Zeit und Aufmerksamkeit sind die wichtigsten Dinge, die Großeltern Enkeln schenken können. Doch auch etwas Geld kann ab und zu helfen. © Smarterpix
Die Mieten steigen stetig, der Führerschein wird immer teurer und auch Auszubildende und Studierende müssen mit immer höheren Kosten rechnen. Da hilft es, dass Großeltern ihren Enkeln hin und wieder eine kleine Spende zustecken. Doch was wäre, wenn dieses Geld angelegt und dann später als größere Finanzspritze den Start ins Erwachsenenleben erleichtern könnte?
Finanzexperten raten dabei vor allem zu einem frühen Start. Denn beim langfristigen Vermögensaufbau spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Schon kleine monatliche Beträge können über viele Jahre durch den Zinseszinseffekt deutlich anwachsen (siehe Kasten). Der Geldratgeber Finanztip empfiehlt deshalb, idealerweise bereits kurz nach der Geburt eines Kindes mit dem Sparen zu beginnen.
■ ETF-Sparplan statt Sparbuch
Doch welche Produkte eignen sich dafür besonders gut? Sparbücher waren lange Zeit der Klassiker für Großeltern und Eltern, um für ihren Nachwuchs Geld anzulegen. Doch die Renditen solcher Zinsprodukte sind überschaubar. Auch von Anbietern gerne verkaufte Rentenversicherungen und Generationenpolicen sind wegen sehr hoher Gebühren kein gutes Anlageprodukt, kritisieren die Verbraucherzentralen.
Eine der beliebtesten Alternativen sind dagegen heute ETF-Sparpläne. Finanztip empfiehlt für langfristige Sparziele ein Junior-Depot mit einem Sparplan auf einen breit gestreuten, weltweit investierenden Aktien-ETF. So bieten über lange Zeiträume Aktienmärkte höhere Renditechancen als klassische Sparprodukte, auch wenn zwischenzeitlich hohe Kursschwankungen möglich sind. Deshalb ist eine Grundvoraussetzung ein Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren.
■ Am besten sind kostenfreie Depots
Verbraucherportale testen regelmäßig Depots für Kinder und Enkel. Bei einem aktuellen Test des Portals Finanzfluss haben die Depots der Neobroker Scalable Capital, Traders Place und Trade Republic besonders gut abgeschnitten. Alle drei Depots sind kostenfrei, auch die Ausführung von ETF-Sparplänen kostet dort nichts. Ähnlich sind die Ergebnisse einer Analyse von Finanztipp. Dort liegt Traders Place mit dem besten Verhältnis von Preis und Leistung auf dem ersten Platz. Unter den klassischen Onlinebanken sticht laut Finanztip das Juniordepot von Comdirect mit dem besten Angebot heraus. Auch hier ist das Junior-Depot kostenfrei. Allerdings werden für die Ausführung des ETF-Sparplans 1,5 Prozent der Sparsumme verlangt.
Wer sich umfassend in das Thema einarbeiten will, kann sich zudem die Webseite Enkelfonds.de anschauen. Dort gibt es allerlei Wissenswertes zum ETF-Sparen für die Enkel – von nötigen Sparsummen für bestimmte Dinge wie den Führerschein über passenden ETFs bis zu steuerlichen Details. Auch ein Depot kann man über Enkelfonds ohne Zusatzkosten abschließen. Die Plattform lebt dabei von Provisionen, die von den Brokern bei Abschluss fließen.
■ Möglichst breit anlegende ETFs wählen
Und welche ETFs passen? Hier raten Verbraucherschützer einhellig zu ETFs auf globale Aktienindizes. Ein Klassiker ist der MSCI World, der in etwa 1300 Unternehmen aus 23 Industriestaaten investiert. Allerdings ist der Anteil an US-Aktien mit über 70 Prozent dort sehr hoch, Schwellenländer sind nicht im Index. Immer öfter wird deshalb der MSCI ACWI Index empfohlen, der 2550 Firmen aus 47 Industrie- und Schwellenländern umfasst. Auch eine nachhaltige Variante mit dem Namen MSCI ACWI SRI gibt es. Sie schließt etwa Waffenhersteller oder Ölkonzerne aus. Eine noch breitere Alternative zu den MSCI-Indizes kommt von FTSE: Der FTSE All World Index investiert sogar in 4200 Unternehmen aus 49 Industrie- und Schwellenländer. Der US-Anteil liegt dort bei 63 Prozent.
■ Auf welchen Namen soll es laufen?
Wer für Enkelkinder sparen möchte, hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten. Ein Depot kann von den Erziehungsberechtigten direkt auf den Namen des Kindes eröffnet werden. Das Vermögen gehört dann rechtlich dem Enkelkind, die Eltern verwalten es bis zur Volljährigkeit. Kapitalerträge können daher häufig steuerfrei bleiben, solange bestimmte Grenzen nicht überschritten werden. Der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer liegt dieses Jahr bei 12.348 Euro pro Jahr.
Alternativ können Großeltern auf ihren eigenen Namen sparen und das Vermögen später verschenken. Das bietet mehr Kontrolle, bringt aber unter Umständen steuerliche Nachteile mit sich, da Erträge dem Depotinhaber zugerechnet werden, warnt Finanztip. Außerdem ist bei sehr großen Geldgeschenken die Schenkungsteuer zu beachten. Je nach Verwandtschaftsgrad gelten unterschiedliche Freibeträge, die alle zehn Jahre verwendet werden können. Großeltern können Enkelkindern bis zu 200.000 Euro steuerfrei schenken.PERNILLA RAUH