Das kann der Handy-Ausweis

von Redaktion

Auch der Führerschein soll schon bald in die digitale Brieftasche wandern. © IMAGO/Sachelle Babbar

Eudi-Wallet heißt die Brieftasche offiziell, die ab 2027 einen europaweit einheitlichen Rahmen für digitale Identitäten und Nachweise schafft. © Bundesdruckerei /dpa

Es könnte so schnell gehen an der Selbstscannerkasse im Supermarkt. Doch für die Weinflasche ist eine Altersfreigabe nötig. Die Kasse erkennt zwar Gurken und Rosinenschnecken, aber nicht, dass die Kundin, die den Wein möchte, Mitte 40 ist. Und so warten an diesem Tag alle in der Schlange, dass Personal kommt und die Kasse wieder freischaltet.

Von nächsten Jahr an könnte es einfacher werden. Die deutsche Version der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet, kurz Eudi-Wallet, die digitale Brieftasche im Mobiltelefon, soll Altersfreigaben direkt an der Kasse möglich machen. In ihr soll wie in einer echten Brieftasche der Personalausweis stecken, der Führerschein, vielleicht die Gesundheitskarte, alles digital.

Los gehen soll es Anfang 2027, auch wenn es zuletzt Berichte gab, es laufe nicht rund. „Wir haben während der Entwicklung immer Termine eingehalten und das werden wir auch mit dem 2. Januar so halten“, sagt Hagen Saxowski, zuständiger Referatsleiter im Digitalministerium. Natürlich werde zu Anfang nicht alles mit dem digitalen Nachweis möglich sein, aber das sei ohnehin ein wachsendes System.

■ App fürs Handy

Die digitale Brieftasche ist eine App, ein Programm für das Mobiltelefon, in dem sich wichtige Daten rechtsgültig speichern lassen. Zur App gehört ein großer Baukasten, den Unternehmen nutzen können, um Funktionen der digitalen Brieftasche zu verwenden. Und diese Anwendungen der Unternehmen machen den besonderen Reiz der digitalen Brieftasche aus.

Möglich ist einiges. Da wäre zum Beispiel der Nachweis, ob jemand tatsächlich zeichnungsberechtigt für ein Unternehmen ist, wofür derzeit ein aktueller Handelsregisterauszug nötig ist. Oder die vereinfachte Immatrikulation mit Nachweis. Oder digitale E-Ladekarten für E-Autos. Oder der Nachweis, dass ein Steuerberater öffentliche Akten einsehen darf. Technisch möglich wäre es auch, in Echtzeit zu zeigen, ob jemandem die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

■ Selektive Daten

Dabei soll alles deutlich datensparsamer sein als bisher. „Der Türsteher im Club zum Beispiel lässt sich bisher den Personalausweis zeigen und liest im Zweifel auch die Adresse, die er aber nicht braucht“, sagt Saxowski. Die digitale Brieftasche liefert nur Foto, Namen und die Angabe, dass die Person über 18 ist. „Es werden nur die Daten offengelegt, die für eine besondere Anwendung nötig sind.“

Entwickelt wurde die deutsche Eudi-Wallet mit innovativem Ansatz. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) startete im Frühjahr 2024 einen Wettbewerb, um eine Lösung zu erarbeiten. Von Universität über Start-up bis Konzern waren Teams beteiligt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie ist eingebunden. Betreiber der App wird die neu gegründete staatliche Firma Common Code, die zunächst bei Sprind angesiedelt ist.

■ Test durch Hacker

In diesem August wollen die Entwickler den Quellcode, den Bauplan der Software, veröffentlichen. Dann ist eine sogenannte Bug Bounty geplant, bei der Hacker gegen Belohnung Sicherheitslücken finden sollen. Im Oktober oder November können ausgewählte Personen prüfen, ob das System praxistauglich ist. Am 2. Januar 2027 soll die digitale Brieftasche dann für alle verfügbar sein.

„Wir wissen, dass es am Anfang wackeln wird“, sagt Thorsten Lodderstedt, Projektleiter bei Sprind. Das sei bei Projekten dieser Größe normal. Deshalb plant das Team die ersten drei Monate 2027 als Einführungsphase, danach soll die digitale Brieftasche immer dicker werden, wenn neue Anwendungen dazukommen. Wichtig: Die digitale Brieftasche zu nutzen, ist freiwillig.

■ Neue Anwendungen

Zum Start kann sich jeder Bundesbürger die App herunterladen und dann den Personalausweis mit der sechsstelligen Pin in die digitale Brieftasche stecken. Damit lässt sich dann zum Beispiel direkt online ein Bankkonto eröffnen – ohne umständliche Video- oder Post identverfahren. Auch die Altersprüfung für Geschäfte sollte funktionieren. „Wir gehen davon aus, dass der Führerschein zügig folgt“, sagt Lodderstedt. In die digitale Brieftasche sollen auch Ehrenamtskarte und Sozialpass wandern.

Noch haken wird es beim Einsatz im Bürgeramt oder der Gemeindeverwaltung. Die 11.000 Kommunen in Deutschland sind zum Teil nicht so weit. Nur wenn zum Beispiel das Melderegister digitalisiert ist, lässt sich die digitale Brieftasche auch mit solchen Daten nutzen. Einfachere Behördengänge, wie versprochen, werden deshalb noch nicht überall möglich sein.Björn Hartmann

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