Carsharing lohnt sich besonders für kurze Fahrten. Vielnutzer können allerdings vom Kauf profitieren. © TITOVA ILONA/Imago
Der große Preisschock beim Benzin ist erst einmal vorbei. Wenngleich am 1. Juli noch ein kleiner hinterherkam. Der staatliche Tankrabatt lief aus, und sofort sprangen die Preise wieder in die Höhe. So oder so machen sich manche Autofahrenden mittlerweile Gedanken: Gibt es Alternativen zum teuren Privatwagen? Eine Variante ist Carsharing.
Ein eigenes Auto ist oft eine ziemlich kostspielige Angelegenheit. Schon kleine Modelle wie beispielsweise der Opel Corsa können nach Berechnungen des ADAC fast 700 Euro monatlich kosten – bei ehrlicher Kalkulation, die etwa den Neuanschaffungspreis und den Wertverlust einbezieht. Dabei ist der Benzinpreis nur ein Faktor. Steigt dieser aber deutlich, mag das ein Anstoß zum Nachdenken sein.
■ So geht Carsharing
Das Grundprinzip des Auto-Teilens sieht so aus: Man beschließt, das eigene Fahrzeug abzuschaffen. Stattdessen leiht man sich einen Wagen nur für notwendige Fahrten kurzfristig aus. Spontane Entscheidungen sind möglich, weil Buchung, Bezahlung und Formalitäten in der Regel über Smartphone-Apps laufen. Mit deren Hilfe sind die Pkw auch zu finden, die die Nutzer nach Ende ihrer Fahrten irgendwo im Stadtgebiet abstellen dürfen. Wobei Stadtrandgebiete mitunter ausgeschlossen sind. Manche Anbieter arbeiten allerdings auch mit festen Stationen. In jedem Fall erfordert Carsharing eine größere Flexibilität, denn es mag vorkommen, dass gerade kein passendes Fahrzeug in der Nähe vorhanden ist.
■ Die Unternehmen
Ein großer Carsharing-Anbieter ist Miles Mobility. Die kleinen und großen Pkw sowie Transporter stehen in Städten wie Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und München zur Verfügung. Das vergleichbare Free2move des Autokonzerns Stellantis, versorgt hierzulande Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Weitere Anbieter sind Sixt Share, Flinkster der Deutschen Bahn mit seiner Konzentration auf Bahnhöfe, Stadtmobil oder Cambio.
■ Kosten im Vergleich
Ein Rechenbeispiel: Eine Person besitzt ein älteres, abgeschriebenes privates Auto, das sie nur ab und zu braucht, um Dinge zu transportieren, bei schlechtem Wetter ins Kino zu fahren oder Freunde am anderen Ende der Stadt zu besuchen. Alles in allem kostet das Fahrzeug 300 Euro monatlich einschließlich Benzin. Im Vergleich dazu kann sich die Rechnung für ein Carsharing-Fahrzeug so darstellen: Bei Free2move bekommt man in München einen kleinen elektrischen Fiat 500 ab 0,19 Euro pro Minute. Eine Fahrt von 40 Minuten kostet in diesem Tarif beispielsweise 7,60 Euro. Zu den Freunden hin und zurück macht das 15,20 Euro. Zwölf solcher Fahrten, drei pro Woche, schlagen dann mit 182,40 Euro im Monat zu Buche. Das ist deutlich billiger als das individuelle Auto, das vor dem Haus wartet, bis es mal benutzt wird. Beim Carsharing-Anbieter Miles wird teilweise anders gerechnet: Dort kostet der Kilometer ab 0,79 Euro plus ein Euro Fixgebühr pro Fahrt. Für zehn Kilometer macht das 8,90 Euro, hin und zurück 17,80 Euro. Wer sich eine solche Tour dreimal pro Woche oder zwölfmal monatlich leistet, ist mit 213,6 Euro dabei. Auch das ist wesentlich kostengünstiger als der alte Wagen in Privatbesitz. Diese einfachen Beispiele zeigen, dass es durchaus ökonomische Gründe gibt, zum Carsharing zu wechseln. Je höher die laufenden Kosten des eigenen Pkw ausfallen, je sporadischer man ihn braucht, desto mehr mag finanziell für einen Wechsel des Mobilitätsmodells sprechen.
■ Unterschiedliche Tarife
Es erscheint ratsam, sich mit den verschiedenen Abrechnungsvarianten der Firmen zu beschäftigten. Bei Free2move kann zum Beispiel der Kilometerpreis von Stadt zu Stadt unterschiedlich ausfallen. Während in München 0,19 Euro berechnet werden, sind es in Frankfurt/Main 0,22 Euro. Daneben kennt die Firma auch Stunden- und Tagespreise. Nebem dem Kilometergeld bietet Miles auch Drei-Stunden-Tarife mit einigen Freikilometern an. Flinkster kombiniert Zeit- und Entfernungstarife, auch Wochenendangebote lassen sich buchen. In der Regel decken die Preise alle Kosten des Fahrzeugs ab, auch Treibstoff oder Strom.
■ Wann es sich lohnt
Eine Daumengröße: „Nutzen Sie Carsharing, wenn Sie weniger als 12.500 Kilometer pro Jahr fahren“, heißt es beim Umweltbundesamt. Das Verbraucherportal Verivox sagt es so: Wer Strecken bis maximal 27 Kilometer fahre oder weniger als 10.000 Kilometer im Jahr zurücklege, könne mit dem Auto-Teilen eventuell finanzielle Vorteile verbuchen. Faustregel: Je weniger und seltener das eigene Auto bewegt wird, desto einträglicher ist der Wechsel zum Carsharing.