Vermeintliches Wundergerät flutet das Netz

von Redaktion

Lukas W. soll die Wunderanlage entwickelt haben. Leider ist er frei erfunden. © Screenshot von coolizi.com

Aktuell wird das Netz von Werbeanzeigen für vermeintliche Wundergeräte geflutet. Eines davon: der Coolizi Coolzy. Erfunden wurde die Anlage laut Website vom deutschen Ingenieur Lukas W. Denn dieser hatte genug von seinem Job in einem Großkonzern, der den Menschen Klimaanlagen „künstlich teuer“ verkauft.

Stattdessen übernahm den W. Betrieb seines Vaters und erfand den Coolizi Coolzy. Das Gerät soll mittels „Nano-Wabenfilter“ der Luft „die Wärmeenergie auf molekularer Ebene“ entziehen und sie „sofort in einen kristallklaren, angenehm trockenen und eiskalten Luftstrom“ verwandeln. Ganz ohne Außenkontakt, nur mit der Leistung einer 45-Watt-Glühbirne. Das Kondenswasser verdunstet einfach im Gerät – kein Schlauch nötig. Lukas W. habe mit seiner Erfindung nicht nur die Firma seines – inzwischen tragischerweise verstorbenen – Vaters gerettet, sondern auch 13 lokale Arbeitsplätze. Denn Lukas W. will keine minderwertige Ware aus dem Ausland verkaufen.

Leider ist das alles blühender Unsinn. Im Kleingedruckten gestehen die Betreiber selbst: Der Ingenieur ist ein KI-generiertes „Modell“, also frei erfunden. Und solange Wärme oder Feuchtigkeit nicht nach draußen transportiert werden, ist eine dauerhafte Raumkühlung (bis zu 120 Quadratmeter, so die Werbung) physikalisch unmöglich. Fachleute sprechen vom Energieerhaltungssatz.

Der Coolizi Coolzy ist ein Wundergerät von vielen, der Preis liegt meist zwischen 69 und 150 Euro. Christopher Kunz ist Investigativredakteur bei heise online und hat sich ähnliche Angebote angeschaut: „Die Anzeigen tauchen bei Google, Youtube und großen Medienhäusern auf“, so der Journalist. Er selbst hat drei Firmen identifiziert, die bei Werbevermarktern günstige Restplätze buchen. Der Inhalt wird dann automatisiert ausgespielt. Dahinter sind dutzende Websites und Videos verlinkt, die das Gerät anpreisen. Alle augenscheinlich KI-generiert, dafür in mehreren Sprachen.

Meist bekomme man die Ware zwar geliefert, aber nicht die versprochene Kühlung: „Das ist dann oft ein schwacher Ventilator, der über Lamellen etwas Wasser verdunsten lässt – und auf gar keinen Fall 69 Euro wert“, so Kunz. Wer unzufrieden sei, müsse die Ware zurück nach China schicken. Auch die Zahlung sei fragwürdig: „Man kann nicht direkt bei Paypal bezahlen, sondern muss ein Abo abschließen. Da wird aber der endgültige Verkaufspreis nicht angegeben. Am Schluss hatte ich zusätzlich Versandkosten und eine Garantieverlängerung auf der Rechnung.“MAS

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