlich werde. Lundquist rät dazu, auf jeden Fall einen Tarif mit Preisgarantie zu wählen. „Der schützt die Verbraucher vor unerwarteten Preiserhöhungen“, sagt er.
Müller empfiehlt zudem, bei der Tarifsuche den Filter „Kundenbewertungen“ auszuschalten. „Selbst Anbieter, die Beschwerden verursacht haben, hatten bei Kundenbewertungen gute Quoten“, gibt er zu bedenken. Ein weiterer Tipp von ihm: „direkte Wechselmöglichkeiten ausschalten“. Hierbei wird der Wechsel über das Vergleichsportal angeboten. „Bei dieser Option schränkt man das Suchergebnis unnötig ein“, sagt Müller.
■ Grüne Energie
Ökostrom ist inzwischen bei den Verbrauchern sehr beliebt. Neubauer erklärt, dass es verschiedene Kategorien gibt. „Zum einen handelt es sich um Anbieter, die nur durch den Zukauf von Zertifikaten ihren Strom als Ökostrom anbieten.“ Das bedeutet, der Strom stammt aus herkömmlichen Quellen und wird durch einen komplizierten, aber legalen Handel mit Zertifikaten zum Beispiel von skandinavischen Kraftwerken als Ökostrom gekennzeichnet. Andere Anbieter verpflichten sich, aktiv Geld in den Ausbau Erneuerbarer Energien und moderner Netze zu investieren. Sie sind an Siegeln wie dem „ok-power-Siegel“ oder dem „Grüner Strom-Label“ zu erkennen.
■ Anbieter auswählen
Müller rät dazu, die eigene Recherche zu dokumentieren. Mit Screenshots (Bildschirmaufnahmen) könnten die angebotenen Konditionen auf dem Computer gesichert werden. Er rät zu einer Prüfung der Anbieter, die in der engeren Auswahl sind. „Auf den Seiten der Verbraucherzentralen finden Interessierte eine Datenbank mit Urteilen zum Verbraucherrecht und Meldungen zu Beschwerden oder laufenden Verfahren“, sagt er. Auch ein Anruf bei der Verbraucherzentrale sei möglich, um sich über verbraucherfreundliche Vertragsbedingungen und einen passenden Tarif zu erkundigen.
■ Wechseldienstleister
Seit Kurzem gibt es Unternehmen, die den Verbrauchern die Aufgabe des Wechselns abnehmen möchten. „Wer diesen Komfort wählt, muss aber meist Abstriche bei der Ersparnis machen“, sagt Müller. „Wechselservices werden vor allem von Menschen genutzt, die sich um den Anbieterwechsel nicht selbst kümmern möchten“, sagt Neubauer. Beide Experten halten den Aufwand, den so ein Wechsel verursacht, für nicht allzu groß, sodass ein Dienstleister nicht unbedingt notwendig sei.