Produkte mit Oeko-tex Standard 100 sind auf über 1000 Schadstoffe getestet und „unbedenklich für die menschliche Gesundheit“.
Verbote und Grenzwerte für Schadstoffe. Standards für Arbeiter und Umwelt.
Vorgaben für Schadstoffe, Umweltschutz und Arbeitsbedingungen.
Im Labor lassen sich in billigen Kleidungsstücken häufig starke Schadstoffbelastungen feststellen. © Sina Schuldt/dpa
Produkte von Online-Billighändlern halten Sicherheitsbestimmungen nicht immer ein. Bei den aktuellen Labor-Untersuchungen durch das Bremer Umweltinstitut im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden bei Shein-Produkten teils erhebliche Überschreitungen von Grenzwerten festgestellt. „Wir haben in den Produkten eine Vielzahl von verschiedenen Chemikalien gefunden, von den Schwermetallen über die Weichmacher, über einige PFAS“, erklärt Ulrike Siemers, Co-Geschäftsführerin des Umweltinstituts. „Das ist ein bunter Cocktail an Chemikalien, auch welche, die eben vielleicht nicht unbedingt reglementiert sind, aber trotzdem auch ein gesundheitsgefährdendes Potenzial aufweisen können.“
■ Ewigkeitschemikalie in Kinderjacken
So wurde in einer getesteten Kinderjacke ein Grenzwert für eine Chemikalie aus der PFAS-Gruppe um mehr als das 1100-Fache überschritten, in einer für Teenager angebotenen Jacke sogar um mehr als das 12.000-Fache. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffe werden eingesetzt, um unter anderem Kleidung wasser-, fett- und schmutzabweisend zu machen. Als sogenannte Ewigkeitschemikalien reichern sich PFAS in Mensch und Umwelt an. Manche können laut Umweltbundesamt Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem haben, manche stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
In einem Paar Damen-Schnürstiefel wiederum wurde eine Konzentration von 179.000 Milligramm pro Kilogramm des Weichmachers DEHP gefunden. Erlaubt wären allenfalls Werte von unter 1000 Milligramm. Die Stiefel enthalten also das 179-Fache des zugelassenen Wertes.
■ Shein will sein Sortiment prüfen
„Wir nehmen die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst“, erklärte Shein auf dpa-Anfrage. Man prüfe den Sachverhalt nun. „Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, nehmen wir die betroffenen Produkte, entsprechend unseren Produktsicherheitsrichtlinien weltweit aus dem Angebot. Gleichzeitig führen wir eine unsere gesamte Seite umspannende Prüfung vergleichbarer Produkte durch.“
Nicht nur Shein fällt bei Tests negativ auf, auch andere Online-Plattformen wie Temu. Die EU-Kommission brummte Temu zuletzt eine Strafe in Höhe von 200 Millionen Euro auf, unter anderem wegen Sicherheitsbedenken bei Ladegeräten und zu viel Chemikalien in Kinderspielzeug.
■ So vermeidet man Schadstoffe
■ Siegel können beim Einkauf helfen
Beim Einkaufen kann es helfen, auf Siegel zu achten. Auch wenn diese den Schwerpunkt nicht auf Schadstoffbelastung legen, spricht ein anerkanntes Siegel doch für eine gewisse Qualität. Alle potenziellen Schadstoffe aufzuspüren, ist ohnehin kaum möglich, da in der Textilindustrie unzählige Hilfs- und Farbstoffe verwendet werden, die nicht alle von den Behörden erfasst werden können. Generell ist das Risiko bei Ware, die aus dem außereuropäischen Ausland kommt, größer als bei Kleidung aus der EU, wo es meist strengere Richtlinien und Grenzwerte gibt. Ein großes Problem bei Textilien sind auch die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die einige der Siegel zum Hauptkriterium machen. Hier eine Auswahl: