Bonn – Die Aktionäre der Deutschen Telekom haben einige harte Tage hinter sich: Am Montag stürzten die Papiere des Mobilfunk-Riesen teilweise um über 7 Prozent ab, am Dienstag ging es noch mal mehr als vier Prozent bergab. Erst am Mittwoch setzte eine leichte Gegenbewegung ein.
Grund sind sich verhärtende Gerüchte über einen Zusammenschluss mit T-Mobile US: Laut „Handelsblatt“ haben erstmals Telekom-Kenner bestätigt, dass Konzern-Chef Tim Höttges ein Team an Fusionsplänen arbeiten lässt. Der Grund für die verstärkten Bemühungen ist demnach der Börsengang von Elon Musks Satelliten-Firma SpaceX. Denn der reichste Mann der Welt erwägt, in den Massenmarkt für Mobilfunk einzusteigen.
Die Konzerntochter Starlink sei ein „potenzieller Mega-Konkurrent im Mobilfunkgeschäft“, berichtet das Portal „Golem“. Bisher wird das Satelliteninternet der SpaceX-Tochter vor allem in abgelegenen Regionen, Flugzeugen und Zügen genutzt. Ein prominenter Nutzer: Die Streitkräfte der Ukraine, denen Elon Musk im Streit schon mit der Abstellung des Internets drohte.
Doch noch ist der US-Massenmarkt fest in der Hand von klassischen Anbietern wie T-Mobile und Verizon. Sie haben die Funkmasten, die Glasfaserkabel und vor allem die Mobilfunkfrequenzen. Musk müsste entweder Kapazitäten mieten oder einen Anbieter kaufen.
Genau das scheint in Bonn für Kopfzerbrechen zu sorgen. Denn der ehemalige Staatskonzern ist gar nicht mehr so deutsch: Zwei Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftet die Telekom inzwischen über ihre 52-Prozent-Beteiligung an T-Mobile. Sie macht einen wesentlichen Teil des Werts der T-Aktie aus. Beide Konzerne sind in ihrem Revier Riesen: Die Telekom kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 120 Milliarden Euro, T-Mobile ist 200 Milliarden Dollar schwer.
Doch beides ist kein Vergleich zu SpaceX: Beim Börsengang im Juni wurde der Musk-Konzern mit zwei Billionen Dollar bewertet. „Elon Musk macht uns Sorgen“, zitiert das „Handelsblatt“ einen ungenannten Telekom-Manager. Der Bonner Konzern selbst wollte sich nicht öffentlich äußern.
Aus den Berichten lässt sich schließen, dass Tim Höttges mehr Kampfgewicht will: Telekom und T-Mobile sollen zu einer gemeinsamen Holding zusammenwachsen. Doch der Schritt gilt bei den Aktionären als unbeliebt: Die Synergien wären klein, der fusionierte Konzern möglicherweise weniger wert, als beide Einheiten zusammen. Gleichwohl gibt es Optimisten: Börsenanalysten. Kaum eine Aktie hat derzeit so viele „Kaufen“-Empfehlungen wie die Deutsche Telekom. Während die Papiere gestern Mittag für rund 24 Euro gehandelt wurden, haben die Profis Kursziele wie 37 Euro (BNP Paribas), 39 Euro (DZ Bank) und 42 Euro (Deutsche Bank). Letzteres entspräche einem Kursplus von rund 75 Prozent.
Aktuell ist unklar, wie es weitergeht. Noch hat Musk keine konkreten Pläne für einen Angriff auf das Mobilfunkgeschäft gemeldet. Und er müsste es schaffen, den Börsenwert von SpaceX in Barmittel oder T-Mobile-Aktien zu tauschen. Beides ist nicht garantiert.